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Katasterkarten und Luftbilder, die bei der Umsetzung der Landreform verwendet werden
Landreform in Namibia

Ein neuer Anfang auf sicherem Grund

Gesicherter Zugang zu Land ist ein wichtiges Thema in Namibia. Dies gilt sowohl für den ländlichen als auch für den städtischen Raum.

Als das Land 1990 unabhängig wurde, befand sich fast das gesamte kommerzielle Farmland im Besitz der weißen Minderheit. Nur 2,7 Prozent gehörten den schwarzen Bauern.

Für die rasant wachsenden namibischen Städte besteht die Herausforderung darin, genügend Bauland bereitzustellen. Bisher ist Wohnraum dort noch sehr knapp. Es wird geschätzt, dass landesweit rund 600.000 Menschen (etwa ein Viertel der Bevölkerung) in den mehr als 230 informellen Siedlungen leben.

Die namibische Regierung setzt mit deutscher Unterstützung eine Landreform um. Landlose, Frauen und benachteiligte Bevölkerungsgruppen sollen Land erhalten und Landrechte sollen gesichert werden. Dies geschieht durch die Umverteilung von Farmland und die Sicherung von kommunalen Landrechten in den ländlichen Gebieten. In den Städten wird ein neues flexibles Landbesitzsystem eingesetzt, um informellen Siedlungen einen offiziellen Status zu verleihen (Flexible Land Tenure System, FLTS).

Das BMZ finanziert Projekte zur Unterstützung der Landreform und berät die namibische Regierung bei der technischen Umsetzung des FLTS, bei der Durchführung von Pilotprojeten sowie bei der Ausbildung von Neufarmern.

Ein Mentoren-Programm, das vom BMZ gefördert wird, unterstützt die namibische Regierung bei der Umsetzung der  Landreform.

Städtische Grundstücke für arme Siedler

Ludwina Shipanga kam vor elf Jahren nach Gobabis, eine Stadt im Osten Namibias. Es gab keinen Wohnraum für sie und ihre Familie, da sie sich die teuren Häuser in der Stadt nicht leisten konnte. Daher ließ sie sich, wie mehrere tausend andere, am Stadtrand nieder und baute eine provisorische Hütte aus Wellblech. Es gab keinen Strom oder Toiletten, Wasser musste von einer Sammelwasserstelle geholt werden.

Im Februar 2016 entschloss sich die Stadtverwaltung, das Gebiet in Zusammenarbeit mit den Anwohnern neu zu planen und jedem Anwohner ein markiertes Grundstück zuzuweisen. Hintergrund war die Einführung des "Flexible Land Tenure Systems". Die neue Rechtsgrundlage ermöglicht es armen informellen Siedlern, Landrechte für Grundstücke zu erhalten.

”Mit diesem Titel werden meine Rechte gesichert. Die Stadt kann uns nicht mehr vertreiben und ich habe ein Stück Land, auf dem ich mir eine Existenz aufbauen kann und das ich an meine Kinder vererben kann", so Ludwina Shipanga. "Nun kann ich ein festes Haus bauen. Während wir darauf warten, nehmen wir an einem Training teil, in dem wir lernen, wie Abwasserrohre gelegt werden."

Durch Fortbildung zum Erfolg

Maria Haingura betreibt die Farm Ruhupwa in Kavango-Ost, 100 Kilometer südlich der Grenze zu Angola, die ihr im Rahmen der namibischen Landreform zugesprochen wurde. Seit 2014 wird sie durch das Projekt zur Entwicklung von Kommunalgebieten (Communal Land Development Project, CLDP) in verschiedenen Fragen des landwirtschaftlichen Managements beraten. Dabei kann sie auf eine ganze Reihe verschiedener Trainingsangebote zurückgreifen, beispielsweise Abendkurse, Exkursionen und ein personalisiertes Mentorenprogramm.

Was sie lernt, hilft Maria Haingura dabei, ihre Farm erfolgreich im Vollerwerb zu führen. Sie hat ihre Einkommensbasis ausgeweitet und ist jetzt weniger abhängig von einzelnen Produkten. Neben Rindern hält sie nun auch Schafe und Ziegen, außerdem hat sie eine kleine Obstbaumplantage und einen Forstbetrieb aufgebaut. Darüber hinaus ist Maria Haingura eine in der Region gefragte Hühnerzüchterin. Neben Hühnern der traditionellen lokalen Rassen bietet sie auch Tiere aus exotischen und leistungsfähigeren Zuchtlinien zum Verkauf an.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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