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Ländliche Entwicklung

Beschäftigung auf dem Land sichern

Arbeiter in einer Reismühle in Nigeria

In vielen Entwicklungsländern, insbesondere in den afrikanischen Staaten südlich der Sahara, stellen junge Menschen den größten Anteil an der Bevölkerung. Bis zum Jahr 2030 werden in Afrika 440 Millionen junge Männer und Frauen eine Beschäftigung suchen.

Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung in Afrika südlich der Sahara leben auf dem Land. Durch die zunehmende Urbanisierung nimmt der relative Anteil zwar ab, aber dennoch stellt die kleinbäuerliche Landwirtschaft mit fast zwei Dritteln aller Erwerbstätigen weiterhin die mit Abstand wichtigste Einkommens – und Beschäftigungsquelle dar.

Für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung dieser Länder spielt die Landwirtschaft also in zweifacher Hinsicht eine entscheidende Rolle: Sie dient der Existenzsicherung der ländlichen Bevölkerung und sie muss genügend Nahrungsmittel für die wachsende Stadtbevölkerung bereitstellen.

Gleichzeitig bietet die Struktur der afrikanischen Agrar- und Ernährungswirtschaft momentan keine ausreichenden Beschäftigungsmöglichkeiten. So arbeiten drei Viertel aller Beschäftigten in Subsahara-Afrika in informellen, zum Teil prekären Beschäftigungsverhältnissen. Die Folgen sind häufig schlechte Beschäftigungsbedingungen und unzureichende Einkommen sowie Unterbeschäftigung beziehungsweise Arbeitslosigkeit. 

Grünes Innovationszentrum Ghana: Schulung mit neuen landwirtschaftlichen Maschinen

Deutsches Engagement

Mit der Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger und dem Marshallplan mit Afrika hat das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) die nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume in den Mittelpunkt seiner Arbeit gerückt. Eines der zentralen Ziele ist, die Einkommensituation zu verbessern und neue Arbeitsplätze in der Agrar- und Ernährungswirtschaft  zu schaffen.

Um die Produktivität und das Einkommen kleinbäuerlicher Betriebe zu steigern, wurden unter anderem Grüne Innovationszentren gegründet. Sie bieten insbesondere auch Jugendlichen und Frauen Beratung und Ausbildungsmöglichkeiten an. Dies trägt zur Sicherung von Beschäftigungsmöglichkeiten, zur Reduzierung von Unterbeschäftigung und zur Erhöhung der Arbeitsproduktivität und Einkommen bei. Bis 2023 sollen so die Lebensbedingungen von sieben Millionen Menschen (Kleinbäuerinnen und -bauern, deren Familien und Angestellte) verbessert und mindestens 14.000 neue Jobs im vor- und nachgelagerten Bereich der Landwirtschaft geschaffen werden. Mehr zum Thema erfahren Sie hier.

Im Rahmen des Programms Agricultural Value Chains for Sustainable Development (A4SD) werden ausgewählte Wertschöpfungsketten in Subsahara-Afrika gefördert und Landwirtinnen und Landwirte in verantwortungsvoller Landbewirtschaftung und Tierhaltung geschult. Innerhalb der Projekte sind in den Wertschöpfungsketten Cashew, Kakao, Baumwolle und Reis seit 2009 zwei Millionen Bäuerinnen und Bauern trainiert worden. Daraus sind bereits 760.000 zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten in der Produktion und den vor- und nachgelagerten Sektoren entstanden.

G20-Initiative "Ländliche Jugendbeschäftigung"

Unter der deutschen G20-Präsidentschaft wurde auf dem Hamburg-Gipfel im Juli 2017 die "G20-Initiative für Jugendbeschäftigung im ländlichen Raum" verabschiedet. Im Zuge der Jugendinitiative sollen unter anderem bis zum Jahr 2022 fünf Millionen Jugendliche von Ausbildungsprogrammen profitieren und eine Million Arbeitsplätze für junge Menschen entstehen. Mehr zu der G20-Initiative finden Sie hier.

Bewässerungskanal auf einem Feld in Ägypten. Urheberrecht:  Ute Grabowsky/photothek

Aus- und Fortbildung

Trotz vieler Fortschritte im Bildungssystem verfügen weiterhin circa 20 Prozent der 15- bis 24-Jährigen über keinerlei Schulbildung, darüber hinaus fehlen moderne, praxis- und bedarfsorientierte Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Es mangelt jungen Menschen an spezifischen Qualifikationen für den Agrarsektor sowie an notwendiger unternehmerischer und Sozialkompetenz, um neue Marktchancen zu nutzen und erfolgreich Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Aus diesem Grund ist die Aus- und Fortbildung ein wichtiger Bestandteil entwicklungspolitischer Programme zur Beschäftigungsförderung im ländlichen Raum. Neben fachlichem Wissen werden auch methodische, soziale und unternehmerische Fähigkeiten vermittelt. Neben Ausbildungsgängen an Hochschulen, Universitäten oder berufsbildenden Schulen wie den landwirtschaftlichen Berufsschulen des Comprehensive Africa Agriculture Development Programme (CAADP) und dem Agricultural Technical Vocational Education and Training (ATVET) Programm fördert das BMZ auch zahlreiche Weiterbildungsangebote an nicht-formalen Ausbildungseinrichtungen. So erreicht das BMZ mit den sogenannten "Farmer Business Schools (FBS)" in vielen Programmen der Wertschöpfungskettenentwicklung eine hohe Anzahl ländlicher Haushalte. Dort lernen die Bäuerinnen und Bauern nicht nur verbesserte Anbautechniken kennen, sie erwerben auch Kenntnisse im Bereich Geschäftsentwicklung und Marktpositionierung.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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