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Hunger und Mangelernährung beseitigen

Eine Frau zeigt das Ergebnis nach dem Stampfen von Hirse auf einer kleinen Bauernfarm in Ishiara, Kenia.

Das Recht auf Nahrung wurde 1948 in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte aufgenommen (Artikel 25) und 1976 im Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (UN-Sozialpakt), Artikel 11) völkerrechtlich verankert. Alle Staaten und Regierungen sind verpflichtet, dieses Recht zu verwirklichen. Dennoch leiden weltweit rund 821 Millionen Menschen an Hunger.

Laut dem UN-Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, der die Einhaltung des Sozialpakts überwacht, ist das Recht auf Nahrung dann verwirklicht, wenn jeder Mensch zu jeder Zeit physischen und wirtschaftlichen Zugang zu ausreichender, gesundheitlich unbedenklicher und ausgewogener Nahrung hat, um seine Ernährungsbedürfnisse befriedigen und ein aktives und gesundes Leben führen zu können.

2004 beschloss die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (Food and Agriculture Organization, FAO) Freiwillige Richtlinien zur Implementierung des Rechts auf Nahrung. Sie sollen den Staaten eine praktische Hilfestellung dabei geben, Strategien zur Ernährungssicherung sowie landwirtschaftliche Investitionspläne zu entwickeln und das Recht auf Nahrung schrittweise zu verwirklichen.

Globales Entwicklungsziel

2015 fand das Ziel, den Hunger weltweit zu beenden und Ernährungssicherheit zu erreichen, Eingang in die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung (Ziel 2). Jedes Land ist nun aufgefordert, nationale Ziele zu definieren, Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele umzusetzen und regelmäßig über erzielte Fortschritte zu berichten.

Ebenfalls im Jahr 2015 kündigten die G7-Staaten auf ihrem Gipfel in Deutschland an, bis zum Jahr 2030 mindestens 500 Millionen Menschen in Entwicklungsländern aus Hunger und Mangelernährung befreien zu wollen.

Deutscher Beitrag

Deutschland hat sein entwicklungspolitisches Engagement für Ernährungssicherung in den vergangenen Jahren massiv ausgeweitet, insbesondere mit der 2014 gestarteten Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" (SEWOH).

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit hilft den Partnerländern dabei, die Ernährungslage ihrer Bevölkerung zu verbessern und langfristig zu sichern, die ländlichen Räume zu entwickeln und die natürlichen Ressourcen zu schützen.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) investiert jährlich rund 1,5 Milliarden Euro in die Bereiche ländliche Entwicklung und Ernährungssicherung.

Waage mit Plastikschüsseln in einer Markhalle in Bamako in Mali
Hintergrund

Fakten zu Hunger und Mangelernährung

Ein Mädchen in Burkina Faso kauft Bohnen

Wenn Kalorien und Nährstoffe fehlen

Rund 821 Millionen Menschen – etwa elf Prozent der Weltbevölkerung – litten nach Angaben der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (Food and Agriculture Organization, FAO) im Jahr 2018 an Hunger.

Nachdem die Zahl der Hungernden seit 2000 kontinuierlich gesunken war, blieb sie in den letzten drei Jahren nahezu unverändert. In allen Regionen Afrikas, mit Ausnahme des südlichen Afrikas, steigt die Zahl der Hungernden. Die Zahl der Hungernden steigt ebenso in Lateinamerika und der Karibik. In Asien nimmt sie im Vergleich zum Vorjahr (2017) leicht zu. Auch hier zeigen sich regionale Unterschiede. Während die Zahlen in Süd-Asien sinken, steigen sie in West-Asien weiter an.

Laut Schätzungen sterben jährlich etwa 2,6 Millionen Kinder (mehr als 7.000 pro Tag) an den Folgen von Unterernährung; knapp die Hälfte aller Todesfälle von Kindern im Alter unter fünf Jahren sind auf Unterernährung zurückzuführen.

Hunger ist nicht nur ein großes Gesundheitsrisiko, sondern auch eines der größten Entwicklungshemmnisse. Er trägt zu Flucht und Vertreibung bei, fördert Perspektivlosigkeit und Gewalt. Wo Hunger herrscht, sinken Produktivität und Wirtschaftskraft und es wird für die Menschen immer schwieriger, ihre Situation aus eigener Kraft zu verbessern.

Laut Definition der Vereinten Nationen hungert ein Mensch, wenn seine normale Nahrungszufuhr nicht ausreicht, um die Menge an Energie bereitzustellen, die er braucht, um ein normales, aktives und gesundes Leben zu führen.

Infografik: Wann spricht man von Hunger?
Gesundheitseinrichtung, die sich um unterernährte Kinder in N`Djamena, Tschad, kümmert

Der "versteckte" Hunger

Bei vielen Menschen in Entwicklungsländern steht Tag für Tag kaum mehr auf dem Speiseplan als Reis, Hirse oder Mais. Diese einseitige Ernährungsform liefert zwar genug Energie, doch sie enthält zu wenig Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, essenzielle Fettsäuren und Eiweiße. Häufige Folge einer einseitigen Ernährung ist der "versteckte Hunger". Zwei Milliarden Menschen sind Schätzungen zufolge davon betroffen.

Versteckter Hunger hat nicht nur gesundheitliche, sondern auch wirtschaftliche Folgen: Die Betroffenen sind körperlich geschwächt, weniger leistungsfähig und anfälliger für Krankheiten. Jährlich gehen in Asien und Afrika durchschnittlich 11 Prozent des Bruttoinlandprodukts infolge von Mangelernährung verloren. Nährstoffmangel während der Schwangerschaft schädigt Kinder bereits im Mutterleib. Die ersten 1.000 Tage nach der Empfängnis sind entscheidend für die körperliche und geistige Entwicklung eines Kindes. Kommt es in dieser Phase zu Defiziten bei der Ernährung der Schwangeren und Kleinkinder, können sie meistens später nicht mehr ausgeglichen werden. Ein chronisch unterernährtes Kind ist gleichzeitig anfälliger für späteres Übergewicht.

2018 waren knapp 149 Millionen Kinder unter fünf Jahren von chronischer Mangelernährung, auch Wachtumsverzögerung (englisch "stunting") genannt, betroffen. In der gleichen Altersgruppe litten 49,5 Millionen Kinder an akuter Unterernährung, der sogenannten Auszehrung (englisch "wasting").

Junge in einer Straßenküche in Myanmar

Hunger ist ungleich verteilt

Fachleute sind überzeugt, dass derzeit weltweit genügend Nahrungsmittel produziert werden, um alle Menschen auf der Erde zu ernähren. Sie sind allerdings nicht dort in ausreichender Menge zugänglich oder verfügbar, wo hungernde und mangelernährte Menschen sie am dringendsten bräuchten. Nahrung ist auf der Welt extrem ungleich verteilt, nicht nur zwischen, sondern auch innerhalb von Ländern – und damit auch der Hunger.

In absoluten Zahlen leben die meisten unterernährten Menschen in Südasien, gefolgt von Sub-Sahara Afrika. In relativen Zahlen ist der Anteil der unterernährten Menschen in den afrikanischen Staaten südlich der Sahara am größten: Dort hungert fast jeder vierte Mensch. Besonders alarmierend ist die Situation in Ostafrika, wo nach Schätzungen fast ein Drittel der Bevölkerung unterernährt ist.

Eine Bäuerin mit ihrer Ziegenherde im Nordwesten Kenias, der von Dürre betroffen ist

Druck auf ländliche Regionen steigt

Rund 70 Prozent der hungernden Menschen leben auf dem Land. Millionen Kleinbauernfamilien, Hirten, Fischer und Tagelöhner erwirtschaften weniger als das, was sie zum Überleben benötigen.

Und die Anforderungen an die ländlichen Räume und insbesondere die kleinbäuerliche Landwirtschaft steigen: Im Jahr 2050 werden voraussichtlich mehr als neun Milliarden Menschen auf der Erde leben, die meisten davon in Entwicklungs- und Schwellenländern. Um ihre Ernährung zu sichern, muss die landwirtschaftliche Produktion nach Expertenschätzungen um mindestens 50 Prozent erhöht werden.

Allerdings kann die Anbaufläche nicht mehr unbegrenzt erweitert werden – im Gegenteil: Weltweit gehen Böden rasant verloren. Die Produktivität auf den bestehenden Flächen muss also auf verantwortungsvolle und zukunftsorientierte Weise erhöht werden.

Setzling auf einem Acker im Norden Kenias

Ursachen von Hunger

Hunger und Mangelernährung werden nicht dadurch verursacht, dass es weltweit zu wenig Nahrungsmittel gibt. Hauptgründe für die weiterhin besorgniserregende weltweite Ernährungssituation sind Konflikte und Extremwetterereignisse. Dürre ist ein wichtiger Faktor für den Anstieg der Zahl der Hungernden in Sub-Sahara Afrika. Länder, die besonders von Kriegen und Konflikten betroffen sind, sind der Südsudan, Jemen, Somalia, Syrien der Nordosten Nigerias und Teile der Demokratischen Republik Kongo.

Als weiterer Hauptgrund werden Konjunkturabschwächungen und -rückgänge, das ungleichmäßige Tempo der wirtschaftlichen Erholung und die anhaltend schlechte Wirtschaftsleistung in vielen Ländern seit dem weltweiten Wirtschaftsabschwung 2008/2009 genannt.

Die drei aufgeführten Hauptgründe für Hunger und Mangelernährung sind häufig mit Armut verbunden. Dadurch fehlt Menschen das Geld für eine gesunde Ernährung. Extremwettereignisse, bedingt durch den Klimawandel, führen in zahlreichen Ländern zu Ernährungskrisen, da Menschen nicht in der Lage sind, sich beispielsweise auf vermehrt auftretende Dürren oder Überschwemmungen vorzubereiten. Experten schätzen, dass sich in den kommenden Jahrzehnten die Landwirtschaft auf bis zu 40 Prozent der weltweiten Landfläche an die Auswirkungen des Klimawandels anpassen muss.

 

 

Maniokanbau in Nigeria

Strukturelle Mängel

Die Menschen in den betroffenen Ländern leiden häufig unter struktureller Ernährungsunsicherheit. Viel zu lange wurde dort zu wenig in die Entwicklung ländlicher Räume investiert. Auch eine soziale Grundsicherung, die zum Beispiel die Folgen von Ernteausfällen abfedern könnte, ist meist nicht vorhanden. Dadurch kommt es immer wieder zu Krisen.

Voraussetzung für die Vermeidung und Überwindung von Hungerkrisen ist ein funktionierender Staat, der in eine nachhaltige, produktive Land- und Ernährungswirtschaft investiert. Gleichzeitig muss er Handwerk und Handel fördern, Straßen und Lagerhäuser bauen lassen und für die Versorgung mit Bildung, Gesundheit, Energie, Wasser und Kommunikationsnetzen sorgen.

Um speziell Mangelernährung erfolgreich zu bekämpfen, müssen vielfältige und gesunde Nahrungsmittel verfügbar, zugänglich und insbesondere für die arme Bevölkerung erschwinglich sein. Häufig fehlt es zudem an Wissen über gesunde und ausgewogene Ernährung. Wo dieses Wissen fehlt, sind Menschen häufiger unter- oder auch überernährt.

Auch gute Schwangeren- und Kleinkinderfürsorge, Zugang zu sauberem Trinkwasser, angemessene Sanitätsversorgung und Hygienebedingungen und -praktiken sowie der Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen sind für die Bekämpfung von Mangelernährung relevant.

Auch mit Blick auf die Langzeitfolgen gilt es, früh die richtigen Weichen zu stellen. So ist zum Beispiel spätere Überernährung häufig die Folge von Mangelernährung in der Kindheit.

Eine Schlüsselrolle für die Ernährungssicherung liegt bei den Frauen – und das nicht nur, weil die Versorgung der Familie mit Essen in ihrer Verantwortung liegt, sondern auch, weil sie die Landwirtschaft maßgeblich mitprägen. In Entwicklungsländern stellen Frauen bis zu 43 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeitskraft. Zugleich sind sie mit Blick auf Ressourcen jedoch deutlich benachteiligt. In allen Regionen haben Frauen zum Beispiel weniger Chancen auf Landbesitz oder -nutzung als Männer. Berechnungen zeigen: Hätten Landwirtinnen den gleichen Zugang zu Ressourcen wie Landwirte, könnte die Zahl der Hungernden in der Welt durch Produktivitätssteigerungen um bis zu 150 Millionen reduziert werden.

Sogenannte "Schlüssellochgärten" – wie hier im Jemen – versorgen Familien nachhaltig mit frischem Gemüse.
Deutsches Engagement

Das Recht auf Nahrung verwirklichen

Deutschland unterstützt seine Partnerländer intensiv dabei, die Ernährungslage ihrer Bevölkerung zu verbessern und zu sichern.

Das deutsche entwicklungspolitische Engagement in diesem Sektor trägt außerdem dazu bei, ländliche Räume zu entwickeln und natürliche Ressourcen zu schützen. Pro Jahr investiert das BMZ dafür deutlich mehr als eine Milliarde Euro.

Lösungsansätze der deutschen Entwicklungspolitik

Ein bolivianischer Bauer in einem Weizenfeld. Durch den Bau von Steinwällen wird Ackerland vor Erosion geschützt.

Hilfe zur Selbsthilfe

Zur Sicherung der Ernährung sind in den meisten von Hunger und Mangelernährung betroffenen Staaten umfangreiche Reformprozesse im gesamten Ernährungssystem notwendig, zum Beispiel in der Regierungsführung, in der Wirtschaft, dem Gesundheitssektor, der sozialen Sicherung, den Handelsbeziehungen oder auch bei der Raumplanung.

Unterstützung von außen reicht für diese Prozesse nicht aus: Sie können nur gelingen, wenn die Entwicklungsländer dafür selbst Verantwortung übernehmen. Sie benötigen den politischen Willen, das Menschenrecht auf Nahrung zu verwirklichen, sowie eine angemessene finanzielle, technische und personelle Ausstattung. Leitgedanke der deutschen Entwicklungspolitik ist daher die Hilfe zur Selbsthilfe.

Eine Bäuerin beim Handtraktor-Training: An der landwirtschaftlichen und naturwissenschaftlichen Universität von Malawi können sich Bäuerinnen und Bauern Zugmaschinen zu günstigen Preisen tageweise ausleihen.

Umfassender Ansatz

Hunger hat verschiedene Ursachen. Auf die jeweilige Situation im Land reagiert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit einer Kombination von Maßnahmen aus unterschiedlichen Bereichen wie Landwirtschaft, Gesundheit, Ernährungsberatung oder Wasser und Hygiene.

Die Kooperationsländer werden zudem bei der Verbesserung der Regierungsführung und beim Aufbau effizient arbeitender Institutionen beraten. Parallel dazu engagiert sich das BMZ für bessere Rahmen- und Lebensbedingungen in ländlichen Regionen, etwa durch den Ausbau von Infrastruktur, eine Erweiterung der Bildungs- und Ausbildungsangebote oder den Aufbau von sozialen Sicherungssystemen.

Flaggen verschiedener Nationen vor dem Hauptgebäude der Vereinten Nationen.

Internationale Zusammenarbeit

Die deutsche Regierung engagiert sich auch auf internationaler Ebene für Ernährungssicherung, unter anderem unter dem Dach der Vereinten Nationen und der Europäischen Union sowie im Rahmen der G7 und der G20.

Außerdem arbeitet das Bundesentwicklungsministerium eng mit internationalen Hilfsorganisationen, Initiativen der Zivilgesellschaft, den Kirchen sowie mit wissenschaftlichen Einrichtungen und der privaten Wirtschaft zusammen.

Markt in Burundi

Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger"

Im Mittelpunkt des deutschen Engagements steht die Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" (SEWOH), die das BMZ 2014 gestartet hat.

Im Rahmen dieser Initiative werden mehr als 200 Projekte in Ländern umgesetzt, die besonders stark von Hunger und Mangelernährung betroffen sind.

Ausführliche Informationen zur Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" finden Sie hier.

Im Flüchtlingslager Dadaab in Kenia werden Lebensmittel für die Versorgung der neu ankommenden Menschen abgefüllt.

Übergangshilfe

Krisen und Konflikte gehören zu den häufigsten Ursachen von Hunger und Mangelernährung. Umgekehrt kann auch eine unsichere Ernährungssituation Auslöser für Gewalt, politische Instabilität und Fluchtbewegungen sein.

Die komplexen Wechselwirkungen zwischen Krisen, Katastrophen, Klimaveränderungen und Konflikten sowie Hunger, Ernährungsunsicherheit und Armut erfordern es, die kurzfristige Hilfe zur Überlebenssicherung in akuten Notsituationen immer mit langfristigen Maßnahmen zu verknüpfen, die an den Ursachen der Krisen ansetzen. Der Übergang zwischen diesen beiden Handlungsansätzen muss fließend und flexibel sein.

Das BMZ setzt darum bei der Ernährungssicherung in Krisen- und Konfliktsituationen auf drei Schwerpunkte:

  • Verbesserung des Zugangs zu Nahrungsmitteln (durch vorübergehende soziale Transferleistungen)
  • Reduzierung von Unterernährung
  • (Wieder-) Anschub der landwirtschaftlichen Produktion und Schaffung neuer Einkommensmöglichkeiten

Mehr Informationen zur Übergangshilfe finden Sie hier.

Bäuerinnen in Burkina Faso

Programm Ernährungssicherung und Resilienzstärkung

Der Schwerpunkt des Globalvorhabens "Ernährungssicherung und Resilienzstärkung" liegt auf Ländern in Subsahara-Afrika und in Asien, weil dort die Ernährungssituation von Frauen und Kleinkindern besonders kritisch ist. Grundlegendes Ziel des Programms ist, dass sich arme Haushalte jederzeit – auch in Zeiten von Hungerkrisen – ausreichend und gesund ernähren können. Hauptzielgruppe sind Frauen im gebärfähigen Alter, Schwangere, stillende Mütter und Kleinkinder.

Das Vorhaben setzt auf eine Kombination verschiedener Ansätze: Aufklärung über ausgewogene Ernährung und Hygiene, Beratung zum Anbau und der Verarbeitung gesunder Nahrung, Verbesserung von Gesundheitsdiensten und Trinkwasserversorgung sowie die Verankerung erfolgreicher Maßnahmen in nationale politische Strategien sind nur einige der Aktivitäten.

Um ihre Lebensgrundlagen dauerhaft zu sichern, muss außerdem die Widerstandsfähigkeit (Resilienz) der von Ernährungsunsicherheit bedrohten Menschen gestärkt werden. Unter Resilienz wird die Fähigkeit von Individuen, Haushalten, Gemeinden oder Staaten verstanden, sich auf extreme Belastungen (Schocks) vorzubereiten, sich an sie anzupassen und sich rasch von ihnen zu erholen. Solche Schocks können zum Beispiel durch Naturkatastrophen, wirtschaftliche Instabilität oder gewaltsame Konflikte ausgelöst werden.

Für das Programm mit einer Laufzeit bis 2023 stehen rund 185 Millionen Euro zur Verfügung. Bisher ernähren sich über 920.000 Menschen in zwölf Ländern (Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Indien, Jemen, Kambodscha, Kenia, Madagaskar, Malawi, Mali, Sambia, Togo) aufgrund der Maßnahmen reichhaltiger und gesünder. 200.000 Menschen haben durch Trainings ein verbessertes Wissen zu Ernährung und Hygiene.

Tröpfchenbewässerung auf einem Feld in Äthiopien

Klimawandel und Ernährung

Landwirtschaft und Klimawandel stehen in einem engen Zusammenhang. Einerseits leidet die Landwirtschaft unter dem Klimawandel: Es drohen Ernteeinbußen durch Extremwetterlagen, Erosionsprozesse und der Verlust von Ackerflächen werden weiter verschärft. Andererseits gehört die Landwirtschaft zu den Verursachern des Klimawandels: Sie trägt erheblich zum Ausstoß von Treibhausgasen bei.

Eine Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel ist unverzichtbar. Die zukünftige „klima-intelligente“ Landwirtschaft kann dann auch selbst zum Klimaschutz beitragen. Sie wird daher durch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit gefördert.

Mehr zu diesem Thema finden Sie hier.

  • Passanten auf einer Straße in einem Slumgebiet von Neu-Delhi
    Zusammenarbeit konkret

    Ernährungssicherung in Indien

    Laut Welternährungsbericht 2019 sind rund 15 Prozent der indischen Bevölkerung chronisch mangel- oder unterernährt – das sind mehr als 190 Millionen Menschen.

  • Bäuerinnen auf dem Weg zum Feld in Beledougou in Mali
    Zusammenarbeit konkret

    Neustart nach politischer Krise in Mali

    Das Nigerbinnendelta in Mali wird seit Jahrhunderten sowohl von Wanderhirten als auch von sesshaften Kleinbauern bewohnt. 

Passanten auf einer Straße in einem Slumgebiet von Neu-Delhi
Zusammenarbeit konkret

Ernährungssicherung in Indien

Trotz des rasanten wirtschaftlichen Wachstums in den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Lebensbedingungen der Landbevölkerung in Indien kaum verbessert. Laut Welternährungsbericht 2019 sind rund 15 Prozent der indischen Bevölkerung chronisch mangel- oder unterernährt – das sind mehr als 190 Millionen Menschen.

Die indische Regierung geht gegen Unterernährung unter anderem durch staatliche Lebensmittelausgaben vor: Das "Public Distribution System" (PDS) ist das weltweit größte System zur Verteilung von subventionierten Nahrungsmitteln. Im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) berät die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) die indische Regierung bei der Reform des Systems mit dem Schwerpunkt Digitalisierung.

In dieser Projektkomponente werden zum Beispiel in den Verteilungszentren, den sogenannten Fair Price Shops, im Bundesstaat Madhya Pradesh Geräte bereitgestellt, mit denen Bezugsberechtigte anhand ihres Fingerabdrucks identifiziert werden können.

Das Gerät liest laut vor, wie viele Nahrungsmittel der Empfängerin oder dem Empfänger zustehen. Damit werden Lebensmittelverluste vermieden und die Kunden können flexibel entscheiden, in welchem Zentrum sie ihre Rationen abholen. Gleichzeitig wird vor allem sichergestellt, dass tatsächlich nur berechtigte Personen subventionierte Lebensmittel erhalten.

Beratung und technische Unterstützung

Neben technischer Beratung leistet das GIZ-Programm auch Bildungsarbeit: Gemeinsam mit dem Department for Women and Child Development (DWCD) der Regierung in Madhya Pradesh und in Kooperation mit der Deutschen Welthungerhilfe werden Frauen über ihr Recht auf Sozialleistungen im Ernährungsbereich informiert. Außerdem wird ihnen mit partizipativen Methoden Wissen darüber vermittelt, wie sie sich und ihre Familien mit lokalen Lebensmitteln gesund und vielfältig ernähren können. Unter anderem werden sie dabei unterstützt, Gemüsegärten anzulegen, um die Mahlzeiten abwechslungsreicher gestalten zu können.

Um die Kompetenz in der Wissensvermittlung sowie den Wissensstand in gesundheits- und ernährungsrelevanten Themenfeldern der Sozialarbeiterinnen des DWCD zu verbessern, hat das Programm zudem gemeinsam mit dem DWCD eine Online-Training-Plattform entwickelt.

Wirkungen

An den Trainings zum Thema ausgewogene Ernährung, Gesundheit und Hygiene nehmen mehr als 144.000 Frauen im gebärfähigen Alter teil. Ebenso haben bereits rund 19.000 Familien Gemüsegärten angelegt. Über eine digitale Lernplattform haben rund 100.000 Sozialarbeiterinnen Zugang zu systematischen Fortbildungen.

Mehr als 22.400 Zentren in Madhya Pradesh nutzen digitale Geräte zur korrekten Identifikation der Begünstigten, sie erreichen damit mehr als 53 Millionen anspruchsberechtigte Personen.

Geplante Laufzeit: Februar 2015 bis Juni 2020

Deutscher Beitrag: 8,3 Millionen Euro

Bäuerinnen auf dem Weg zum Feld in Beledougou in Mali
Zusammenarbeit konkret

Neustart nach politischer Krise in Mali

Das Nigerbinnendelta in Mali wird seit Jahrhunderten sowohl von Wanderhirten als auch von sesshaften Kleinbauern bewohnt. Doch wiederholt auftretende Naturkatastrophen wie Dürren und Überschwemmungen sowie die anhaltende politische Instabilität machen es der Bevölkerung seit Jahren schwer, sich eine nachhaltige Lebensgrundlage zu erwirtschaften.

Im Zuge der politischen Krise ab 2012 haben mehr als eine halbe Million Menschen ihre Heimatdörfer verlassen. Viele Familien sind zwar inzwischen zurückgekehrt. Doch ohne Unterstützung sind sie nicht in der Lage, sich eine neue Existenz aufzubauen, ihre Ernährung zu sichern und neue Konflikte zu bewältigen. In der dünn besiedelten Region ist das Angebot an qualifizierter privater oder staatlicher Landwirtschafts- und Gesundheitsberatung jedoch äußerst begrenzt.

Förderung einer ernährungssensitiven Landwirtschaft

Im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) besonders ernährungsgefährdete Menschen in Süd-Timbuktu – und hier insbesondere zurückkehrende Flüchtlingen und intern Vertriebene – beim Reis- und Gemüseanbau. Sie erhalten Beratung zu Anbaumethoden, Saatgut und landwirtschaftlichen Betriebsmitteln. Durch diese Maßnahmen wurde der Zugang zu und die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln für 15.528 Personen verbessert, davon für 10.878 durch die Förderung der Reisproduktion und für 4.650 Personen durch Gemüseanbau.

Die Gemüseerträge verzeichneten auch eine positive Entwicklung. Während in der Vergangenheit vorwiegend Tabak und Zwiebeln angebaut wurden, ist das wichtigste Ergebnis die Diversifizierung der Produktion; etwa mit den sehr geschätzten und nahrhaften neuen Sorten "Fokoye" (dunkelgrünes Blattgemüse), Moringa, Amaranth, Möhren, und Süßkartoffeln. Aber auch der Anbau von Karotten, Kohl, Aubergine hat zugenommen.

Bereits 30 Prozent der Haushalte wenden die vom Projekt verbreiteten Rezepte mit nährstoffreicheren Nahrungsmitteln an. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Kürbissuppe und mit Moringa angereicherten Brei. Dies belegt die Bedeutung und Wirksamkeit der Kochdemonstrationen, der Hausbesuche und der Sensibilisierung über Radiosendungen. Die enge Zusammenarbeit mit den örtlichen Gesundheitsdiensten bei der Sensibilisierung auf Dorfebene hat dazu geführt, dass diese den kombinierten Ansatz "Gemüseanbau-Ernährung" bereits zum festen Bestandteil ihrer Aufklärungsmaßnahmen und der Schulung von Frauen über Ernährungsfragen gemacht haben.

Da das Thema Wasser und Hygiene sehr eng mit gesunder Ernährung verbunden ist, wurden 90 Dorf- und Weidebrunnen (wieder) nutzbar gemacht und damit für rund 24.600 Personen (4.100 Haushalte, darunter 2.900 Haushalte von Viehzüchtern und 1.200 bäuerliche Haushalte) der Zugang zu Wasser verbessert. Zu den Projektpartnern zählen die Deutsche Welthungerhilfe und die Nichtregierungsorganisation "Aktion gegen den Hunger".

Beratung zu Tierhaltung und Ernährungssicherung

Da die Viehwirtschaft die Lebensgrundlage der Wanderhirten darstellt, werden ihnen umfassende Beratungsleistungen im Bereich Tierhaltung angeboten. Themen sind zum Beispiel Tiergesundheit, Futterproduktion, Weidewirtschaft, Herdenmanagement und Produktvermarktung. Außer Aus- und Fortbildung und Beratung zu Herdenmanagement wurden auch Maßnahmen zur Ernährung, Einkommensgenerierung, Weiderehabilitierung, Aushebung von Teichen und der Instandsetzung von Weidebrunnen und Nothilfemaßnahmen zur Sicherung der Produktionsbasis der Haushalte in Krisenzeiten durchgeführt. Zudem wurden 72 Weidebrunnen instandgesetzt/gebaut, was den Zugang zu Wasser für 2.900 pastorale Haushalte (17.396 Personen) und ihr Vieh erhöht hat.

Zur Schaffung von Einkommen wurden 20 Mikroprojekte in den Bereichen Viehhaltung, Kleinhandel und Gemüseanbau finanziert. Alle 20 Gruppen konnten eine durchschnittliche Kapitalsteigerung von über 50 Prozent der Investitionen erzielen, was zur Verbesserung der finanziellen Unabhängigkeit geführt hat. Die Frauen haben damit genügend Geld zur Verfügung, um ausreichend ausgewogene Nahrungsmittel für ihre Familien zu kaufen. Insgesamt haben bisher 1.000 Haushalte mit rund 6.000 Personen an Cash-for-Work-Maßnahmen (Weiderehabilitierung, Aushebung von Teichen) teilgenommen. Auf Grund von Extremwetterereignissen wie längeren Dürreperioden und Überschwemmungen erhielten bisher 3.049 Haushalte Gutscheine (ungefähr 46 bis 73 Euro, abhängig von Jahr und Region) zum Kauf von Nahrungs- und Futtermitteln, was zur Stabilisierung der Haushalte beigetragen hat.

Durch maßgeschneiderte Trainings wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lokaler staatlicher und nicht staatlicher Institutionen geschult. Ziel war der Aufbau eines Trainerpools, der in der Lage ist, die Beratung der Zielgruppen zu verschiedenen Themen, wie Reis-, Gemüseanbau, WASH, Ernährung und Konfliktbearbeitung, zu gewährleisten

Geplante Laufzeit: Dezember 2014 bis März 2023

Deutscher Beitrag: 19,5 Millionen Euro

Weiterführende Informationen

Inhaltsverzeichnis

Ländliche Entwicklung und Ernährungssicherung

Lexikon der Entwicklungspolitik

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