Veranstaltungsbericht „Brücken bauen für Syriens Zukunft: Diaspora-Engagement im Wiederaufbau“ - Jahresveranstaltung der Plattform ‘Neuanfang für Syrien‘ mit Bundesministerin Reem Alabali Radovan
Auf Einladung von Bundesministerin Reem Alabali Radovan wurde am 21. April 2026 das einjährige Bestehen der Plattform „Neuanfang für Syrien“ mit einer ganztägigen Veranstaltung im Humboldt Carré Berlin mit mehr als 270 Teilnehmenden gewürdigt. Die syrische Regierung war mit Hind Kabawat, Ministerin für Soziales und Arbeit, hochrangig vertreten. Ziel der Veranstaltung war es, die zahlreichen Beiträge und Erfolge der syrischen Diaspora in Deutschland zur Förderung des Wiederaufbaus in Syrien anzuerkennen und den Austausch und die Vernetzung der syrischen Diaspora in Deutschland zu fördern.
Den Auftakt der Veranstaltung gestalteten die beiden Ministerinnen gemeinsam und besuchten eine Fotoausstellung mit Wiederaufbau-Projekten in Syrien, die im vergangenen Jahr durch die syrische Diaspora in Deutschland initiiert wurden. Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan betonte in ihrer Eröffnungsrede, dass die BMZ-Plattform „Neuanfang für Syrien“ vor einem Jahr auf Impulse der deutsch-syrischen Zivilgesellschaft hin gegründet wurde, um die zahlreichen Initiativen der Diaspora und Akteur*innen in Syrien für den Wiederaufbau zu bündeln und miteinander zu vernetzen. Ministerin Alabali Radovan warb für einen offenen Austausch zwischen Politik und Zivilgesellschaft und bekräftigte das Engagement der Bundesregierung für Frieden und Stabilität in Syrien und in der Region. Ministerin Hind Kabawat würdigte die Solidarität Deutschlands und betonte die Chancen des syrischen Neuanfangs, für den der Austausch zwischen Diaspora, Staat, lokalen Gemeinschaften und Zivilgesellschaft fundamental sei. Die Diaspora bezeichnete Kabawat als Schlüsselressource für Wissenstransfer, Innovation und institutionellen Aufbau in Syrien. Im Anschluss diskutierten beide Ministerinnen mit drei Vertreter*innen der syrischen Diaspora, die ihre deutsch-syrischen Wiederaufbauinitiativen vorstellten: Robel Mutlu (Syriac Cross), Aziz Ramadan (DOZ e.V.) und Farah Khalifeh (Abjad Initiative für Bildung e.V.).
In der darauffolgenden Paneldiskussion mit Martin Russel (The Diaspora Institute), Bahjat Hajjar (stellvertretender Minister; syrisches Ministerium für Soziales und Arbeit), Ashraf Rajab (Madaniya), Hafiza Hamoud (Mehad Germany e.V.) und Thomas Müller (GIZ) wurden die Potenziale des Diaspora-Engagements aus Perspektiven von Wissenschaft, syrischer Regierung, Zivilgesellschaft und Durchführungsorganisationen diskutiert. Zudem stellten über 30 Organisationen ihre deutsch-syrischen Initiativen und Projekte auf dem Marktplatz des Engagements vor. So bekamen die Teilnehmenden Einblicke in das vielfältige Engagement der syrischen Diaspora für Zukunftsperspektiven in Syrien. Das Format schuf Raum für Austausch, Vernetzung und mögliche Kooperationen. Parallel hierzu fand ein Beratungsformat für Fragen zu Projektentwicklung und Umsetzung gemeinsam mit Ulrike Lauerhaß (Referentin EZ-Kleinprojektefonds der Stiftung Nord-Süd-Brücken) und Stephan Clauß (Fachberater für Projektanträge bei bengo/Engagement Global) statt.
Am Nachmittag diskutierten die Teilnehmenden in vier verschiedenen Austauschrunden intensiv. Bei der Fishbowl Diskussion „Zusammen mehr erreichen: Europäische Diaspora im Wiederaufbau Syriens“ wurde die Verbindung zweier Perspektiven als besondere Ressource hervorgehoben: der Zugang der Diaspora zu europäischen Diskursräumen einerseits sowie ihr Wissen um lokale Realitäten in Syrien andererseits.
Der ausschließlich an Frauen gerichtete Workshop „Frauen aus der Diaspora beim Wiederaufbau Syriens“, basierte auf der zentralen Erkenntnis, dass der Wiederaufbau ohne die Beteiligung von Frauen unvollständig bleibt. Die Teilnehmerinnen wiesen darauf hin, dass die vielfältigen Lebensrealitäten von Frauen bisher nicht ausreichend berücksichtigt wurden.
In der Gruppe „Wirtschaftliches Engagement für den Wiederaufbau in Syrien“ kamen in der Privatwirtschaft tätige Mitglieder der Plattform zusammen. Dabei wurden zentrale Hürden für ein Engagement von Wirtschaftsakteuren aus der Diaspora in Syrien diskutiert sowie Lösungsansätze identifiziert.
Im Workshop „Syrien 2035 – Politische Bildung und Teilhabe“ entwickelten die Teilnehmenden zunächst eine gemeinsame Vision 2035 für ein Syrien, in der politischen Teilhabe, gesellschaftliche Inklusion und zivilgesellschaftliches Engagement nachhaltig gestärkt sind. Aufbauend auf diesem Zukunftsbild mittels eines Backcasting-Ansatzes zentrale Voraussetzungen und Handlungsfelder identifiziert.
Die Veranstaltung verdeutlichte eindrucksvoll das große Engagement und die Vielfalt der syrischen Diaspora und zugleich den dringenden Bedarf für langfristige Unterstützung. Die im Rahmen dieser Veranstaltung an die Plattform formulierten Empfehlungen und Bedarfe werden für die zukünftige Planung von Aktivitäten und die Weiterentwicklung berücksichtigt.
Ein ausführlicher Veranstaltungsbericht sowie die Präsentationen stehen weiter unten als Download zur Verfügung.
Stand: 21.04.2026