Soziale Situation Schlechte Versorgungslage führt zu Landflucht

Eine junge Frau im Senegal mit einem Mobiltelefon

Eine junge Frau im Senegal

Eine junge Frau im Senegal

Die senegalesische Regierung steht vor großen innen- und sozialpolitischen Herausforderungen: Nach Schätzungen leben etwa 40 Prozent der Bevölkerung in Armut, besonders betroffen sind die Menschen im vorwiegend trockenen Osten und Norden des Landes.  Die Ernährungssituation hat sich in den vergangenen 20 Jahren zwar verbessert, doch noch immer gelten mehr als zehn Prozent der Bevölkerung als unterernährt.

Bildung und Gesundheit

Große Defizite sind auch in der Bildungs- und Gesundheitsversorgung zu verzeichnen. Die Analphabetenrate liegt bei knapp unter 50 Prozent. Nur etwa drei Viertel der Kinder im schulpflichtigen Alter besuchen eine Grundschule, weniger als 60 Prozent schließen sie ab.

Vor allem in den ländlichen Gebieten ist die medizinische Versorgung völlig unzureichend. Die meisten Ärztinnen und Ärzte praktizieren in der Hauptstadt Dakar, auf dem Land sind kaum Krankenhausbetten vorhanden.

Im Bereich HIV/Aids hat sich die frühzeitige Aufklärungspolitik der Regierung bewährt: Offiziell liegt die Infektionsrate in Senegal bei 0,4 Prozent und damit deutlich unter dem Durchschnitt Subsahara-Afrikas (3,9 Prozent).

Situation der Frauen

Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist verfassungsrechtlich garantiert. Vor allem in den ländlichen Regionen Senegals ist die Situation der Frauen jedoch noch durch ein traditionelles Rollenverständnis bestimmt. Weibliche Genitalverstümmelung ist bei einigen Ethnien weiterhin verbreitet und wird – trotz eindeutiger rechtlicher Vorschriften – in der Praxis nur unzureichend strafrechtlich verfolgt.

Bei den Parlamentswahlen wird ein Gesetz zur Geschlechtergerechtigkeit angewendet. Aktuell sind 69 der 165 Abgeordneten Frauen. Mit dieser Quote belegt Senegal weltweit einen Spitzenplatz.

Landflucht und Migration

Auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen verlassen viele Senegalesinnen und Senegalesen die ländlichen Regionen. Inzwischen lebt fast die Hälfte der knapp 16 Millionen Einwohner in Städten, mehr als 20 Prozent der Bevölkerung wohnen im Großraum der Hauptstadt Dakar.

In den Städten sorgt die Zuwanderung für Probleme, besonders bei der Trinkwasserversorgung und der Abwasser- und Abfallentsorgung. Auch die sozialen Konflikte verschärfen sich, da die städtischen Arbeitsmärkte den Bevölkerungszustrom nicht aufnehmen können. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei 6,5 Prozent, laut Schätzungen sind jedoch rund 40 Prozent der Erwerbstätigen arbeitslos oder unterbeschäftigt.

Jedes Jahr entscheiden sich zahlreiche Senegalesinnen und Senegalesen auszuwandern, weil sie sich in anderen Ländern bessere Perspektiven erhoffen. Die meisten bleiben in der Region Westafrika, doch auch Europa übt eine große Anziehungskraft aus. Die Rücküberweisungen senegalesischer Migrantinnen und Migranten machen etwa 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus und sind damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.