Soziale Situation Große Armut auf dem Land

Obwohl die sambische Wirtschaft bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie kontinuierlich gewachsen ist, hat sich die Situation der in Armut lebenden Menschen kaum verbessert. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung muss mit umgerechnet weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag auskommen, besonders kritisch ist die Situation auf dem Land.

Die Lebenshaltungskosten steigen. Die Regierung Hichilema setzt darauf, trotz der hohen Verschuldung Ausgaben für Bildung und Gesundheit zu schützen. Schulgebühren wurden abgeschafft, zusätzliches Lehr- und Gesundheitspersonal wird eingestellt.

Sambia hat eine der höchsten Mangelernährungsraten Afrikas (der Durchschnitt in Sub-Sahara-Afrika liegt bei 22 Prozent). Im Welthunger-Index 2022 wird die Hungersituation in Sambia als „ernst“ eingestuft. Demnach sind 31 Prozent der Menschen mangelernährt. Bei fast einem Drittel der Kinder unter fünf Jahren (32,3 Prozent) sind Wachstumsverzögerungen zu verzeichnen, etwa sechs Prozent der Kinder sterben innerhalb ihrer ersten fünf Lebensjahre. Sambia belegt damit im Welthunger-Index 2022 Rang 108 von 121 Ländern mit ausreichender Datenlage.

In nur wenigen anderen Ländern sind die Einkommen so ungleich verteilt wie in Sambia (Gini-Koeffizient 57). Zudem werden viele Entwicklungserfolge durch das hohe Bevölkerungswachstum (2020: 2,9 Prozent) neutralisiert.

Die Wirtschaft Sambias profitiert einerseits stark von den hohen Kupferpreisen, zugleich finden nur vergleichsweise wenige Menschen in diesem Sektor Beschäftigung. Die sambische Regierung strebt daher ambitionierte wirtschaftliche Reformen an, um das Geschäftsklima zu verbessern und die Landwirtschaft weiter auszubauen. Der öffentlichen Verwaltung fehlt es vielfach an qualifizierten Fachkräften und finanziellen Mitteln, insbesondere auf der lokalen Ebene.

Auf dem aktuellen Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen (HDI (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) belegt Sambia Platz 154 von 191 Ländern.

HIV-Präventionsmaßnahme in Lusaka, Sambia

HIV-Präventionsmaßnahme in Lusaka, Sambia

HIV-Präventionsmaßnahme in Lusaka, Sambia

Mehr als jeder zehnte Erwachsene zwischen 15 und 49 Jahren ist mit dem HI-Virus infiziert. Ende der 1990er Jahre sank die durchschnittliche Lebenserwartung in Folge der Epidemie auf nur 43 Jahre. Inzwischen ist sie aufgrund der Verfügbarkeit von sogenannten antiretroviralen Medikamenten, die wesentlich im Rahmen der US-amerikanischen Entwicklungszusammenarbeit bereitgestellt werden, wieder auf 64 Jahre angestiegen. Gerade jungen Menschen fehlt aber häufig das Wissen zu HIV und Aids, so dass sie besonders gefährdet sind.


Situation der Mädchen und Frauen

Die soziale und rechtliche Stellung der Frauen ist – nicht nur in den ländlichen Gebieten Sambias – noch stark von Traditionen geprägt. Obwohl die Gleichstellung der Geschlechter in der Verfassung verankert ist, vollziehen sich die gesellschaftlichen Veränderungen nur sehr langsam.

Viele Mädchen verlassen frühzeitig die Schule, weil den Eltern das Geld für Schulgebühren, Lehrmittel und Schuluniformen fehlt oder weil sie schwanger sind. Die Covid-Krise hat diese Situation verschärft. Häusliche und sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist weit verbreitet. Zwar bemüht sich der Staat zum Beispiel mit speziellen Gerichtsstellen („fast track courts“) um Maßnahmen gegen Gewalt und Unterdrückung von Frauen, diese reichen aber bei Weitem nicht aus.

Stand: 13.12.2022