Soziale Situation Große Armut auf dem Land

Obwohl die sambische Wirtschaft bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie kontinuierlich gewachsen ist, hat sich die Situation der in Armut lebenden Menschen kaum verbessert. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung muss mit umgerechnet weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag auskommen.

Kind in Luapula im Nordwesten Sambias an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo

Kind in Luapula im Nordwesten Sambias an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo

Kind in Luapula im Nordwesten Sambias an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo

Besonders kritisch ist die Situation auf dem Land. Die Lebenshaltungskosten steigen. Die Regierung Hichilema setzt darauf, trotz der hohen Verschuldung Ausgaben für Bildung und Gesundheit zu schützen. Schulgebühren wurden abgeschafft, zusätzliches Lehr- und Gesundheitspersonal wird eingestellt. Inwieweit diese Ausrichtung zu halten ist, hängt auch wesentlich von der finanziellen Gesamtsituation ab.

Sambia hat eine der höchsten Mangelernährungsraten Afrikas. Im Welthunger-Index 2021 wird die Hungersituation in Sambia als „ernst“ eingestuft. Demnach sind mehr als 45 Prozent der Menschen mangelernährt. Bei mehr als einem Drittel der Kinder (35 Prozent) sind Wachstumsverzögerungen zu verzeichnen, etwa sechs Prozent der Kinder sterben innerhalb ihrer ersten fünf Lebensjahre. Zwar haben sich diese Werte im Vergleich zu früheren Auswertungen verbessert, allerdings ist die Einstufung Sambias im Index 2021 nur vorläufig erfolgt, da die Datenlage als unzureichend bewertet wurde.

In nur wenigen anderen Ländern sind die Einkommen so ungleich verteilt wie in Sambia (Gini-Koeffizient 57). Zudem werden viele Entwicklungserfolge durch das hohe Bevölkerungswachstum (2020: 2,9 Prozent) neutralisiert.

Auf dem aktuellen Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen (HDI (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) belegt Sambia Platz 154 von 191 Ländern.

Mehr als jeder zehnte Erwachsene zwischen 15 und 49 Jahren ist mit dem HI-Virus infiziert. Ende der 1990er Jahre sank die durchschnittliche Lebenserwartung in Folge der Epidemie auf nur 43 Jahre. Inzwischen ist sie aufgrund der Verfügbarkeit von sogenannten antiretroviralen Medikamenten, die wesentlich im Rahmen der US-amerikanischen Entwicklungszusammenarbeit bereitgestellt werden, wieder auf 64 Jahre angestiegen. Gerade jungen Menschen fehlt aber häufig das Wissen zu HIV und Aids, so dass sie besonders gefährdet sind.


Situation der Mädchen und Frauen

Die soziale und rechtliche Stellung der Frauen ist – nicht nur in den ländlichen Gebieten Sambias – noch stark von Traditionen geprägt. Obwohl die Gleichstellung der Geschlechter in der Verfassung verankert ist, vollziehen sich die gesellschaftlichen Veränderungen nur sehr langsam.

Viele Mädchen verlassen frühzeitig die Schule, weil den Eltern das Geld für Schulgebühren, Lehrmittel und Schuluniformen fehlt oder weil sie schwanger sind. Die Covid-Krise hat diese Situation verschärft. Häusliche und sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist weit verbreitet. Zwar bemüht sich der Staat zum Beispiel mit speziellen Gerichtsstellen („fast track courts“) um Maßnahmen gegen Gewalt und Unterdrückung von Frauen, diese reichen aber bei Weitem nicht aus.