Fabrik in Laos

Wirtschaftliche Situation Wirtschaftliche Stabilität in Gefahr

Laos gilt als Teil der aufstrebenden Wirtschaftsgemeinschaft Südostasiens – doch hinter dem Bild eines sich entwickelnden wirtschaftlichen Aufschwungs verbirgt sich eine fragile Realität, die auf Rohstoff- und Energieexporten basiert, aber nur geringe Wertschöpfung erzielt. Wachsende Verschuldung, Inflation und wachsende Abhängigkeit vom Ausland haben das Land in eine tiefe Finanz- und Wirtschaftskrise geführt. In 2025 zeigten sich jedoch erste Anzeichen einer leichten Erholung.

Laos ist seit 1997 Mitglied der südostasiatischen Staatengemeinschaft (ASEAN), 2013 folgte der Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)), seit 2020 gehört es Regionalen umfassenden Wirtschaftspartnerschaft (Regional Comprehensive Economic Partnership, RCEP).Das laotische Entwicklungsmodell gründet dabei auf dem Export von Energie und Rohstoffen: Wasserkraft, Bergbauprodukte, Holz und landwirtschaftliche Erzeugnisse bilden die zentralen Einnahmequellen des Landes. Doch die nationale Wertschöpfung (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) bleibt gering und neue Arbeitsplätze entstehen kaum. Für die aufstrebende Privatwirtschaft sind die Bedingungen weiterhin schwierig, denn es mangelt an Transparenz und Wettbewerb.

Bereits vor Ausbruch der Corona-Pandemie hatte sich das Wachstum der laotischen Wirtschaft verlangsamt – seit 2014 gingen die Wachstumsraten kontinuierlich zurück (2013: acht Prozent Wachstum, 2019: 5,5 Prozent).

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie verletzlich Laos gegenüber Einflüssen von außen ist. Die lange Zeit vergleichsweise stabile Entwicklung des Landes geriet ins Stocken: 2020 erreichte das Wirtschaftswachstum noch 0,5 Prozent, ein Jahr später 2,5 Prozent. 2024 meldete der Internationale Währungsfonds (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)ein Plus von 4,3 Prozent. Die Inflation erreichte im Februar 2023 einen Wert von 41,26 Prozent, der höchste Stand seit 22 Jahren. Bis 2025 ist sie auf rund 20 Prozent gesunken.

Hohe Auslandsverschuldung

In einem im Juli 2022 vorgelegten Bericht warnte die Weltbank⁠ (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen), Laos drohe, in eine Schuldenkrise zu geraten. Die hohe Staatsverschuldung, eine unzureichende Steuerbasis, begrenzte Finanzierungsmöglichkeiten und fehlende Devisenreserven würden die wirtschaftliche Stabilität und die Entwicklungsaussichten des Landes gefährden.

Besonders kritisch bewertet wird die wachsende Abhängigkeit von China. So hat Laos sein Stromnetz an eine chinesische Firma verkauft. Auch große Infrastrukturprojekte – allen voran die Schnellbahnverbindung von Vientiane nach Südchina – wurden durch chinesische Kredite ermöglicht.

Ende 2024 belief sich die Staatsverschuldung auf rund 120 Prozent des BIP, umgerechnet 18 Milliarden US-Dollar – ein Niveau, das nach Einschätzung der Weltbank untragbar ist. Im Februar 2025 setzte die Financial Action Task Force (FATF) Laos zudem auf ihre graue Liste, ein Zeichen für akute Solvenz- und Liquiditätsrisiken. Von einer strukturellen Entspannung der Schuldenlage geht die Weltbank derzeit nicht aus. Immerhin konnte der laotische Staat im Jahr 2025 einige erfolgreichen fiskalpolitischen Maßnahmen umsetzen und die Staatseinnahmen von 13 Prozent auf 18,65 Prozent des BIP erhöht werden.

Wirtschaftsstruktur im Wandel

Etwa zwei Drittel der laotischen Bevölkerung leben weiterhin auf dem Land. Doch die kleinbäuerliche Landwirtschaft zur Selbstversorgung verliert zunehmend an Bedeutung. Sie wird von der industriellen Plantagenwirtschaft verdrängt. Der Agrarsektor trägt nur noch 16 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei, während es 1990 noch 46 Prozent waren. Heute entfallen rund 34 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf die Industrie, knapp 40 Prozent auf den Dienstleistungssektor.

Eine Schlüsselressource des Landes bilden die Wasserkraftreserven. Sie schaffen Exportmöglichkeiten für Strom, sind aber politisch und ökologisch umstritten. Als „Batterie Südostasiens“ setzt Laos auf eine Wachstumsstrategie, die auf Elektrizität aus Wasserkraft basiert: Zwei große Dämme am Mekong-Hauptstrom – Sayaburi im Norden und Don Sahong im Süden – sowie 64 weitere Anlagen an Nebenflüssen sind bereits in Betrieb, 22 weitere im Bau. Doch während das Land von den Einnahmen profitiert, stoßen neue Projekte bei den Nachbarn auf Skepsis. Auch die Einzigartigkeit der Tier- und Pflanzenwelt gilt als potenzieller Wachstumsmotor – vorausgesetzt, der Ökotourismus kann nachhaltig etabliert werden.

Ein entscheidender Faktor für die weitere wirtschaftliche Dynamik ist die junge Bevölkerung: Ein Drittel der rund 7,4 Millionen Menschen ist jünger als 15 Jahre. Noch verhindern fehlende Bildungsstrukturen und geringe Produktivität, dass sich dieses Potenzial in Wertschöpfung übersetzt. Zusätzlich verschärfen Abwanderung und Arbeitskräftemangel die Lage. Viele junge Laoten suchen Arbeit im benachbarten Thailand, was im Inland steigende Preise und wachsende Armutsrisiken für zahlreiche Haushalte nach sich zieht.

Stand: 05.12.2025