Skyline von Hyderabad, Indien

Wirtschaftliche Situation Große Potenziale – Arbeits- und Ausbildungsplätze fehlen

Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie verzeichnete Indien über viele Jahre ein stabiles Wirtschaftswachstum. 2020 ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) infolge der Coronakrise um 7,3 Prozent zurück. Doch für die Folgejahre rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) bereits wieder mit Wachstumsraten über acht Prozent (Stand: April 2022), also mit einer Wirtschaftsleistung auf Vorkrisenniveau. In einigen Bereichen gehört das Land inzwischen zur Weltspitze – zum Beispiel in der Informationstechnik, der Pharmazie, der Raumfahrt und der Biotechnologie.

Hoher Bedarf an Jobs und Ausbildungs­angeboten

Noch ist die indische Volkswirtschaft durch ein deutliches Missverhältnis geprägt: Der Anteil einzelner Wirtschaftsbereiche am Bruttoinlandsprodukt spiegelt sich nicht in der Zahl der Arbeitsplätze wider. Nur etwa 2,2 Prozent der 15-bis 59-jährigen Inderinnen und Inder haben derzeit eine formale Berufsausbildung. Mehr als 40 Prozent der arbeitenden Bevölkerung sind in der Landwirtschaft beschäftigt – die aber nur noch etwa 18 Prozent zum BIP beiträgt. Wachstum und Wohlstand sind vor allem dem Dienstleistungssektor zu verdanken (BIP-Anteil: 49 Prozent). Er bietet jedoch nur etwa einem Drittel der Bevölkerung eine Beschäftigung. Ein sehr großer Teil der indischen Erwerbstätigen ist im informellen Sektor (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) tätig.

Um die Armut im Land zu überwinden, müssen sehr viele neue Arbeitsplätze geschaffen werden – vor allem für nicht oder gering qualifizierte Arbeitskräfte. Auch das Ausbildungsangebot muss stark ausgebaut und qualitativ verbessert werden.


Landwirtschaft: Agrarökologie für mehr Nachhaltigkeit

Der indische Agrarsektor ist zu einem Großteil auf Selbstversorgung ausgerichtet. Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Nahrungsproduktion sind traditionell ein zentrales Thema in Politik und Gesellschaft. Um seine wachsende Bevölkerung zu ernähren, verfolgte Indien mit der "grünen Revolution" über lange Jahre einen Ansatz, der auf die intensive Produktion einer schmalen Palette von Grundnahrungsmitteln ausgerichtet war. Dies hat wichtige Fortschritte bei der Ernährungssicherung möglich gemacht. Gleichzeitig trug diese Politik aber auch maßgeblich zu Bodendegradation (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen), Wassermangel und -verschmutzung, zur Belastung von Nahrungsmitteln mit Pestiziden, Biodiversitätsverlust sowie zu sozialer Ungleichheit bei.

Aufgrund des Bevölkerungswachstums werden in vielen Regionen die Betriebsflächen immer kleiner, immer mehr Menschen besitzen kein eigenes Land mehr. Viele Kleinbäuerinnen und -bauern sind von Krediten für Düngemittel, Saatgut und Bewässerung abhängig und häufig überschuldet.

Vor diesem Hintergrund wird in Indien immer offener darüber diskutiert, agrarökologische Ansätze zunehmend als nachhaltige Methode der Landwirtschaft zu etablieren. Durch diesen Ansatz soll sich das Einkommen und die Wirtschaftlichkeit von kleinbäuerlichen Betrieben verbessern, die Böden sollen sich erholen, die Produktivität und Vielfalt der Produkte sollen sich erhöhen und damit die Ernährungssicherheit verbessern.

Indien fördert agrarökologische Ansätze durch mehrere nationale und bundesstaatliche Programme. Dafür wurde bereits 2016 die "National Mission for Sustainable Agriculture" zur Förderung ökologischer Landwirtschaft ins Leben gerufen. Auch das Ziel der indischen Regierung, bis 2024 über 10.000 neue Erzeugerorganisationen oder Kooperativen zu gründen, steht damit in Verbindung.

Stand: 02.08.2022