Passanten in einem Slum in Neu-Delhi, Indien, in dem die Bevölkerung hauptsächlich vom Müllsammeln lebt.

Soziale Situation Extremer Reichtum, extreme Armut

Indien ist ein Land extremer Gegensätze: Man findet dort boomende Zentren wie Mumbai, Delhi oder Bangalore und eine wachsende Anzahl an enorm reichen Familien, gleichzeitig aber auch Millionen Menschen, die in extremer Armut leben. 15 Prozent der Inderinnen und Inder sind unterernährt. Etwa ein Drittel aller Kinder unter fünf Jahren leidet wegen chronischer Unterernährung an Wachstumsverzögerungen. Die Kindersterblichkeit ist höher als in den Nachbarländern Nepal und Bangladesch, die zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt (LDC (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) gehören. Der Welthunger-Index 2021 bewertet die Situation in Indien als „ernst“.

Die öffentlichen Ausgaben für Bildung und Gesundheit reichen bislang nicht aus, um die gesamte Bevölkerung zu versorgen. Auch die Qualität der Angebote ist oft noch zu gering. Mängel bestehen auch in der Infrastruktur: Ein Großteil der Bevölkerung hat keinen beziehungsweise nur unzureichenden Zugang zu Basisdienstleistungen wie Wasser- und Sanitärversorgung, angemessenen Wohnraum, Abfallentsorgung und Mobilität. So verfügen etwa 30 Prozent der indischen Bevölkerung über keine eigene Toilette.

Die indische Bevölkerung hat sich innerhalb von 40 Jahren nahezu verdoppelt. Etwa ein Viertel der Einwohnerinnen und Einwohner ist jünger als 15 Jahre, etwa 45 Prozent sind unter 25 Jahre alt. Die demographische Entwicklung birgt großes Potenzial für Wirtschaftswachstum und Einkommenssteigerung – allerdings nur, wenn es gelingt, dieses Potenzial durch ein verstärktes Bildungs- und Beschäftigungsangebot auch zu nutzen.

Derzeit sind fast 90 Prozent der Beschäftigten im informellen Sektor (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) tätig und haben damit keinen Anspruch auf eine berufliche Krankenversicherung oder Lohnausgleich. Nur die wenigsten von ihnen können sich eine ärztliche Behandlung jenseits der staatlich bereitgestellten, zuweilen lückenhaften Grundversorgung leisten. Zudem fehlt es an einer hochwertigen und für alle Bevölkerungsgruppen zugänglichen beruflichen Bildung, die auch gesellschaftliche Anerkennung findet.


Stand: 01.08.2022