Stadtansicht von Addis Abeba, der Hauptstadt von Äthiopien

Äthiopien Land mit großen Herausforderungen

Der große ostafrikanische Binnenstaat Äthiopien ist eines der am wenigsten entwickelten Länder der Erde. Auf dem aktuellen Index der menschlichen Entwicklung (HDI (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) nimmt Äthiopien Rang 175 der 191 gelisteten Staaten ein. Äthiopien war auf einem guten Weg, die Lebensverhältnisse seiner Bevölkerung nachhaltig zu verbessern. Das über Jahre hinweg konstant hohe Wirtschaftswachstum verringerte sich jedoch durch die Covid-19-Pandemie und dem gewaltsamen Konflikt im Land deutlich.

Zusätzlich zu den innenpolitischen Konflikten und der Pandemie stellen unter anderem wiederkehrende Dürren und Fluten in einzelnen Landesteilen, eine mangelnde Infrastruktur sowie eine sehr hohe Inflationsrate das Land vor enorme politische und wirtschaftliche Herausforderungen.

Die Zusammenarbeit mit Äthiopien wird seit November 2020 vom Konflikt zwischen der äthiopischen Regierung und der Tigrinischen Volksbefreiungsfront (TPLF) überschattet. Die ohnehin schon prekäre humanitäre Lage hat sich durch den Konflikt massiv verschlechtert. Laut UN-Schätzung sind insgesamt 26 Millionen Menschen in Äthiopien auf humanitäre Hilfe angewiesen. Rund vier Millionen Menschen sind laut UNHCR binnenvertrieben. Die Ernährungslage ist in einigen Landesteilen dramatisch. Der Konflikt wirkt sich zudem gravierend auf den Staatshaushalt aus – die Kreditwürdigkeit Äthiopiens sinkt und ein erst 2019 verabschiedetes Programm des Internationalen Währungsfonds (IWF (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) ist vorzeitig ausgelaufen.


Deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit mit Äthiopien

Um die Reformen im Land effektiv unterstützen zu können, hat Deutschland im November 2019 eine Reformpartnerschaft mit Äthiopien vereinbart, die aufgrund des Tigray-Konflikts de facto ruht. Die Auszahlung der dafür zugesagten Mittel wurde angehalten und an politische Forderungen gebunden. Dazu zählen Schritte zur politischen Lösung des Konfliktes und die Aufklärung begangener Menschenrechtsverletzungen.

Aktuell sind aufgrund des Konflikts alle entwicklungspolitischen Vorhaben in Tigray unterbrochen sowie Aktivitäten in Teilen Afars und Amharas verzögert.

In den anderen Landesteilen wird die deutsch-äthiopische Entwicklungszusammenarbeit im Einklang mit der EU fortgeführt, um die Menschen in Äthiopien bei der Bewältigung ihrer akuten Herausforderungen weiter zu unterstützen.

Die deutsch-äthiopische Zusammenarbeit konzentriert sich auf folgende Kernthemen:

  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Ausbildung und Beschäftigung
  • Leben ohne Hunger – Transformation der Ernährungssysteme
  • Frieden und gesellschaftlicher Zusammenhalt

Angesichts existenzieller Herausforderungen für die Entwicklung, Stabilität und den Zusammenhalt des Landes setzt das BMZ, in enger Abstimmung mit anderen Gebern, die laufende Entwicklungszusammenarbeit mit Äthiopien angepasst an die veränderten Rahmenbedingungen fort. Dazu werden bevölkerungsnahe Maßnahmen zur Ernährungssicherung, Resilienzsteigerung und sozialen Sicherung ausgebaut. Ein weiterer Fokus bleibt die Verbesserung der Lebensbedingungen und wirtschaftlichen Perspektiven für Flüchtlinge und aufnehmende Gemeinden (Ernährungssicherung, Gesundheit, Wasser-, Sanitärversorgung, Berufsbildung).

Weitere Arbeitsbereiche

Zusätzlich zu den Maßnahmen im Bereich der Kernthemen engagiert sich Deutschland in Äthiopien für die Bewahrung der Umwelt und die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen.

Zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie unterstützt das BMZ Äthiopien bei der Umsetzung des äthiopischen Corona-Reaktionsplans, fördert Maßnahmen in Kooperation mit der Weltgesundheitsorganisation und engagiert sich für die Linderung der wirtschaftlichen Pandemiefolgen (zum Beispiel durch Unterstützung des Textilsektors).