Eine Frau, ihr Kind und ihr Mann stehen in einer Siedlung im Regenwald in Brasilien auf der Terrasse ihres einfachen Hauses. Die Frau trägt das Kind auf ihrem Arm.

Menschenrechte Rechte indigener Völker

In etwa 90 Staaten der Welt leben rund 5.000 indigene Völker, denen insgesamt mehr als 476 Millionen Menschen angehören. Sie stellen rund sechs Prozent der Weltbevölkerung – jedoch 19 Prozent der in Armut lebenden Menschen.

Lexikon der Entwicklungspolitik

Indigene Völker sind überproportional stark von den negativen Auswirkungen der Globalisierung und des Klimawandels betroffen. Unter anderem werden ihre Lebensräume durch die Agrar- und die Rohstoffindustrie bedroht. Zugleich birgt ihr traditionelles Wissen über Ökosysteme und die Pflanzen- und Tierwelt ein wichtiges Potenzial für Wald- und Klimaschutz: Indigene Völker schützen rund 80 Prozent der weltweit verbleibenden Biodiversität.

Rechte indigener Völker Der deutsche Beitrag

Der Schutz der Rechte indigener Völker ist ein zentraler Bestandteil des 2011 vorgelegten Menschenrechtskonzepts des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Für die deutsche Entwicklungspolitik ist die aktive Beteiligung indigener Völker eine wichtige Voraussetzung für die Wahrung ihrer individuellen und kollektiven Menschenrechte. Über die Mitwirkung in den Gremien der Vereinten Nationen hinaus nutzt das BMZ seine bilateralen Kontakte zu Ländern mit indigener Bevölkerung, um sich im Politikdialog für deren Belange einzusetzen.

Cover

Menschenrechte in der deutschen Entwicklungspolitik

BMZ-Strategiepapier

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 05/2011 | Dateigröße 251 KB, Seiten 28 Seiten | Zugänglichkeit barrierefrei

Das BMZ-Engagement konzentriert sich auf vier Handlungsfelder:

1. Menschenrechte

Das BMZ unterstützt die Globale Initiative zur Bekämpfung und Prävention von Kriminalisierung und Straflosigkeit gegen indigene Völker (Global Initiative to Address and Prevent Criminalization and Impunity against Indigenous Peoples (Externer Link)). Die Kampagne stellt die Verletzung kollektiver Rechte indigener Völker und die Notwendigkeit entsprechender Präventionsmaßnahmen und Lösungsstrategien in den Mittelpunkt.

Außerdem fördert das BMZ Ansätze zur Umsetzung des Prinzips der freien, vorherigen und informierten Zustimmung (FPIC) indigener Völker. Dazu zählen zum Beispiel FPIC-Protokolle (Externer Link), die von indigenen Gemeinschaften in Brasilien, Peru und Kolumbien entwickelt wurden. Die Protokolle tragen dazu bei, Interessenskonflikte gewaltfrei zu lösen.

2. Klimaschutz

Das BMZ unterstützt die Plattform für lokale Gemeinschaften und indigene Völker (Local Communities and Indigenous Peoples Platform, LCIPP (Externer Link)) der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) als Mechanismus für die Beteiligung indigener Bevölkerungsgruppen. Darüber hinaus beteiligt sich Deutschland maßgeblich am Grünen Klimafonds (Green Climate Fund, GCF (Externer Link)) und an der Globalen Umweltfazilität (Global Environment Facility, GEF (Externer Link)). Beide Klimafonds haben mit deutscher Unterstützung wichtige Standards zu indigenen Völkern gesetzt.

In der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit sind zwei Drittel des BMZ-Budgets im Bereich Biodiversität, (mehr als eine Milliarde Euro) für Aktivitäten im Zusammenhang mit indigenen Völkern vorgesehen.

3. Waldschutz

Beim UN-Klimagipfel 2019 kündigte das BMZ an, sich mit 20 Millionen Euro an einem neuen Weltbank-Fonds zu beteiligen, um unter anderem die Teilhabe indigener Völker und lokaler Gemeinschaften an der internationalen Klimafinanzierung gezielt zu fördern.

In den drei großen Regenwaldregionen Amazonien, Kongo-Becken und Südostasien unterstützt das BMZ die Partnerländer bei der partizipativen Bewirtschaftung von Waldschutzgebieten, was zum Schutz der Rechte lokaler und indigener Gemeinschaften beiträgt.

4. Landrechte

Das BMZ unterstützt indigene Völker in Peru, Brasilien und der Mekong-Region dabei, einen besseren Zugang zu Land zu erhalten und ihren Landbesitz rechtlich abzusichern.

Fachlicher Hintergrund

Ein Fischer in einem traditionellen Schilfboot (Uros-Inseln, peruanischer Teil des Titicacasees)

Ein Fischer in einem traditionellen Schilfboot (Uros-Inseln, peruanischer Teil des Titicacasees)

Ein Fischer in einem traditionellen Schilfboot (Uros-Inseln, peruanischer Teil des Titicacasees)