Mitarbeiter im Finanzministerium in Dhaka, Bangladesch, warten vor ihrem Arbeitsbeginn auf Aufzüge.

Rahmenbedingungen für ländliche Entwicklung Eine moderne Agrarpolitik gestalten und gute Regierungsführung im ländlichen Raum fördern

Ländliche Regionen standen lange Zeit nicht im Fokus der politischen Entscheidungsträger. Umso größer sind nun die Herausforderungen für die Regierungen vieler Entwicklungs- und Schwellenländer, die vor der Aufgabe stehen, eine entwicklungsorientierte Agrarpolitik zu formulieren und umzusetzen und zukunftsfähige ländliche Räume zu entwickeln.

Die Liste der Aufgaben ist lang: 

  • Die Regierungen müssen eine Landwirtschaft fördern, die einen wesentlichen Beitrag dazu leistet, dass ausreichend gesunde und nährstoffreiche Nahrungsmittel verfügbar und bezahlbar sind.
  • Langfristig müssen die Ernährungssysteme so (um-)gestaltet werden, dass sie widerstandfähiger gegen Krisen sind. Dies umfasst nicht nur die Art und Weise, wie Lebensmittel produziert werden, sondern auch deren Handel und Konsum.
  • Die Regierungen müssen eine weitsichtige Planung für die nachhaltige Nutzung des ländlichen Raumes und seiner Ressourcen vorlegen und dabei den Bedürfnissen und Interessen der lokalen Bevölkerung Rechnung tragen.
  • Sie müssen in öffentliche Güter wie Straßen, Bewässerung und Marktinfrastruktur investieren und die Rahmenbedingungen für landwirtschaftliche und finanzielle Dienstleistungen verbessern.
  • Sie müssen der privaten Wirtschaft ein gutes Investitionsklima und Rechtssicherheit bieten sowie Arbeitsplätze in und außerhalb der Landwirtschaft schaffen. 
  • Die politischen Entscheidungsträger müssen sich mit den Folgen des Klimawandels und der Verknappung natürlicher Ressourcen auseinandersetzen. Sie müssen die Nutzung natürlicher Ressourcen durch die Landwirtschaft nachhaltig gestalten und zugleich einen Beitrag zu mehr Gerechtigkeit leisten, insbesondere zur Geschlechtergerechtigkeit.


Teilnehmerinnen einer Wasserinitiative für ein Bewässerungssystem im Nildelta, Region Behira, Ägypten

Der deutsche Ansatz

Um die Potenziale des ländlichen Raums für Ernährungssicherung und Armutsbekämpfung sowie für wirtschaftliche und soziale Entwicklung auszuschöpfen, muss die Agrarpolitik besser eingebettet werden: Sie muss mit der Wirtschafts-, Sozial-, Umwelt-, Klima- und Ressourcenpolitik verzahnt und lokal verankert werden und zudem globale Regelwerke wie die Agenda 2030, das Klimaabkommen von Paris oder auch Abkommen der Welthandelsorganisation (WTO) berücksichtigen.

Deutschland unterstützt die Regierungen seiner Partnerländer dabei, Ziele einer agrarbasierten ländlichen Entwicklung zu formulieren, geeignete Instrumente zur Umsetzung zu entwickeln und die Wirkungen der Maßnahmen auszuwerten. Die Politikberatung wird dabei durch gezielte Fach- und Organisationsberatung ergänzt, um die Leistungsfähigkeit der zuständigen Einrichtungen zu erhöhen. So soll sichergestellt werden, dass die verschiedenen Zielgruppen erreicht und sowohl öffentliche als auch private Interessen fair und transparent verhandelt werden.

Neben staatlichen Institutionen werden auch Verbände, Kammern, bäuerliche Organisationen, die Zivilgesellschaft, Bezirksräte, Runde Tische und andere Entwicklungsinitiativen für den ländlichen Raum eng in den Beratungsprozess eingebunden.

Ziele der agrarpolitischen Beratung

Am Anfang des Beratungsprozesses steht immer eine Analyse der wirtschafts-, umwelt- und sozialpolitischen Ausgangslage des jeweiligen Landes. Eine angepasste, entwicklungsförderliche Agrarpolitik sollte dann folgende Ziele in den Blick nehmen:

  • Sicherung der Versorgung der Bevölkerung, Reduzierung der Armut, Diversifizierung der landwirtschaftlichen Produktion, Steigerung der Widerstandsfähigkeit gegenüber wirtschaftlichen Krisen oder extremen Naturereignissen
  • Gestaltung eines nachhaltigen Strukturwandels
  • Schaffung von Beschäftigung und angemessenem Einkommen für kleinbäuerliche Haushalte und Lohnarbeiter im Agrar- und Ernährungssektor, Verbesserung des Investitionsklimas
  • Erhöhung der Wertschöpfung in der landwirtschaftlichen Produktion sowie den vor- und nachgelagerten Bereichen 
  • Nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft bei gleichzeitigem Erhalt und Schutz der natürlichen Ressourcen
  • Verbesserung der Attraktivität des landwirtschaftlichen Sektors (insbesondere für Jugendliche)
  • Schaffung alternativer Einkommensmöglichkeiten außerhalb der Agrar- und Ernährungswirtschaft 
  • Einführung sozialer Sicherungssysteme und landwirtschaftlicher Risikomanagementmechanismen für arme und sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen

Eine moderne und entwicklungsorientierte Agrarpolitik ist besser umsetzbar, wenn sie von einer guten Regierungsführung im ländlichen Raum flankiert wird. Deshalb unterstützt das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) seine Partnerländer auch bei der Stärkung dezentraler Verwaltungs- und Dienstleistungsstrukturen und bei der Einbeziehung der lokalen Bevölkerung in Planungs- und Umsetzungsprozesse von Entwicklungsmaßnahmen.