Hintergrund und Definitionen Gute Regierungsführung – Rahmenbedingung für Entwicklung

En­de der 1980er Jah­re setz­te sich welt­weit die Er­kennt­nis durch, dass Fort­schritt nicht nur ei­ne Fra­ge wirt­schaft­li­cher Er­fol­ge ist, son­dern dass auch "schwa­che" Re­gie­run­gen, will­kür­li­che Rechts- und Jus­tiz­sys­te­me, schlecht funk­tio­nie­ren­de Ver­wal­tun­gen und Kor­rup­ti­on Ent­wick­lung be­hin­dern. Nur leis­tungs­fä­hi­ge und recht­mä­ßi­ge staat­li­che Ein­rich­tun­gen kön­nen po­li­ti­sche, wirt­schaft­li­che, so­zia­le und öko­lo­gi­sche Re­form­pro­zes­se steu­ern und dau­er­haft ver­an­kern.

Ei­nem Wäh­ler in Bu­run­di wird der Fin­ger mit Tin­te mar­kiert.

Ei­nem Wäh­ler in Bu­run­di wird der Fin­ger mit Tin­te mar­kiert.

Ei­nem Wäh­ler in Bu­run­di wird der Fin­ger mit Tin­te mar­kiert.

Gu­te Re­gie­rungs­füh­rung (Good Gov­er­nance) wur­de da­her zu ei­nem Syn­onym für ent­wick­lungs­för­dern­de Rah­men­be­din­gun­gen. Da­zu zäh­len ins­be­son­de­re De­mo­kra­tie, po­li­ti­sche Teil­ha­be und Bür­ger­nä­he, Rechts­staat­lich­keit, Ach­tung, Schutz und Ge­währ­leis­tung al­ler Men­schen­rech­te, ein funk­tio­nie­ren­des öf­fent­li­ches Fi­nanz­we­sen und Kor­rup­ti­ons­frei­heit.


Kofi Annan, UN-Generalsekretär 1997 bis 2006
Gu­te Regierungs­führung und nach­haltige Ent­wick­lung las­sen sich nicht tren­nen. Das ist die Leh­re aus all un­seren Be­mü­hun­gen und Er­fah­run­gen von Afri­ka über Asi­en bis Latein­amerika.
Kofi Annan, UN-Generalsekretär 1997 bis 2006

Definition von Good Governance

Für den in­ter­na­tio­nal ge­bräuch­li­chen Be­griff "Good Go­ver­nan­ce" exis­tiert kei­ne all­ge­mein an­er­kann­te De­fi­ni­ti­on. Im Deut­schen wird er mit "gu­te Re­gie­rungs­füh­rung", "gu­te Staats­füh­rung" oder auch "ver­ant­wor­tungs­vol­le Re­gie­rungs­füh­rung" über­setzt. Ein um­fas­sen­des Ver­ständ­nis von Good Gov­er­nance geht al­ler­dings über das Han­deln von Re­gie­run­gen hin­aus. Es schlie­ßt auch ver­ant­wort­li­ches Han­deln nicht staat­li­cher Ak­teu­re so­wie ei­ne kon­struk­ti­ve Aus­ge­stal­tung der Be­zie­hun­gen zwi­schen dem Staat und den nicht staat­li­chen Ak­teu­ren mit ein. Dies um­fasst zum Bei­spiel As­pek­te wie de­mo­kra­ti­sche Teil­ha­be, zi­vil­ge­sell­schaft­li­che Par­ti­zi­pa­ti­on und Rechts­staat­lich­keit.

Auch der Be­griff "Gov­er­nance" wird häu­fig "un­scharf" ver­wen­det und es gibt für ihn kei­ne deut­sche Ent­spre­chung. Gov­er­nance um­fasst die Art und Wei­se, wie in ei­nem Staat – oder auch in Or­ga­ni­sa­tio­nen und Fir­men – po­li­ti­sche In­hal­te for­mu­liert, Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen und Mit­tel ein­ge­setzt wer­den. Es geht so­zu­sa­gen um die Spiel­re­geln, die für staat­li­che und nicht staat­li­che Ak­teu­re gel­ten.

Im Ver­ständ­nis der deut­schen Ent­wick­lungs­po­li­tik be­deu­tet Good Gov­er­nance vor al­lem:

  • Staat­li­che Ein­rich­tun­gen er­fül­len ih­re Auf­ga­ben auf al­len Ver­wal­tungs­ebe­nen ef­fi­zi­ent und trans­pa­rent und le­gen Re­chen­schaft über ihr Han­deln ab.
  • Sie ori­en­tie­ren ihr Han­deln an de­mo­kra­ti­schen so­wie men­schen­recht­li­chen Prin­zi­pi­en und Stan­dards, be­tei­li­gen die ge­sam­te Be­völ­ke­rung und be­rück­sich­ti­gen die Mei­nun­gen von Min­der­hei­ten und die Be­dürf­nis­se von Schwa­chen.
  • Al­le Bür­ge­rin­nen und Bür­ger wer­den mit den not­wen­di­gen öf­fent­li­chen Gü­tern und so­zia­len Dienst­leis­tun­gen ver­sorgt.
  • Al­le Ent­schei­dun­gen ori­en­tie­ren sich an den Prin­zi­pi­en der Nach­hal­tig­keit.

Seit Mit­te der 1990er Jah­re ist Good Gov­er­nance ein Schlüs­sel­be­griff in ent­wick­lungs­po­li­ti­schen Stra­te­gi­en. Good Gov­er­nance zu för­dern be­deu­tet, die Part­ner­län­der der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit da­bei zu un­ter­stüt­zen, die po­li­ti­schen Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne er­folg­rei­che so­zia­le, öko­lo­gi­sche und markt­wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung zu schaf­fen.

Good Gov­er­nance ist aber nicht nur Ziel, son­dern auch Vor­aus­set­zung für wirk­sa­me Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit: Ob und in wel­cher Form Deutsch­land mit ei­nem Land ent­wick­lungs­po­li­tisch ko­ope­riert, hängt von den dort herr­schen­den po­li­ti­schen Zu­stän­den ab. Je re­form- und ent­wick­lungs­ori­en­tier­ter die staat­li­chen Ak­teu­re und je sta­bi­ler die In­sti­tu­tio­nen des Part­ner­lan­des sind, des­to bes­ser kann Ent­wick­lungs­po­li­tik wir­ken und den Men­schen vor Ort zu­gu­te­kom­men.