Deutsches Engagement Aufnahmeregionen stabilisieren

Etwa vier von fünf Flüchtlingen suchen in der Nach­bar­schaft ihrer Herkunfts­länder Zuflucht. Dabei handelt es sich sehr häufig um Ent­wick­lungs­länder. In den Aufnahme­ländern leben die meisten von ihnen gemein­sam mit der ein­heimi­schen Bevölkerung in Städten und Gemeinden, nicht in Camps.

An einem Haus in der Stadt Mafraq in Jordanien werden neue Trinkwasserleitungen verlegt.

An einem Haus in der Stadt Mafraq in Jordanien werden neue Trinkwasserleitungen verlegt.

An einem Haus in der Stadt Mafraq in Jordanien werden neue Trinkwasserleitungen verlegt.

Zu den Ländern, die besonders viele Menschen beherbergen, gehören die Türkei, Kolumbien, Pakistan, Uganda, die USA, Peru, Sudan, der Libanon und Bangla­desch. Deutsch­land stand Ende 2020 an dritter Stelle der Haupt­aufnahme­länder.

In den Aufnahmeländern ist es für Flücht­linge oft schwierig, Arbeit zu finden. In den wenigsten Ländern erhalten sie eine Arbeits­erlaubnis und damit die Chance, ihren Lebens­unter­halt durch reguläre Arbeit selbst zu verdienen. Auch zu Bildungs­angeboten und medi­zi­ni­scher Versorgung haben sie häufig keinen ausreichenden Zugang. Das Gefühl, keine Perspek­tiven mehr zu haben und sozial ausgegrenzt zu sein, kann zu gravierenden psychischen Problemen führen. Viele Menschen auf der Flucht sind trauma­ti­siert und brauchen gezielte Unter­stützung, um wieder selbst­bestimmt leben zu können.

In vielen Aufnahmeländern führt der kurzfristige Zuzug von sehr vielen Menschen zu massiven Heraus­forderungen: Unter­künfte und Arbeits­möglich­keiten, Lehr­kräfte und Schulen, Wasser und Nahrungs­mittel fehlen oder werden knapp. Auch Gesund­heits­zentren und Kranken­häuser sind häufig völlig über­lastet. Insbesondere über den Zugang zu Wasser und frucht­barem Acker­boden können Konflikte zwischen Flücht­lingen und der lokalen Bevölkerung entstehen.

Die deutsche Entwicklungs­zusammen­arbeit hat sich deshalb zum Ziel gesetzt,

  • für Flüchtlinge und Binnen­vertriebene im Aufnahme­land Perspektiven zu schaffen und
  • Aufnahmeregionen und -gemeinden bei ihren Bemühungen zu unter­stützen, die enormen Heraus­forderungen zu bewältigen.

Entwicklungsprojekte im Arbeits- und Bildungs­bereich oder in der Gesund­heits­versorgung, von denen sowohl die Flüchtlinge als auch die Menschen in aufnehmenden Gemeinden profitieren, fördern die Integration der Flüchtlinge in ihrer neuen Umgebung und mindern soziale Spannungen.

Um die Situation in den Aufnahme­gemeinden zu stabilisieren, investiert die Bundes­republik auch in die Infra­struktur vor Ort – zum Beispiel in die Wasser­versorgung – sowie in einkommens­fördernde Maßnahmen. Außerdem werden staat­liche Einrichtungen und Nicht­regierungs­orga­ni­sa­tionen dabei unter­stützt, ihre Angebote für Flüchtlinge und aufnehmende Gemeinden aufrecht­zuerhalten und auszuweiten.

Auf der Flucht verlieren Menschen meist nicht nur ihr Hab und Gut – viele erleben auch Gewalt, Erniedrigung und Ausbeutung. Deutschland macht sich für die Rechte von Menschen auf der Flucht stark und finanziert Maßnahmen, die die Folgen von traumatischen Erlebnissen während der Flucht lindern.

Außerdem wird der Dialog zwischen Neu­ankömm­lingen und der ansässigen Bevölkerung gefördert. Ziel ist, die Menschen auf der Flucht gesell­schaft­lich zu integrieren, Konflikte zu vermeiden und die Lebens­grund­lagen für alle zu sichern.

Beispiel Syrien

Etwa 6,8 Millionen Syrerinnen und Syrer waren bis Ende 2020 vor dem Bürger­krieg ins Ausland geflüchtet, vor allem in die Türkei, den Libanon und nach Jordanien. Allein im Libanon leben 870.000 syrische Flüchtlinge. Das bedeutet, etwa jeder achte Einwohner im Libanon ist ein Flüchtling aus Syrien.

Eine baldige Heimkehr der geflohenen Syrerinnen und Syrer ist un­wahr­schein­lich. Auch ein Ende der Flucht­bewegungen aus Syrien und dem Irak ist aktuell nicht in Sicht.

Bei der vierten Geberkonferenz im Juni 2020 hat die inter­nationale Gemein­schaft für Syrien und die Region 6,9 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Deutschland hat bei der Konferenz 1,58 Milliarden Euro neue Mittel für die Menschen in Syrien und der Region (Jordanien, Libanon, Türkei, Irak) zugesagt, davon mehr als 940 Millionen Euro aus dem Etat des Bundes­ent­wick­lungs­ministeriums. 

Flucht ist ein Langzeitproblem

Mehr als drei Viertel aller Flüchtlinge unter UNHCR-Mandat leben bereits über fünf Jahre im Aufnahme­land. Da sich weltweit immer wieder neue Krisen entwickeln, stoßen inter­nationale Orga­ni­sa­tio­nen, auf­nehmende Staaten sowie Geber­länder bei ihrer jahre­langen Unter­stützung und der Leistung huma­ni­tärer Hilfe mittler­weile an ihre Grenzen.