Mable Matetsu von der Fairtrade-Bananen-Organisation Volta River Estates in Ghana

Standards für fair gehandelte Produkte

Der Verband Fairtrade Labelling Organizations Inter­national (kurz: Fairtrade International (Externer Link), FLO) hat Standards für Produzenten und Händler entwickelt. Diese bestehen aus Kern­anforderungen und sogenannten Entwicklungs-Indikatoren.

Die Kernanforderungen müssen vom Pro­du­zenten zwingend erfüllt werden, um die Fairtrade-Zerti­fi­zie­rung zu erhalten. Nach der ersten Zerti­fi­zie­rung muss der Produzent auch den weiter­gehenden Entwicklungs-Indikatoren entsprechen. Ziel ist unter anderem, die Organisation und die Arbeits­bedingungen der Pro­du­zie­ren­den zu verbessern und lang­fristig wirkende Maß­nahmen zum Schutz der Umwelt umzusetzen.

Neben den Händler-Standards gibt es Fairtrade-Standards für Klein­bauern, für den Vertrags­anbau und für Beschäftigte von Plantagen. Diese werden wiederum produkt­spezifisch konkretisiert, zum Beispiel für Kaffee, Tee, Bananen, Gewürze, Blumen oder Baum­wolle.

Standards für die Händler

Die Richtlinien für die Händler legen fest, dass ein fairer Preis an den Produzenten gezahlt werden muss. Hinzu kommt ein Mehrpreis, die sogenannte Fairtrade-Prämie, für Ent­wick­lungs­maßnahmen. Auch verpflichten sich die Händler, Möglich­keiten zur Vor­finan­zierung bereit­zu­stellen und ihre Handels­beziehungen möglichst lang­fristig aus­zu­gestalten.

Baumwollbäuerin aus Indien

Baumwollbäuerin aus Indien

Baumwollbäuerin aus Indien

Standards für Klein­bauern, Vertrags­anbau und Plantagen­arbeiter

Teeblätter in den Händen einer Teepflückerin der Teeplantage der Wakulima Teegesellschaft, die fair gehandelten Tee anbietet

Die Händler-Standards werden ergänzt durch spezielle Anforderungen an die verschiedenen Fair­trade-Pro­du­zen­ten. Die meisten von ihnen sind Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die größtenteils ohne Hilfe von Angestellten wirtschaften. Sie betreiben ihre Produktion aus eigener Kraft oder mit Hilfe ihrer Familien. Um am Fairen Handel teilnehmen zu können, schließen sie sich zu Organisationen zusammen. Diese müssen laut FLO-Standards demokratisch organisiert sein: Der Erlös aus dem Fairen Handel muss gleichberechtigt unter den Mitgliedern aufgeteilt werden. Und jedes Mitglied muss die Möglichkeit haben, an En­schei­dungs­pro­zess­en innerhalb der Organisation mitzuwirken.

Auch Kleinbauern, die noch nicht ausreichend organisiert sind und somit die Einstiegskriterien der FLO nicht erfüllen, sollen am Fairen Handel teilnehmen können. Für sie wurden daher Standards für den Vertragsanbau entwickelt.

Voraussetzung ist, dass die Bäuerinnen und Bauern eine Partner­schaft mit einer größeren Farm, Plantage, Fabrik oder auch mit einer Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sation (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) eingehen. Dieser Partner muss sich verpflichten, die Entwicklung der Kleinbauern voranzutreiben, so dass sie mittelfristig in der Lage sind, selbst eine unabhängige Organisation mitaufzubauen.

Bei den Standards für Plantagenarbeiter geht es darum, die Achtung sozialer Rechte und die Sicherheit am Arbeitsplatz zu gewährleisten. Auf der Plantage müssen Mindestlöhne gezahlt und Maßnahmen zum Gesundheitsschutz ergriffen werden, und es muss es eine unabhängige Vertretung der Beschäftigten geben. Außerdem muss ein gemeinsames Gremium von Arbeiterschaft und Management gegründet werden, das die Fairtrade-Prämie verwaltet. So soll gewährleistet werden, dass mit ihr Maßnahmen finanziert werden, die allen Arbeiterinnen und Arbeitern zugutekommen.

Fairtrade-Siegel

Bio- und Fairtrade-Siegel
Bio- und Fairtrade-Siegel

Seit dem Jahr 2003 verwenden alle FLO-Organisationen ein ein­heit­liches Fairtrade-Siegel. Um Produkte mit dem Fairtrade-Siegel verkaufen zu dürfen, müssen die Händler und Importeure eine Lizenz erwerben. In Deutsch­land wird das Siegel durch den gemein­nützigen Verein TransFair vergeben, der zu den Gründungs­mitgliedern der FLO gehörte. TransFair wird von verschiedenen Organisationen aus den Bereichen Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit, Kirche, Sozial­arbeit, Verbraucher­schutz, Genossen­schafts­wesen, Bildung, Politik und Umwelt getragen.

Wer das Fairtrade-Siegel nutzen will, muss nicht zwingend öko­lo­gischen Landbau betreiben – im Fairen Handel stehen die sozialen Aspekte im Vorder­grund. Die Fairtrade-Prämie wird jedoch häufig dazu verwendet, die lang­wierige Umstellung auf Bio­anbau zu finanzieren. 75 Prozent aller in Deutsch­land verkauften Produkte aus Fairem Handel tragen mittler­weile auch ein Bio-Siegel.

Die unabhängige Zerti­fi­zie­rungs­orga­ni­sa­tion FLOCERT (Externer Link) kontrolliert, ob die Lizenz­nehmer, die das Fairtrade-Siegel verwenden, die vorgegebenen Standards einhalten. Alle an der Fairtrade-Handels­kette beteiligten Orga­ni­sa­tio­nen und Firmen müssen sich dieser strengen Über­prüfung unterziehen.