Eine Frau zeigt das Ergebnis nach dem Stampfen von Hirse auf einer kleinen Bauernfarm in Ishiara, Kenia.

Ernährungssicherung Hunger und Mangelernährung beseitigen

Das Recht auf Nahrung ist ein Menschenrecht. Alle Staaten und Regierungen haben die Pflicht, dieses völkerrechtlich verankerte Recht für ihre Bürgerinnen und Bürger zu verwirklichen.

SDG 2: Kein Hunger

Dennoch sind laut UN-Ernährungsbericht von 2019 weltweit rund 821 Millionen Menschen chronisch unterernährt. Das sind elf Prozent der Weltbevölkerung. Etwa zwei Milliarden leiden zudem an "verstecktem Hunger", dem Mangel an lebenswichtigen Nährstoffen. Jedes Jahr sterben laut Schätzungen etwa 2,6 Millionen Kinder an den Folgen von Unterernährung. Rund 70 Prozent aller hungernden Menschen leben auf dem Land.

Die Hauptursachen für diese Situation sind Armut, Kriege und Konflikte. Aber auch die Folgen des Klimawandels, etwa extreme Wetterereignisse wie Stürme, Überschwemmungen und Dürren, tragen dazu bei. In vielen Ländern wurde der ländliche Raum zudem lange vernachlässigt – dabei kommt ihm eine entscheidende Rolle bei der globalen Nahrungsproduktion zu. Und diese muss bis 2050 um mindestens 50 Prozent steigen, um die wachsende Weltbevölkerung ernähren zu können.


Globales Entwicklungsziel

2015 fand das Ziel, den Hunger weltweit zu beenden und Ernährungssicherheit zu erreichen, Eingang in die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Jedes Land ist nun aufgefordert, nationale Ziele zu definieren, Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele umzusetzen und regelmäßig über erzielte Fortschritte zu berichten.

Ebenfalls im Jahr 2015 kündigten die G7 (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)-Staaten auf ihrem Gipfel in Deutschland an, bis zum Jahr 2030 mindestens 500 Millionen Menschen in Entwicklungsländern aus Hunger und Mangelernährung befreien zu wollen.

Deutsches Engagement Das Recht auf Nahrung verwirklichen

Deutschland hat sein entwicklungspolitisches Engagement für Ernährungssicherung in den vergangenen Jahren massiv ausgeweitet. Es unterstützt seine Partnerländer intensiv dabei, die Ernährungslage ihrer Bevölkerung zu verbessern und zu sichern. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit in diesem Sektor trägt außerdem dazu bei, ländliche Räume zu entwickeln und natürliche Ressourcen zu schützen. Pro Jahr investiert das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) dafür deutlich mehr als eine Milliarde Euro.

Im Mittelpunkt des deutschen Engagements steht die "Sonderinitiative „EINEWELT ohne Hunger" (SEWOH), die das BMZ 2014 gestartet hat. Im Rahmen dieser Initiative werden mehr als 200 Projekte in Ländern umgesetzt, die besonders stark von Hunger und Mangelernährung betroffen sind.

Lösungsansätze der deutschen Entwicklungspolitik

Ein bolivianischer Bauer in einem Weizenfeld. Durch den Bau von Steinwällen wird Ackerland vor Erosion geschützt.

Hilfe zur Selbsthilfe

Zur Sicherung der Ernährung sind in den meisten von Hunger und Mangelernährung betroffenen Staaten umfangreiche Reformprozesse im gesamten Ernährungssystem notwendig, zum Beispiel in der Regierungsführung, in der Wirtschaft, dem Gesundheitssektor, der sozialen Sicherung, den Handelsbeziehungen oder auch bei der Raumplanung.

Unterstützung von außen reicht für diese Prozesse nicht aus: Sie können nur gelingen, wenn die Entwicklungsländer dafür selbst Verantwortung übernehmen. Sie benötigen den politischen Willen, das Menschenrecht auf Nahrung zu verwirklichen, sowie eine angemessene finanzielle, technische und personelle Ausstattung. Leitgedanke der deutschen Entwicklungspolitik ist daher die Hilfe zur Selbsthilfe.

Eine Bäuerin beim Handtraktor-Training: An der landwirtschaftlichen und naturwissenschaftlichen Universität von Malawi können sich Bäuerinnen und Bauern Zugmaschinen zu günstigen Preisen tageweise ausleihen.

Umfassender Ansatz 

Hunger hat verschiedene Ursachen. Auf die jeweilige Situation im Land reagiert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit einer Kombination von Maßnahmen aus unterschiedlichen Bereichen wie Landwirtschaft, Gesundheit, Ernährungsberatung, nachhaltige Ressourcennutzung oder Wasser und Hygiene. Die Kooperationsländer werden zudem bei der Verbesserung der Regierungsführung und beim Aufbau effizient arbeitender Institutionen beraten.

Parallel dazu engagiert sich das BMZ für bessere Rahmen- und Lebensbedingungen in ländlichen Regionen, etwa durch den Ausbau von Infrastruktur, eine Erweiterung der Bildungs- und Ausbildungsangebote, Unterstützung bei der Sicherung von Landrechten oder den Aufbau von sozialen Sicherungssystemen.

Flaggen verschiedener Nationen vor dem Hauptgebäude der Vereinten Nationen.

Internationale Zusammenarbeit

Die deutsche Regierung engagiert sich auch auf internationaler Ebene für Ernährungssicherung, unter anderem unter dem Dach der Vereinten Nationen und der Europäischen Union sowie im Rahmen der G7 und der G20.

Außerdem arbeitet das Bundesentwicklungsministerium eng mit internationalen Hilfsorganisationen, Initiativen der Zivilgesellschaft, den Kirchen sowie mit wissenschaftlichen Einrichtungen und der privaten Wirtschaft zusammen.

Im Flüchtlingslager Dadaab in Kenia werden Lebensmittel für die Versorgung der neu ankommenden Menschen abgefüllt.

Übergangshilfe Interner Link

Krisen und Konflikte gehören zu den häufigsten Ursachen von Hunger und Mangelernährung. Umgekehrt kann auch eine unsichere Ernährungssituation Auslöser für Gewalt, politische Instabilität und Fluchtbewegungen sein.

Die komplexen Wechselwirkungen zwischen Krisen, Katastrophen, Klimaveränderungen und Konflikten sowie Hunger, Ernährungsunsicherheit und Armut erfordern es, die kurzfristige Hilfe zur Überlebenssicherung in akuten Notsituationen immer mit langfristigen Maßnahmen zu verknüpfen, die an den Ursachen der Krisen ansetzen. Der Übergang zwischen diesen beiden Handlungsansätzen muss fließend und flexibel sein.

Das BMZ setzt darum bei der Ernährungssicherung in Krisen- und Konfliktsituationen auf drei Schwerpunkte:

Verbesserung des Zugangs zu Nahrungsmitteln (durch vorübergehende soziale Transferleistungen)

Reduzierung von Unterernährung

(Wieder-) Anschub der landwirtschaftlichen Produktion und Schaffung neuer Einkommensmöglichkeiten

Bäuerinnen in Burkina Faso

Programm Ernährungssicherung und Resilienzstärkung

Der Schwerpunkt des Globalvorhabens "Ernährungssicherung und Resilienzstärkung" liegt auf Ländern in Subsahara-Afrika und in Asien. Grundlegendes Ziel des Programms ist, dass sich arme Haushalte jederzeit – auch in Zeiten von Hungerkrisen – ausreichend und gesund ernähren können. Ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber extremen Belastungen wie Naturkatastrophen, wirtschaftliche Instabilität oder gewaltsame Konflikte soll gesteigert werden. Hauptzielgruppe sind Frauen im gebärfähigen Alter, Schwangere, stillende Mütter und Kleinkinder.

Das Vorhaben setzt auf eine Kombination verschiedener Ansätze: Aufklärung über ausgewogene Ernährung und Hygiene, Beratung zum Anbau und zur Verarbeitung gesunder Nahrung, Verbesserung von Gesundheitsdiensten und Trinkwasserversorgung, Aufbau von sozialen Sicherungssystemen sowie die Entwicklung politischer Strategien zum Katastrophenrisikomanagement sind nur einige der Aktivitäten.

Für das Programm mit einer Laufzeit bis 2023 stehen rund 185 Millionen Euro zur Verfügung.

Tröpfchenbewässerung auf einem Feld in Äthiopien

Klimawandel und Ernährung

Landwirtschaft und Klimawandel stehen in einem engen Zusammenhang. Einerseits leidet die Landwirtschaft unter dem Klimawandel: Es drohen Ernteeinbußen durch Extremwetterlagen, Erosionsprozesse und der Verlust von Ackerflächen und Biodiversität werden weiter verschärft. Andererseits gehört die Landwirtschaft zu den Verursachern des Klimawandels: Sie trägt erheblich zum Ausstoß von Treibhausgasen bei.

Eine Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel ist unverzichtbar. Eine klimaresiliente Landwirtschaft kann darüber hinaus auch zu einer emissionsarmen Entwicklung beitragen. Sie wird daher durch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit gefördert.

Unsere Arbeitsfelder

Eine Frau in Togo erntet Salat. Sie trägt ein Kleinkind auf dem Rücken.

Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" Interner Link

Die Staatengemeinschaft der G7 hat sich zum Ziel gesetzt, 500 Millionen Menschen bis zum Jahr 2030 aus Hunger und Mangelernährung zu befreien. Die Beendigung des Hungers und der Mangelernährung zählt auch zu den international vereinbarten Entwicklungszielen der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Diese Ziele lassen sich erreichen – gemeinsam mit den Regierungen der betroffenen Entwicklungs- und Schwellenländer, in Zusammenarbeit mit anderen Gebern und internationalen Organisationen sowie unter Mitwirkung aller gesellschaftlichen Kräfte aus Zivilgesellschaft, Verbänden, Wissenschaft und Wirtschaft.

Entwicklungsminister Müller beim Besuch des Grünen Innovationszentrums in Benin.

Grüne Innovationszentren Interner Link

Im Rahmen seiner Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" hat das BMZ in 15 Partnerländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit Grüne Innovationszentren ins Leben gerufen. Ziel der Zentren ist, durch Innovationen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft die regionale Versorgung mit Nahrungsmitteln zu verbessern, das Einkommen von kleinbäuerlichen Betrieben zu steigern und Arbeitsplätze zu schaffen – insbesondere im Bereich der Lebensmittelverarbeitung. Dafür stellt das Entwicklungsministerium bis März 2024 415 Millionen Euro bereit.

Eine Bäuerin in Malawi vor einer Solaranlage, die den Strom für die Pumpe eines Tröpfchenbewässerungssystems liefert

Nachhaltige Landwirtschaft Interner Link

Die Herausforderungen des steigenden Bevölkerungswachstums, der abnehmenden Biodiversität und Ökosystemleistungen sowie des Klimawandels erfordern ein grundsätzliches Umdenken in Bezug auf unsere gegenwärtigen Ernährungssysteme. Die derzeitigen Ernährungssysteme sind gleichzeitig Treiber und Opfer von Biodiversitätsverlust, Bodendegradierung, Wasserverschmutzung und Klimawandel. Die potenziellen Auswirkungen dieser Umweltveränderungen gefährden die Produktivität der Landwirtschaft.

Junge Maispflanze in einem Forschungslabor

Agrarforschung und Innovation Interner Link

Um die wachsende Weltbevölkerung mit gesunder und ausgewogener Nahrung zu versorgen, muss die landwirtschaftliche Produktion bis zum Jahr 2050 um mindestens 50 Prozent steigen. Dies muss im Rahmen der natürlichen Grenzen erfolgen, die uns die Erde setzt – die natürlichen Ressourcen müssen zugleich geschont und wiederhergestellt werden.

Drei Fischer mit Fischernetz in Bangladesch

Nachhaltige Fischerei und Aquakultur Interner Link

In den vergangenen 50 Jahren hat sich der Fischkonsum weltweit mehr als verdoppelt. Für viele Menschen, insbesondere in Entwicklungsländern, gehören Fischereiprodukte zu den wichtigsten Protein- und Mikronährstoffquellen. Fisch spielt daher bei der Ernährungssicherung und der Bekämpfung von Mangelernährung eine Schlüsselrolle. 

BMZ-Publikationen

Titelblatt: Factsheet: Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger"

Factsheet: Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger"

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 11/2019 | Dateigröße 483 KB, Seiten 2 Seiten
EINEWELT ohne Hunger - Grüne Innovationszentren in der Agrar- und Ernährungswirtschaft

EINEWELT ohne Hunger

Grüne Innovationszentren in der Agrar- und Ernährungswirtschaft | BMZ fundiert

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 02/2019 | Dateigröße 7 MB, Seiten 25 Seiten | Zugänglichkeit barrierefrei
EINEWELT ohne Hunger ist möglich

EINEWELT ohne Hunger ist möglich

Lösungsansätze der deutschen Entwicklungspolitik

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 12/2015 | Dateigröße 7 MB, Seiten 40 Seiten | Zugänglichkeit barrierefrei
Titelblatt: Factsheet "Faire Lieferketten sind möglich"

Factsheet: Faire Lieferketten sind möglich

Nachhaltige Agrarlieferketten vom Produktionsland bis ins Konsumland

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 12/2020 | Dateigröße 265 KB, Seiten 2 Seiten
Titelblatt: Factsheet "Initiative für nachhaltige Agrarlieferketten (INA)"

Factsheet: Initiative für nachhaltige Agrarlieferketten (INA)

Eine Plattform von Akteuren aus Privatwirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 10/2019 | Dateigröße 833 KB, Seiten 2 Seiten
EINEWELT ohne Hunger ist möglich

EINEWELT ohne Hunger ist möglich

Was tut die deutsche Entwicklungspolitik?

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 01/2019 | Dateigröße 1 MB, Seiten 20 Seiten | Zugänglichkeit barrierefrei
Für eine ausreichende und bessere Ernährung – eine Welt ohne Hunger ist möglich

Für eine ausreichende und bessere Ernährung – eine Welt ohne Hunger ist möglich

BMZ-Positionspapier

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 04/2019 | Dateigröße 1 MB, Seiten 18 Seiten
Internationale Agrarforschung für ländliche Entwicklung

Internationale Agrarforschung für ländliche Entwicklung

BMZ fundiert

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 01/2019 | Dateigröße 1 MB, Seiten 10 Seiten
Biologische Vielfalt - unsere gemeinsame Verantwortung

Biologische Vielfalt – unsere gemeinsame Verantwortung

Die deutsche Zusammenarbeit mit Entwicklungs- und Schwellenländern zur Umsetzung der Biodiversitätskonvention für eine nachhaltige Entwicklung

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 10/2018 | Dateigröße 8 MB, Seiten 56 Seiten
Agrarfinanzierung

Agrarfinanzierung 

BMZ-Positionspapier

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 05/2017 | Dateigröße 239 KB, Seiten 14 Seiten | Zugänglichkeit barrierefrei
Partner für den Wandel - Stimmen gegen den Hunger

Partner für den Wandel – Stimmen gegen den Hunger

Auszug mit dem Beitrag "Eine Welt ohne Hunger ist möglich" von Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 04/2017 | Dateigröße 1 MB, Seiten 228 Seiten | Zugänglichkeit barrierefrei