Kanuku Mountains Schutzgebiet, Guyana

Tag der Tropenwälder “Europas Konsum darf nicht länger zu Entwaldung führen”

Pressemitteilung vom 14. September 2022 | Berlin – Der Konsum in Europa trägt immer noch maßgeblich zur Zerstörung von Wäldern bei. Auf diesen Zusammenhang hat Entwicklungsministerin Svenja Schulze am heutigen Tag der Tropenwälder hingewiesen. Sie warb zugleich für einen schnellen und ambitionierten Abschluss der Gesetzgebung aus dem europäischen Green Deal, die den Import von Produkten in die EU verbietet, deren Herstellung zu Entwaldung geführt hat. Das betrifft unter anderem Holz, Kaffee, Kakao, Palmöl, Rindfleisch oder Soja, welches vor allem als Futtermittel für Schweine und Geflügel verwendet wird.

Entwicklungsministerin Schulze: „Die meisten von uns wissen längst, wie überlebenswichtig Tropenwälder für uns Menschen sind. Niemand möchte beim Kaffeetrinken, Tanken oder Essen den Regenwald zerstören. Trotzdem führt unser Konsum in Europa immer noch zu Entwaldung in großem Umfang. Wir brauchen darum dringend strenge Regeln, die den Import von Produkten verbieten, deren Herstellung Wälder zerstört hat. Hier geht es um eine konsequente Neuordnung von Lieferketten, die für die Stabilität unseres Planeten existenziell sind.“

Die EU-Mitgliedstaaten haben sich bereits im Juni und das EU-Parlament hat sich gestern grundsätzlich für den Gesetzentwurf ausgesprochen. Die Details werden in den kommenden Monaten im Trilog verhandelt.

Wälder bedecken mehr als 30 Prozent der Erdoberfläche und beherbergen etwa 80 Prozent der bekannten Tier- und Pflanzenarten, die außerhalb der Ozeane leben. Auch für etwa ein Drittel der Menschheit sind Wälder die Lebensgrundlage. Seit 1990 gingen schätzungsweise 420 Millionen Hektar Wald verloren, das entspricht ungefähr der Größe der Europäischen Union. Der Großteil, 88 Prozent der globalen Waldzerstörung, geht auf die Landwirtschaft zurück. Insbesondere in den Tropen werden Wälder zum Beispiel für den Anbau von Soja oder Palmöl abgeholzt; Produkte, die vor allem für Tierfutter in der Fleischproduktion zum Einsatz kommen und oftmals auf Tellern im globalen Norden landen.

Regenwald in Brasilien

Das BMZ engagiert sich in besonders betroffenen Partnerländern wie Brasilien, Indonesien oder Côte d’Ivoire für entwaldungsfreie Lieferketten und möchte vor allem Kleinbauern und -bäuerinnen unterstützen, nachhaltig zu wirtschaften. Das BMZ engagiert sich auch für ein Umdenken hin zu nachhaltigem Konsum in Deutschland, ob in Unternehmen oder bei der öffentlichen Beschaffung (zum Beispiel in Kantinen). Enge Abstimmung zu all dem erfolgt mit der EU-Kommission, vielen EU-Mitgliedsstaaten, aber auch darüber hinaus mit Großbritannien und Norwegen.

Um die globale Waldzerstörung zu stoppen, setzt sich das BMZ für Waldschutz, nachhaltige Bewirtschaftung und den Wiederaufbau von Wäldern ein. In den letzten fünf Jahren (2017–2021) stellte das BMZ hierfür circa 2,5 Milliarden Euro Haushaltsmittel bereit und fördert waldrelevante Vorhaben in mehr als 40 Ländern. Schwerpunkte der Förderung liegen im Amazonastiefland und im Kongobecken, den größten zusammenhängenden Tropenwaldregionen. Auch beteiligt sich das BMZ an der Glasgow Leaders' Declaration on Forests and Land Use, (Externer Link) einer breiten Allianz von mehr als 140 Ländern mit mehr als 90 Prozent der globalen Waldfläche. Diese haben sich bei den Klimaverhandlungen in Glasgow im November 2021 dazu verpflichtet, gemeinsam den Verlust von Naturwäldern bis 2030 zu beenden, 350 Millionen Hektar Wald wiederherzustellen und Agrarlieferketten entwaldungsfrei zu gestalten. Das BMZ beteiligt sich hier bisher mit 700 Millionen Euro.

Eine Frau, ihr Kind und ihr Mann stehen in einer Siedlung im Regenwald in Brasilien auf der Terrasse ihres einfachen Hauses. Die Frau trägt das Kind auf ihrem Arm.

Indigenen Völkern und lokalen Gemeinschaften (ILPC) kommt beim Waldschutz eine zentrale Rolle zu. Sie tragen durch eine nachhaltige Lebensweise aktiv zur Gesundheit der Wälder bei. So weisen Wälder, die durch indigene Völker bewirtschaftet werden, eine erheblich geringere Entwaldungsrate auf. Trotzdem finden die Rufe indigener Völker, insbesondere nach geregelten Land- und Besitzrechten, oftmals kein Gehör. Die Bundesregierung setzt sich daher gemeinsam mit anderen internationalen Partnern für ihre Stärkung ein.

Entwicklungsministerin Schulze: „Ohne Wald fehlt saubere Luft und für viele Menschen in Entwicklungsländern ist der Wald auch Nahrungsgrundlage. Deshalb hat das BMZ seit 2017 über 2,5 Milliarden Euro in den Waldschutz investiert. Mir ist dabei wichtig, dass das BMZ nur Maßnahmen fördert, die Naturschutz, nachhaltige Nutzung und eine wirtschaftliche Grundlage für die lokale Bevölkerung zusammendenken und dabei indigene Völker und lokale Gemeinschaft einbeziehen. Denn ihnen kommt beim Waldschutz eine Schlüsselrolle zu.“