Internationale Veranstal­tungen für Gleich­stel­lung in Berlin Schulze betont Bedeutung femi­nis­tischer Ent­wicklungs­politik für die Lösung glo­baler Heraus­forde­rungen

Pressemitteilung vom 6. April 2022 | Berlin – Bundes­entwicklungs­ministerin Svenja Schulze eröffnet heute gemeinsam mit der UN-Women-Exekutivdirektorin Sima Bahous das Treffen der Unterstützerländer von UN Women. Im Zentrum des Treffens steht die Frage, wie die Förderung von Frauen und Mädchen mit Blick auf globale Herausforderungen mit den Vereinten Nationen gestärkt werden kann. Morgen richtet das BMZ zudem im Rahmen der deutschen G7-Prä­sident­schaft gemeinsam mit UN Women und der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) die hoch­rangige G7-Konferenz "Who cares? Spotlight on gender equality and the care sector in international cooperation" aus.

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Symbolbild: Umrisse von Menschen, Überwindung von Geschlechtergrenzen. Auf einer Wand sind die Umrisse von Körpern zu erkennen. Vor der Wand laufen Menschen, die allerdings nicht zu erkennen sind weil sie sich schnell bewegen und sie auf dem Foto unscharf dargestellt werden.

Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze: "Die Gleichstellung der Geschlechter ist Grundvoraus­setzung für nachhaltige Entwicklung. Das ist keine Aufgabe, die ein Land alleine meistern kann. Dafür brauchen wir starke Partnerschaften und internationale Allianzen, wie wir sie mit den G7 und UN Women auf internationaler Ebene finden. Feministische Ent­wicklungs­politik bedeutet, dass wir uns gemeinsam mit vollem Einsatz für gleiche Rechte und gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen einsetzen, Ressourcen zur Verfügung stellen und konkrete Wege finden, Frauen und Mädchen zu stärken.

Das ist besonders wichtig, um die großen Heraus­forderungen, vor denen wir stehen, zu meistern. Die Covid-Pandemie und ihre Folgen sind noch lange nicht ausgestanden, der Klimawandel schreitet voran, so viele Menschen wie nie zuvor sind auf der Flucht und alte Konflikte und neue Kriege drohen Entwicklungserfolge zunichtezumachen. Krisen, Kriege und Konflikte treffen Frauen und Mädchen oft härter als Männer. Zugleich können sie mit der Beteiligung von Frauen nachhaltiger gelöst werden. Wir müssen das Potenzial der Frauen in allen Bereichen besser nutzen. Denn wer Frauen und Mädchen stärkt, handelt im Sinne der gesamten Gesellschaft. Ein wesentlicher Hebel für die Gleich­berech­tigung und die wirt­schaft­liche Stärkung von Frauen ist zum Beispiel eine gerechte Verteilung der Pflege- und Sorge­arbeit."

Sima Bahous, Exekutivdirektorin von UN Women: "Wir wissen, dass Frauen die Gesellschaft zusammenhalten – und dennoch wird ihre Stimme noch immer nur selten gehört, wenn es darum geht, einige der wichtigsten globalen Zukunftsaufgaben anzugehen, vor denen wir heute stehen, wie zum Beispiel Konflikte und der Klimawandel. Wir müssen weiter darauf drängen, dass die Frauen einen Platz am Tisch haben, wenn Entscheidungen getroffen werden, und dass sie in der humanitären Hilfe und der Entwicklungs­zusammenarbeit einbezogen und berücksichtigt werden und ihre Stimme Gehör findet."

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Bild aus einem Hörsaal des Instituts für angewandte Agrarforschung und Ausbildung in Katibougou, Mali. In der Bildmitte zwei Frauen, um sie herum Männer

Bei dem hochrangigen Treffen von UN Women stehen Austausch und Vernetzung der 24 wichtigsten Unter­stützer­länder einer internationalen Gleich­stellungs­politik und der EU-Kommission im Vordergrund. Die G7-Care-Konferenz widmet sich einem wesentlichen Thema der Geschlechtergleichstellung: der gerechten Verteilung von Sorge- und Pflegearbeit zwischen den Geschlechtern und Investitionen in diese. Durch den Aufbau sozialer Infra­struktur wie beispielsweise Kinder­betreuungs­mög­lich­keiten oder auch Pflege­einrich­tungen profitieren Frauen und Mädchen, deren gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsmarkt vereinfacht wird, es entstehen neue Arbeitsplätze und die gesamte Gesellschaft und Volks­wirt­schaften werden gestärkt. Die gerechte Verteilung von und Investitionen in die Sorge-und Pflegearbeit birgt großes Potenzial für die nach­haltige Entwicklung.

Die aktuelle ungleiche Verteilung geht zu Lasten von Mädchen und Frauen. Weltweit ver­brin­gen Frauen im Durchschnitt dreimal so viel Zeit mit Sorge und Pflege wie Männer und Jungen, was sich schätzungsweise zu sieben Jahren Mehraufwand im Laufe ihres Lebens summiert. Die Covid-Pandemie hat diese Situation weiter verschlechtert.

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Logo der deutschen G7-Präsidentschaft 2022

Im Rahmen der deutschen G7-Präsidentschaft ist Geschlechtergleichstellung ein zentrales Thema und Pflege- und Sorgearbeit ein Fokusthema auf nationaler und internationaler Ebene. Gemeinsam mit den G7-Partnern möchte die deutsche Bundesregierung ein Zeichen für eine gerechte Verteilung, die Anerkennung und angemessene Bezahlung, sowie die Reduzierung von unbezahlter Pflege- und Sorgearbeit weltweit setzen und zu Investitionen in diesem Bereich aufrufen. Weitere entwicklungspolitische Schwerpunkte unter deutscher G7 Prä­sident­schaft sind die Finanzierung von Maßnahmen für die Förderung von mehr Ge­schlech­ter­gerechtig­keit, Inklusion von LSBTIQ+-Personen, Frauen im Kontext von Konflikt und Vertreibung sowie sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte.

UN Women ist die Institution der Vereinten Nationen für die Förderung von Ge­schlech­ter­gleich­stellung und die Stärkung von Frauen und Mädchen weltweit. Deutschland ist aktuell achtgrößtes Geberland der Organisation. Die jährlichen finanziellen Beiträge an UN Women lagen im Jahr 2021 bei rund 20 Millionen Euro. UN Women ebenso wie die internationale Arbeits­organisation (ILO) machen sich international führend für die gerechte Verteilung von Pflege- und Sorgearbeit stark.