Welttag gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten Deutschland tritt Kigali-Deklaration bei

Erklärung beschreibt gemeinsames Vorgehen im Einsatz gegen tropische Krankheiten

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Ausgewachsene Bilharziose-Erreger in einer Schale

Die Erklärung beschreibt ein gemeinsames Vorgehen im Einsatz gegen tropische Krankheiten. Beitreten können betroffene tropische Staaten, Unterstützer-Staaten wie Deutschland, aber auch NGOs, Stiftungen, Wissenschaft, Unternehmen oder Hilfsorganisationen. Mit abgestimmten Maßnahmen sollen die Gesundheitssysteme in betroffenen Ländern bis 2030 so ausgebaut werden, dass diese Krankheiten zurückgedrängt werden.

Entwicklungsministerin Schulze: „Bei Infektionskrankheiten denken viele zuerst an die aktuelle Corona-Pandemie. Aber auch Tropenkrankheiten wie die Leishmaniose, Schistosomiasis oder Denguefieber breiten sich aus. Diese Krankheiten treffen vor allem die ärmsten Bevölkerungsschichten – in ländlichen Gebieten, städtischen Slums und Krisengebieten und vor allem Frauen und Kinder. Einige von ihnen treten mittlerweile sogar in Korsika, Madeira, Italien oder auch in Deutschland vermehrt auf. Klimawandel, Naturzerstörung und die weltweite Vernetzung führen dazu, dass solche Krankheiten sich auch in den gemäßigteren Klimazonen schnell verbreiten. Die Belastung der Gesundheitssysteme bei der Bekämpfung der aktuellen Pandemie hat die Lage zusätzlich verschärft.“

Weltweit sind rund 1,7 Milliarden Menschen durch zwanzig Krankheiten, die meist als „vernachlässigte Tropenkrankheiten“ (Neglected Tropical Diseases, NTDs) bezeichnet werden, gefährdet. Alleine das Denguefieber, die in tropischen Regionen noch verbreitete Tollwut und Vergiftungen durch Schlangenbisse kosten jedes Jahr rund 200.000 Menschenleben.

Am diesjährigen Welttag gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten geht die Weltgemeinschaft mit der Kigali-Deklaration gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten vor. Mit abgestimmten Maßnahmen sollen die Gesundheitssysteme in betroffenen Ländern bis 2030 so ausgebaut werden, dass diese Krankheiten zurückgedrängt werden. Im Mittelpunkt der neuen Erklärung stehen die Eigenverantwortung der besonders betroffenen Länder und Regionen sowie partnerschaftliches Handeln von Regierungen, Geberländern, der Zivilgesellschaft, dem Privatsektor und der Wissenschaft. Ruanda und Nigeria haben in dieser Woche als endemische Länder bereits die Deklaration unterzeichnet, weitere Unterschriften werden in den nächsten sechs Monaten erwartet.

Ministerin Schulze: „Mit dem Beitritt zur Kigali-Deklaration bekennt sich die Bundesregierung dazu, gemeinsam mit unseren Partnern die betroffenen Länder und Regionen tatkräftig bei der Bekämpfung der sogenannten vernachlässigten Tropenkrankheiten zu unterstützen. Hier geht es um einen Kampf, den wir gewinnen können und der uns allen nützt. Wenn es gelingt, die Gesundheitssysteme zu stärken und allen zugänglich zu machen und wenn alle verstehen, dass gesunde Menschen auch eine gesunde Natur brauchen, dann muss 2030 niemand mehr an vernachlässigten Tropenkrankheiten sterben.“

Das deutsche Engagement im Kampf gegen die NTDs

Die Bundesregierung unterstützt das Expanded Special Project for Elimination of Neglected Tropical Diseases (ESPEN) der WHO. Das Programm konzentriert sich auf die Behandlung der fünf NTDs, die 90 Prozent der gesamten NTD-Belastung in Afrika ausmachen – die lymphatische Filariose, Onchozerkose, Schistosomiasis (oder auch Bilharziose genannt), bodenübertragene Wurmerkrankungen und das Trachom. Mit Hilfe von ESPEN werden seit 2016 jährlich über eine Milliarde Menschen gegen NTDs behandelt. Insgesamt 38 Länder konnten so mindestens eine NTD eliminieren.

Grafische Darstellung des One-Health-Ansatzes: One Health steht im Mittelpunkt und hat Wechselwirkungen mit gesunden Menschen, gesunden Tieren und gesunder Natur.

Seit 2017 werden in Zentralafrika die Länder der CEMAC-Region (Kamerun, Republik Kongo, Tschad, die Zentralafrikanische Republik und Gabun) bei der Umsetzung ihrer nationalen Programme zur NTD-Bekämpfung, beim Monitoring und der Forschung vom BMZ unterstützt. 2022 stellt das BMZ weitere 18 Millionen Euro bereit, um diese Unterstützung mit einem besonderen Fokus auf den One-Health-Ansatz und die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie fortzusetzen.

Der Aufbau von Laborkapazitäten und Diagnostiksystemen ist elementar für die Bekämpfung von NTDs. Für das Programm „Unterstützung der Pandemieprävention in der ECOWAS-Region“ hat das BMZ seit 2018 rund 75 Millionen Euro bereitgestellt. Über das Programm unterstützt das BMZ unter anderem den Aufbau eines epidemiologischen Überwachungssystems unter Berücksichtigung der Wechselbeziehungen zwischen Mensch, Tier und Umwelt.

Seit Januar 2022 fördert das BMZ die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) bei der Tollwutbekämpfung in Namibia und Kamerun mit 10 Millionen Euro.