Welttag gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten Deutschland tritt Kigali-Deklaration bei

Erklärung beschreibt gemeinsames Vorgehen im Einsatz gegen tropische Krankheiten

Pressemitteilung vom 29. Januar 2022 |  Berlin – An­lässlich des Welt­tags gegen ver­nach­lässigte Tropen­krank­heiten am 30.1. tritt Deutsch­land der "Kigali-De­kla­ra­tion gegen ver­nach­lässigte Tropen­krank­heiten (Externer Link)" bei.

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Kinder in einem Krankenhaus des von der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe finanzierten Zentrums zur Bekämpfung der Tropenkrankheit Buruli in Togo

Die Er­klärung be­schreibt ein ge­mein­sames Vor­gehen im Einsatz gegen tropische Krank­heiten. Bei­treten können be­troffene tropische Staaten, Unter­stützer-Staaten wie Deutsch­land, aber auch NGOs, Stiftungen, Wissen­schaft, Unter­nehmen oder Hilfs­or­ga­ni­sa­tionen. Mit ab­ge­stimmten Maß­nahmen sollen die Ge­sund­heits­systeme in be­troffenen Ländern bis 2030 so aus­ge­baut werden, dass diese Krank­heiten zu­rück­ge­drängt werden.

Entwicklungs­ministerin Schulze: "Bei In­fek­tions­krank­heiten denken viele zuerst an die aktuelle Corona-Pan­demie. Aber auch Tropen­krank­heiten wie die Leish­man­iose, Schisto­so­mi­asis oder Dengue­fieber breiten sich aus. Diese Krank­heiten treffen vor allem die ärmsten Be­völ­ke­rungs­schichten – in ländl­ichen Ge­bieten, städtischen Slums und Krisen­ge­bieten und vor allem Frauen und Kinder. Einige von ihnen treten mittler­weile sogar in Korsika, Madeira, Italien oder auch in Deutsch­land ver­mehrt auf. Klima­wandel, Natur­zer­störung und die welt­weite Ver­netzung führen dazu, dass solche Krank­heiten sich auch in den ge­mäßigteren Klima­zonen schnell ver­breiten. Die Be­lastung der Ge­sund­heits­systeme bei der Be­kämpfung der aktuellen Pan­demie hat die Lage zusätzlich verschärft."

Weltweit sind rund 1,7 Milli­arden Menschen durch zwanzig Krank­heiten, die meist als "ver­nach­lässigte Tropen­krank­heiten" (Neglected Tropical Diseases, NTDs) bezeichnet werden, gefährdet. Alleine das Dengue­fieber, die in tropischen Regionen noch verbreitete Toll­wut und Ver­giftungen durch Schlangen­bisse kosten jedes Jahr rund 200.000 Menschen­leben.

Am diesjährigen Welt­tag gegen ver­nach­lässigte Tropen­krank­heiten geht die Welt­ge­mein­schaft mit der Kigali-De­kla­ra­tion gegen ver­nach­lässigte Tropen­krank­heiten vor. Mit ab­ge­stimmten Maß­nahmen sollen die Ge­sund­heits­sys­teme in be­troffenen Ländern bis 2030 so aus­ge­baut werden, dass diese Krank­heiten zurück­ge­drängt werden. Im Mittel­punkt der neuen Er­klärung stehen die Eigen­ver­ant­wor­tung der be­sonders be­troffenen Länder und Regionen sowie partner­schaftl­iches Handeln von Re­gie­rungen, Geber­ländern, der Zivil­ge­sell­schaft, dem Privat­sektor und der Wissen­schaft. Ruanda und Nigeria haben in dieser Woche als en­de­mische Länder bereits die Deklaration unter­zeichnet, weitere Unter­schriften werden in den nächsten sechs Monaten erwartet.

Ministerin Schulze: "Mit dem Beitritt zur Kigali-De­kla­ration be­kennt sich die Bundes­re­gierung dazu, ge­mein­sam mit unseren Partnern die be­troffenen Länder und Re­gionen tat­kräftig bei der Be­kämpfung der so­ge­nannten ver­nach­lässig­ten Tropen­krank­heiten zu unter­stützen. Hier geht es um einen Kampf, den wir gewinnen können und der uns allen nützt. Wenn es gelingt, die Ge­sund­heits­systeme zu stärken und allen zu­gäng­lich zu machen und wenn alle ver­stehen, dass gesunde Menschen auch eine gesunde Natur brauchen, dann muss 2030 niemand mehr an ver­nach­lässigten Tropen­krank­heiten sterben."

Das deutsche Engagement im Kampf gegen die NTDs

Die Bundes­re­gierung unter­stützt das Expanded Special Project for Elimination of Neglected Tropical Diseases (ESPEN) der WHO. Das Pro­gramm kon­zen­triert sich auf die Be­hand­lung der fünf NTDs, die 90 Prozent der gesamten NTD-Be­las­tung in Afrika ausmachen – die lymphatische Filariose, Oncho­zerkose, Schisto­so­mi­asis (oder auch Bil­har­ziose ge­nannt), boden­über­tra­gene Wurm­er­krank­ungen und das Trachom. Mit Hilfe von ESPEN werden seit 2016 jährlich über eine Milli­arde Menschen gegen NTDs be­handelt. Insgesamt 38 Länder konnten so mindestens eine NTD eliminieren.

Grafische Darstellung des One-Health-Ansatzes: One Health steht im Mittelpunkt und hat Wechselwirkungen mit gesunden Menschen, gesunden Tieren und gesunder Natur.

Seit 2017 werden in Zentral­afrika die Länder der CEMAC-Region (Kamerun, Republik Kongo, Tschad, die Zentral­afrikanische Republik und Gabun) bei der Um­setzung ihrer nationalen Pro­gramme zur NTD-Be­kämpf­ung, beim Monitoring und der For­schung vom BMZ unter­stützt. 2022 stellt das BMZ weitere 18 Millionen Euro bereit, um diese Unter­stützung mit einem be­sonderen Fokus auf den One-Health-Ansatz und die Aus­wir­kungen der Covid-19-Pan­demie fort­zu­setzen.

Der Aufbau von Labor­kapazitäten und Dia­gnostik­sys­temen ist elementar für die Be­kämpfung von NTDs. Für das Pro­gramm "Unter­stützung der Pan­demie­prä­vention in der ECOWAS-Region" hat das BMZ seit 2018 rund 75 Millionen Euro be­reit­ge­stellt. Über das Pro­gramm unterstützt das BMZ unter anderem den Auf­bau eines epi­de­mio­lo­gischen Über­wach­ungs­sys­tems unter Be­rück­sich­ti­gung der Wechsel­be­ziehungen zwischen Mensch, Tier und Umwelt.

Seit Januar 2022 fördert das BMZ die Welt­orga­nisa­tion für Tier­ge­sund­heit (OIE) bei der Toll­wut­be­kämpfung in Namibia und Kamerun mit 10 Millionen Euro.