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Hintergrund

Unsere Lebensgrundlagen sind bedroht

Regenwald im Dzanga-Nationalpark im Grenzgebiet von Kongo, Kamerun und der Zentralafrikanischen Republik

Die natürlichen Ressourcen wie Boden, Wasser und die Pflanzen- und Tierwelt sind die Lebensgrundlage aller Menschen. Vor allem die Bevölkerung in den weniger entwickelten Ländern ist oft ganz unmittelbar von ihnen abhängig. Armut zwingt diese Menschen allerdings oft zu einer Übernutzung ihrer natürlichen Ressourcen – mit verheerender Wirkung auf die Lebensbedingungen der Bevölkerung und die Nahrungsmittelproduktion:

Wälder, Boden, Pflanzen- und Tierarten verschwinden, Gewässer und Grundwasservorräte werden immer stärker belastet. Die Auswirkungen des Klimawandels verstärken diese Entwicklung noch. So entsteht ein Teufelskreis von Armut und Umweltzerstörung. Er erschwert nicht nur die Entwicklung in ländlichen Gebieten, sondern hat auch global dramatische Auswirkungen.

Wir verlieren Boden

Infografik: Bodendegradierung
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Infografik: Bodendegradierung

Jährlich gehen weltweit rund 24 Milliarden Tonnen fruchtbaren Bodens verloren – infolge von Überweidung, Entwaldung, ungeeigneten Anbaumethoden, falscher Bewässerung, Erosion oder Versiegelung durch Straßen- und Städtebau. Die wirtschaftlichen Verluste, die durch Landdegradation und Entwaldung entstehen, wurden 2008 auf 1.500 Milliarden bis 3.400 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt, was 3,3 bis 7,5 Prozent des globalen Inlandsprodukts entspricht.

Betroffen sind hauptsächlich die ländlichen Regionen armer Länder. Viele von ihnen liegen in den trockenen und halbtrockenen Gebieten der Erde, die ökologisch besonders sensibel sind. Leidtragend ist vor allem die zumeist arme Landbevölkerung: In Afrika und Asien leben etwa 40 Prozent, in Südamerika etwa 30 Prozent der Bevölkerung in Gebieten, die von Desertifikation bedroht sind.

Während der vergangenen 50 Jahre haben sich Erosion und Degradation der Böden stark beschleunigt.

  • Seit den 1980er Jahren wurde rund ein Viertel der globalen Landfläche Opfer von Degradation.
  • Der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) schätzt, dass rund 40 Prozent der weltweiten Landfläche von Degradation bedroht sind. Das sind 5,2 Milliarden Hektar.
  • Jährlich werden etwa 10 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche zerstört.
  • Nach Prognosen der Welternährungsorganisation FAO wird im Vergleich zu 1990 das verfügbare Ackerland bis 2025 in Afrika um rund zwei Drittel zurückgehen, in Asien um etwa ein Drittel und in Südamerika um etwa zwei Fünftel.

Die Nachfrage nach Boden steigt

Die Schädigung von Ackerflächen gefährdet die langfristige Ernährungssicherung. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach industriellen Rohstoffen aus Agrarproduktion, etwa für Biokunststoffe und Biokraftstoffe aus Getreide, Zuckerrohr und Ölfrüchten. Das verstärkt die Konkurrenz um die begrenzten Agrarflächen, die für die Nahrungsmittelerzeugung zur Verfügung stehen. Im Jahr 2019 werden nach FAO-Schätzungen 13 Prozent der weltweiten Grobkornernte zu Ethanol verarbeitet werden (2007 bis 2009 waren es jeweils rund neun Prozent).


Der Wasserbedarf steigt

Infografik: Wassernutzung weltweit
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Infografik: Wassernutzung weltweit

Der Agrarsektor ist der größte Wasserverbraucher weltweit und sein Wasserbedarf steigt weiter an. Das hat verschiedene Gründe. Dazu gehört eine Zunahme der Bewässerungslandwirtschaft. Bewässerungslandbau erzeugt auf nur 20 Prozent der weltweiten Nutzfläche rund 40 Prozent der Erträge. Dafür werden jedoch rund 70 Prozent des verfügbaren Frischwassers verbraucht, also des Wassers, das aus Grundwasser, Flüssen oder Seen entnommen wird (in Abgrenzung zu Regenwasser und wiederaufbereitetem Wasser).

Nach Berechnungen der Welternährungsorganisation FAO wird der Wasserverbrauch durch Bewässerung zwischen 2008 und 2050 um elf Prozent zunehmen – und das zu großen Teilen in Regionen, die bereits jetzt unter Wasserknappheit leiden.

Der steigende Fleischkonsum erhöht ebenfalls den Wasserverbrauch der Landwirtschaft – und zwar über die gesamte Wertschöpfungskette der Fleischproduktion vom Futteranbau bis zur Schlachtung. Außerdem werden durch Viehzucht und Fleischproduktion Wasservorräte verschmutzt und dadurch verknappt.

Da auch der Wasserbedarf anderer Verbraucher, etwa in der Industrie und der Energieerzeugung, weiter steigt, könnte im Jahr 2030 die Nachfrage nach Wasser die weltweit verfügbare Menge um 40 Prozent überschreiten. Wasserknappheit – bedingt durch steigende Nachfrage oder Klimawandel – könnte dazu führen, dass die Ernten zukünftig um bis zu 30 Prozent niedriger ausfallen als heute.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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