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Agrarforschung

Junge Maispflanze in einem Forschungslabor

Weltweit leiden mehr als 820 Millionen Menschen an Hunger, etwa zwei Milliarden sind mangelernährt.

Um die wachsende Weltbevölkerung mit gesunder und ausgewogener Nahrung zu versorgen, muss die landwirtschaftliche Produktion bis zum Jahr 2050 um mindestens 50 Prozent steigen.

Doch schon heute erhöhen die Auswirkungen des Klimawandels und nicht nachhaltige Bewirtschaftungsmethoden den Druck auf natürliche Ressourcen wie Boden, Wasser und biologische Vielfalt. Viele Nahrungsmittel gehen zudem durch Pflanzenkrankheiten oder Schädlinge bereits auf den Feldern oder nach der Ernte verloren.

Um diesen Herausforderungen begegnen zu können, benötigen Kleinbäuerinnen und -bauern in Entwicklungsländern innovative Techniken, verbesserte Pflanzensorten und Kenntnisse über nachhaltige landwirtschaftliche Anbaupraktiken – eine Aufgabe für die internationale öffentliche Agrarforschung, die das BMZ im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit fördert.

  • Eine Mitarbeiterin des International Centre of Insect Physiology and Ecology (ICIPE) in Nairobi
    Deutsches Engagement

    Innovationen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft fördern

    Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) stellt seit vielen Jahrzehnten beträchtliche Mittel für die entwicklungsorientierte Agrarforschung zur Verfügung. Derzeit sind es rund 25 Millionen Euro pro Jahr.

  • Wissenschaftler am International Centre of Insect Physiology and Ecology (ICIPE) in Nairobi
    Deutsches Engagement

    Unterstützung durch Geld und Fachpersonal

    Die Förderung durch Deutschland erfolgt in erster Linie über die Beratungsgruppe Entwicklungsorientierte Agrarforschung (BEAF) der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Außerdem unterstützt das BMZ den Einsatz integrierter Fachkräfte des Centrums für internationale Migration und Entwicklung (CIM).

Eine Mitarbeiterin des International Centre of Insect Physiology and Ecology (ICIPE) in Nairobi
Deutsches Engagement

Innovationen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft fördern

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) stellt seit vielen Jahrzehnten beträchtliche Mittel für die entwicklungsorientierte Agrarforschung zur Verfügung. Derzeit sind es rund 25 Millionen Euro pro Jahr. So fördert das BMZ die 15 Agrarforschungszentren der globalen Forschungspartnerschaft für eine ernährungssichere Zukunft (CGIAR), das International Centre of Insect Physiology and Ecology (ICIPE) und das World Vegetable Center.

Um die weltweite Artenvielfalt wichtiger Kulturpflanzen zu sichern, unterstützt Deutschland zwölf internationale Saatgutbanken. Hier wird das Saatgut von Nahrungspflanzen erhalten, damit daraus in Zukunft neue Pflanzensorten gezüchtet werden können, die an veränderte klimatische Bedingungen angepasst sind.

Wissenschaftler am International Centre of Insect Physiology and Ecology (ICIPE) in Nairobi
Deutsches Engagement

Unterstützung durch Geld und Fachpersonal

Die Förderung durch Deutschland erfolgt in erster Linie über die Beratungsgruppe Entwicklungsorientierte Agrarforschung (BEAF) der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Außerdem unterstützt das BMZ den Einsatz integrierter Fachkräfte des Centrums für internationale Migration und Entwicklung (CIM). Dabei arbeiten GIZ und CIM eng zusammen: Während die BEAF Geld für entwicklungsrelevante Forschungsprojekte bereitstellt, unterstützen die Agrarforschungsinstitute – auch mit ihren CIM-Fachkräften – die konkrete Anwendung und Verbreitung der Forschungsergebnisse.

Der Herausforderung, innovative Technologien und Methoden in der Landwirtschaft zu verbreiten, widmet sich auch die Task Force on Scaling, die ebenfalls vom BMZ gefördert wird. Das weltweit vernetzte Expertenteam hat sich zum Ziel gesetzt, die Ergebnisse der internationalen Agrarforschung in großem Maßstab in die Praxis zu bringen, damit möglichst viele Bauern von den Innovationen profitieren können.

Internationale Agrarforschung

Wissen auf die Felder bringen

Die internationale öffentliche Agrarforschung entwickelt innovative Lösungen für eine nachhaltige Landwirtschaft, die durch gute Erträge der Ernährungssicherung dient, Kleinbäuerinnen und -bauern ein besseres Einkommen und eine gesunde Ernährung ermöglicht sowie die natürlichen Ressourcen schont. Sie ist praxisorientiert und wirkt dort, wo sie am dringendsten benötigt wird: in den ländlichen Räumen von Entwicklungsländern.

Forschung und Entwicklungszusammenarbeit arbeiten Hand in Hand. Durch die enge Verflechtung mit der Praxis können Herausforderungen unmittelbar erkannt und auf die Forschungsagenda gesetzt werden.

Ein Bauer in Lomé, Togo, bepflanzt ein Feld.
Internationale Agrarforschung

Forschung mit konkretem Nutzen

Die Institute der globalen Forschungspartnerschaft für eine ernährungssichere Zukunft (CGIAR) forschen an neuen, ertragreicheren Sorten und an Anbaumethoden, die weniger Wasser, Dünger und Boden benötigen.

Dabei arbeiten sie eng mit den Bäuerinnen und Bauern zusammen. Viele neue Sorten, die in Forschungsinstituten gezüchtet wurden, sorgen heute in den Entwicklungsländern für höhere Ernten und eine bessere Produktqualität.

Die Forschung kann auch Lösungen entwickeln, wenn sich vormals fruchtbares Land in Wüste verwandelt, wenn Krankheiten und Schädlinge Pflanzen und Vieh bedrohen oder wenn das ökologische Gleichgewicht zu kippen droht.

Agrarforscherinnen und -forscher erstellen zum Beispiel Prognosen, ob Anbaugebiete wegen Klimaveränderungen in andere Regionen verschoben werden müssen, die klimatisch besser geeignet sind.

Außerdem züchten sie widerstandsfähige Pflanzensorten, die die Folgen des Klimawandels besser vertragen, etwa größere Trockenheit oder einen höheren Salzgehalt im Boden.

Agrarforschung kann Kleinbäuerinnen und -bauern auch bei einer nachhaltigeren Landwirtschaft unterstützen. So arbeitet die Forschung zum Beispiel an umweltverträglichem Pflanzenschutz. Um Ernteausfälle zu verringern, werden Getreide- und Gemüsesorten gezüchtet, die widerstandsfähiger gegen Schädlinge sind.

Auch fast vergessene lokale Gemüsesorten werden von den Wissenschaftlern nachgezüchtet. Denn diese sind oft besser an ihren Standort angepasst, nährstoffreicher und liefern höhere Erträge als Sorten, die aus anderen Regionen eingeführt worden sind.

Das BMZ unterstützt die Entwicklung angepasster Technologien und landwirtschaftlicher Anbaupraktiken – im Ackerbau und in der Aquakultur, in der Vieh- und Insektenzucht, in der Forstwirtschaft und im Wasser- und Landmanagement.

Zwei Frauen arbeiten in einem Reisfeld in Banda Aceh, Indonesien
Internationale Agrarforschung

Forschung für alle

Die Ergebnisse der öffentlich finanzierten Forschung sind allen interessierten Nutzern auf der Welt zugänglich. Innovationen, Expertenwissen und genetische Ressourcen, die in den Genbanken der Forschungsinstitute eingelagert sind, stehen frei zur Verfügung.

Kleinbäuerinnen und -bauern überall auf der Welt können beispielsweise neue Pflanzensorten nutzen und für die Aussaat vermehren. Bei Sorten, die in kommerziellen Forschungsinstituten gezüchtet wurden, ist dies oft nicht möglich. Auf diese Weise verbessert die öffentlich geförderte Forschung direkt die Ernährung der Menschen in den Entwicklungs- und Schwellenländern.

So nutzen zum Beispiel mehr als fünf Millionen Haushalte in ganz Afrika über 550 Bohnensorten, die in Instituten der CGIAR entwickelt wurden. Die Bohnen gedeihen auch in sauren und trockenen Böden, sind äußerst nahrhaft und verbessern die Bodenfruchtbarkeit.

In Südostasien erwirtschaften Reisbäuerinnen und -bauern dank ertragreicher "CGIAR-Sorten" seit 1985 jährlich knapp 1,5 Milliarden US-Dollar zusätzlich. Die mit deutscher Förderung entwickelten Reissorten sind widerstandsfähiger gegen extreme Wetterbedingungen und sichern bereits die Ernährung von mehr als fünf Millionen Menschen.

Beitrag zur Agenda 2030

Die internationale Agrarforschung leistet einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030. Bis zum Jahr 2030 sollen durch die entwicklungspolitische Förderung der Agrarforschung

  • 350 Millionen bäuerliche Haushalte Technologien der CGIAR anwenden und damit ihr Einkommen verbessern,
  • zusätzliche 150 Millionen Menschen Zugang zu ausreichender und ausgewogener Ernährung erhalten,
  • 500 Millionen Menschen weniger als heute an Mikronährstoffmangel leiden,
  • die Treibhausgas-Emissionen aus der Landwirtschaft um 15 Prozent verringert werden und
  • 190 Millionen Hektar degradiertes Land fruchtbar gemacht werden.

Weiterführende Informationen

Inhaltsverzeichnis

Ländliche Entwicklung und Ernährungssicherung

Lexikon der Entwicklungspolitik

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