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Agrarpolitik, Handel und Agrarwirtschaftsförderung

Entwicklungspartnerschaften in der Landwirtschaft

Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Burkina Faso

Mit seiner 2014 gestarteten Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) den Kampf gegen Hunger und Mangelernährung zu einem seiner Kernanliegen gemacht. Dabei geht es nicht nur darum, die Not der heute lebenden Menschen zu verringern. Gemeinsam mit den Entwicklungsländern sollen außerdem die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass sich auch künftige Generationen ausreichend ernähren können.

Dies kann nur gelingen, wenn alle gesellschaftlichen Akteure – Politik, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft – eingebunden werden und verantwortungsvoll zusammenarbeiten. Denn der Investitionsbedarf für eine zukunftsfähige und nachhaltige Agrar- und Ernährungswirtschaft kann nicht allein durch die öffentliche Hand gedeckt werden.

Das BMZ fördert Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft als ein wichtiges Instrument für nachhaltige Entwicklung.

Durch die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft kann das BMZ zusätzliche Gelder für die Erreichung entwicklungspolitischer Ziele gewinnen. Für jeden Steuer-Euro wird ein Vielfaches an privatem Kapital eingesetzt. Öffentliche Mittel fördern so unmittelbar private Investitionen. Dabei werden im Partnerland Strukturen geschaffen, die auch nach Ende des Projekts weiterbestehen können.

Ausführliche Informationen zum Thema Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft finden Sie hier.

Strenge Vorgaben

Entwicklungspartnerschaften im Agrar- und Ernährungssektor unterliegen – wie alle Entwicklungspartnerschaften des BMZ mit der Privatwirtschaft – festen Regeln. Dabei handelt es sich zum einen um internationale Richtlinien, etwa der UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO), zum anderen um interne Vorschriften des BMZ wie dem BMZ-Referenzrahmen für Entwicklungspartnerschaften im Agrar- und Ernährungssektor und der deutschen Durchführungsorganisationen. Generell gilt, dass alle Entwicklungspartnerschaften entwicklungspolitischen Zielen folgen und umwelt- und sozialverträglich gestaltet sein und damit über den betriebswirtschaftlichen Nutzen für die Partnerunternehmen hinausgehen müssen.

Die Projekte müssen dazu beitragen, dass das Einkommen der armen ländlichen Bevölkerung steigt, dass mehr Grundnahrungsmittel auf lokalen Märkten verfügbar sind oder dass sich das Management der natürlichen Ressourcen verbessert. Vor dem Abschluss einer Entwicklungspartnerschaft wird unter anderem geprüft, ob das geplante Projekt die Ernährungssicherheit fördert und ob internationale Menschenrechts-, Umweltschutz- und Verbraucherschutzstandards eingehalten werden. Die Agentur für Wirtschaft und Entwicklung (AWE) ist zentraler Ansprechpartner für deutsche und europäische Unternehmen, die sich in Entwicklungs- und Schwellenländern engagieren wollen.

GIZ-Mitarbeiterin  im Gespräch mit einer Teilnehmerin des CARI Training-Projekts zur Parboiled-Reis-Veredelung in Nigeria

Umfassende Beratung der Landwirtinnen und Landwirte

Ein wichtiger Aspekt nachhaltiger Entwicklung ist die Wahlfreiheit: Die beteiligten Bäuerinnen und Bauern sollen völlig frei entscheiden, welche landwirtschaftlichen Produktionsmittel (wie Düngemittel und Saatgut) sie einsetzen. Alle Projektpartnerinnen und -partner beraten die Landwirtinnen und Landwirte in fairer Weise und geben keine Empfehlungen ab, die sich auf die Verwendung der eigenen Produkte beschränken.

Projekte, die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern besseren Zugang zu verbesserten Pflanzensorten ermöglichen, sorgen für die nötigen Rahmenbedingungen, damit diese von der Nutzung verbesserter Pflanzensorten profitieren können.

Bei allen Maßnahmen wird auf Schutz und nachhaltige Nutzung der genetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft geachtet. Das Recht der Bäuerinnen und Bauern auf traditionelle, nicht-kommerzielle Saatgutreproduktion wird respektiert. Auf die hierdurch entstehenden etwaigen Risiken (potenziell erhöhter Krankheitsdruck bei vegetativ vermehrtem Pflanzmaterial beispielsweise) sollte ebenfalls hingewiesen werden. Der Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut wird in den Projekten der deutschen Entwicklungszusammenarbeit nicht aktiv gefördert.

Gemeinsame Förderung von Wertschöpfungsketten

Ein Kernstück der deutschen Entwicklungspolitik im ländlichen Raum ist die Förderung landwirtschaftlicher Wertschöpfungsketten. Insbesondere Wirtschaftsunternehmen aus Verarbeitung und Handel, die Vorprodukte aus Partnerländern beziehen, sind dabei wichtige Partner.

Im ersten Schritt wird anhand ökonomischer, ökologischer und sozialer Kriterien untersucht, welche Wertschöpfungsketten die größten Wachstumschancen versprechen und somit Potenziale für Armutsminderung und Beschäftigungsförderung bieten.

Dann werden Strategien entwickelt und umgesetzt, um die landwirtschaftliche Produktivität zu steigern und die geernteten Produkte in der Region zu verarbeiten und regional oder international zu vermarkten.

Während sich mittelständische Unternehmen vor allem durch Sachleistungen wie Landmaschinen und Pflanzgut sowie Fachwissen einbringen, leisten Agrarkonzerne auch erhebliche finanzielle Beiträge, die die Verwirklichung vieler Projekte erst ermöglichen.

Mehr zum Thema landwirtschaftliche Wertschöpfungsketten lesen Sie hier.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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