Foto von Mädchen, das in ein Heft schreibt.

Schulbildung

Kostenlose Schulbildung ist ein Menschenrecht. Bildung ist jedoch weit mehr als ein grundlegendes Recht: Sie ist eine zentrale Voraussetzung für Chancengerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe. Wenn Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Status Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung haben, werden soziale Ungleichheiten verringert und gesellschaftliche Spaltungen abgebaut.

Schulbildung ist mehr als die Vermittlung von Wissen. Der Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung ermöglicht Lernenden, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten und aktiv zu einer freien Gesellschaft und prosperierenden Wirtschaft beizutragen. Gleichzeitig stärkt sie die Entwicklung von Gesellschaften: Bildung trägt dazu bei, Armut zu überwinden und fördert langfristig Wirtschaftswachstum, gesellschaftliche Stabilität und sozialen Zusammenhalt.

Die Wirkung von Bildung reicht weit über das Klassenzimmer hinaus. Sie ist eine Investition mit hoher Rendite, denn kaum eine andere gesellschaftliche Investition zeigt vergleichbar weitreichende Wirkungen. Sie verbessert die Einkommensperspektiven und erhöht die Widerstandsfähigkeit von Gesellschaften gegenüber Krisen. Eine Studie der UNESCO (Externer Link)zeigt: Jedes zusätzliche Schuljahr steigert das Einkommen eines Menschen im Durchschnitt um rund neun Prozent. Gleichzeitig wirkt sie sich positiv auf die Gesundheit von Familien aus, stärkt die Rolle von Mädchen und Frauen und ermöglicht gesellschaftliche und wirtschaftliche Teilhabe.

Schulbildung ist ein entscheidender Schlüssel zur Bewältigung globaler Herausforderungen. Sie vermittelt Kompetenzen und Haltungen, die notwendig sind, um mit den Folgen des Klimawandels, den Chancen und Risiken der Digitalisierung sowie der Verbreitung von Desinformation umzugehen. Schulbildung stärkt damit den sozialen Zusammenhalt, kann Konflikte und Gewalt vorbeugen und trägt langfristig zu friedlicheren und stabileren Gesellschaften bei.

Einige der globalen Entwicklungsziele als Sitzkissen bei einer Konferenz

Bildung gilt deshalb nicht nur als Menschenrecht, sondern auch als Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung weltweit. Mit dem vierten Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) (SDG 4) hat sich die internationale Gemeinschaft verpflichtet, inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung für alle zu gewährleisten. Gleichzeitig trägt Bildung zur Erreichung aller Nachhaltigkeitsziele bei, insbesondere zur Bekämpfung von Armut (SDG 1), zur Geschlechtergerechtigkeit (SDG 5), zu menschenwürdiger Arbeit und nachhaltigem Wirtschaftswachstum (SDG 8) sowie zu friedlichen und inklusiven Gesellschaften (SDG 16).

Globale Herausforderungen

Zwar haben sich die globalen Abschlussquoten über Jahrzehnte hinweg verbessert, seit 2015 verlangsamt sich der Fortschritt jedoch deutlich. Rund 273 Millionen Kinder und Jugendliche im Grund- und Sekundarschulalter gehen weiterhin nicht zur Schule. Das ist etwa jedes sechste Kind. Besonders in Ländern mit niedrigen Einkommen ist die Lage prekär: Dort besucht mehr als ein Drittel der Kinder keine Schule. Am stärksten betroffen sind Regionen in Subsahara-Afrika sowie in Zentral- und Südasien. In einzelnen Krisenkontexten erreicht die Bildungssituation dabei dramatische Ausmaße. Im Südsudan und Somalia gehen jeweils rund 65 Prozent der Kinder nicht zur Grundschule.

Gleichzeitig verschärft sich weltweit eine Lernkrise, die über den reinen Schulzugang hinausgeht. In Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen können rund 70 Prozent der Zehnjährigen keinen einfachen Text verstehen. Zudem fehlen Lehrkräfte. Bis zum Jahr 2030 werden rund 44 Millionen qualifizierte neue Lehrkräfte benötigt, um weltweit qualitativ hochwertige Grund- und Sekundarbildung sicherzustellen. Davon fehlen allein 15 Millionen in Subsahara-Afrika, unter anderem, weil die Bevölkerung im schulpflichtigen Alter sehr stark wächst.

Pandemie, bewaffnete Konflikte, Fluchtbewegungen und chronisch unterfinanzierte Bildungssysteme haben bestehende Defizite weiter vertieft. Besonders verletzlich sind geflüchtete und vertriebene Kinder. In vielen Flucht- und Krisenkontexten fehlen ausreichende Schulstrukturen oder Kapazitäten, z.B. von Lehrkräften. Mehr als die Hälfte der geflüchteten Kinder weltweit erhält keine Bildung, es besteht das Risiko einer verlorenen Generation. Gleichzeitig sind Schulen in vielen Konfliktregionen weiterhin selbst Ziel von Angriffen oder werden für militärische Zwecke genutzt, wodurch sichere Lernräume verloren gehen und der Zugang zu Bildung zusätzlich erschwert wird. Allein im Jahr 2024 wurden weltweit 1.265 Angriffe auf Schulen registriert – ein Anstieg von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Ungleichheiten im Bildungssystem verschärfen sich dabei entlang bekannter Bruchlinien: Mädchen und junge Frauen, Kinder mit Behinderungen sowie Kinder in ländlichen oder strukturschwachen Regionen sind überdurchschnittlich betroffen.

Ohne deutlich höhere Investitionen droht das Bildungsziel der Agenda 2030 verfehlt zu werden. Dabei lohnen sich Investitionen in Schulbildung: Jeder 1 USD, den eine Regierung für Bildung ausgibt, erhöht das BIP im Durchschnitt um 20 USD.

Geschlechtergerechtigkeit in der Bildung

Drei Kinder in Schuluniformen gehen auf einem Weg entlang, umgeben von Gras und Bäumen.
Rund 273 Millionen Kinder und Jugendliche im Grund- und Sekundarschulalter gehen weiterhin nicht zur Schule. Das ist etwa jedes sechste Kind.

Geschlechtergerechtigkeit in der Bildung ist weltweit noch immer nicht erreicht, auch wenn sich die Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen beim Zugang zur Grundschule vielerorts nahezu angeglichen haben. In höheren Bildungsstufen, bei Abschlüssen und vor allem bei der Lernqualität zeigen sich jedoch weiterhin deutliche Ungleichheiten, die sich je nach Region und sozialem Kontext erheblich verstärken.

Besonders in Ländern mit niedrigem Einkommen sind Mädchen und junge Frauen weiterhin strukturell benachteiligt. Gleichzeitig brechen Jungen und junge Männer häufiger die Schule ab und erzielen weniger gute Lernergebnisse. Krisen wie Konflikte, Klimafolgen oder Pandemien sowie geschlechtsspezifische Gewalt verschärfen bestehende Ungleichheiten zusätzlich. Diese Ungleichheiten begrenzen nicht nur Bildungswege, sondern auch spätere Chancen auf Beschäftigung, politische Teilhabe und wirtschaftliche Unabhängigkeit und wirken damit weit über das Bildungssystem hinaus.

Vor diesem Hintergrund sind gendertransformative, intersektionale und menschenrechtsbasierte Ansätze in der Bildung wichtig. Gendertransformative Bildung zielt darauf ab, diskriminierende Normen, Stereotype und strukturelle Machtverhältnisse im Bildungssystem zu transformieren. Genau diesen Ansatz verfolgen vom BMZ geförderte Initiativen mit dem Ziel, Bildungssysteme so auszurichten, dass sie die Gleichstellung aller Geschlechter fördern.

Engagement des BMZ

Das BMZ engagiert sich über multilaterale Partnerschaften für eine inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung.

  • Starke nationale Bildungssysteme:

    Das BMZ hat den multilateralen Fonds Global Partnership for Education (GPE) 2002 mitbegründet sowie finanziell und inhaltlich mit geprägt. Seit mehr als zwei Jahrzehnten unterstützt GPE den Aufbau starker und resilienter Bildungssysteme in mittlerweile 92 Ländern. 70 Prozent der 372 Millionen Kinder, die GPE in der Strategiephase 2021-2025 erreicht hat, leben in Ländern, die von Fragilität und Konflikten geprägt sind. Darüber hinaus wurden 4,7 Mio. Lehrkräfte (davon 45 Prozent Frauen) aus- bzw. fortgebildet, 272 Millionen Lehrbücher verteilt und 112.000 Klassenräume gebaut oder renoviert. Über den speziellen GPE-Fördermechanismus „Girls’ Education Accelerator“ setzt sich Deutschland dafür ein, Geschlechtergerechtigkeit dauerhaft in staatlichen Bildungssystemen zu verankern.


  • Lernen trotz Flucht und Krisen:

    Education Cannot Wait (ECW) ist der globale Fonds für Bildung in Notsituationen und langanhaltenden Krisen. Das BMZ ist größter Geber des Fonds und bringt sich seit 2023 als Ko-Vorsitz des Exekutivrats ein. Über ECW leistet das BMZ einen zentralen Beitrag zur Stärkung von Bildung an der Schnittstelle zwischen humanitärer Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung. Das Ziel des Fonds ist es, Kindern in Krisen und Konflikten sicheres Lernen zu ermöglichen. Das BMZ setzt sich dabei insbesondere für die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen in besonders vulnerablen Lebenslagen ein. Im Mittelpunkt der Arbeit des Fonds steht ein Ansatz, der Geschlecht, Fluchterfahrung und Behinderung gemeinsam in den Blick nimmt und lokalen Akteuren, vor allem Frauenorganisationen, mehr Einfluss vor Ort geben soll. Seit seiner Entstehung 2017 hat ECW über 14 Millionen Kindern und Jugendlichen (50 Prozent Mädchen) den Zugang oder die Fortführung von Bildung ermöglicht. Als Mitglied im globalen Fachnetzwerk Inter-Agency Network for Education in Emergencies (INEE) und dem Geneva Global Hub for Education in Emergencies unterstreicht das BMZ sein langjähriges Engagement für Bildung in Flucht- und Krisenkontexten.


  • Gleichstellung der Geschlechter in und durch Bildung:

    2022 gründete das BMZ das Feminist Network for Gender Transformative Education (FemNet4GTE) gemeinsam mit der United Nations Girls' Education Initiative. Das Netzwerk bringt 350 Nichtregierungsorganisationen, feministische Aktivist*innen, Akademiker*innen, Regierungsvertreter*innen und multilaterale Partnerschaften in den Austausch, um die Gleichstellung in und durch Bildung voranzutreiben.


  • Besser qualifizierte Lehrkräfte:

    Das BMZ fördert Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften weltweit und setzt sich für sichere Arbeitsverhältnisse und angemessene Löhne ein. Durch die Förderung des Netzwerks International Task Force on Teachers for Education 2030 (TTF) trägt das BMZ zur Minderung des weltweiten Lehrkräftemangels und zur Verbesserung der globalen Lehrkräftepolitik bei. Zudem setzen BMZ, UNESCO und UNICEF gemeinsam das Future Teacher Kit (FTK) um, ein eigens entwickelter Low-Tech Ansatz, um Lehrkräfte fortzubilden.

Stand: 10.06.2026