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Faire Lieferketten

Minister Müller stellt Initiative für fairen Orangensaft vor


Orangenernte auf einer Plantage in Brasilien

04.12.2020 |

Düsseldorf – Minister Müller gab gestern den Startschuss zur neuen Partnerschaft für nachhaltigen Orangensaft (PANAO). Die Initiative setzt sich für mehr Arbeitsschutz, soziale Gerechtigkeit und die Zahlung existenzsichernder Löhne bei der Produktion ein, insbesondere im Hauptanbauland Brasilien. Im Rahmen der Deutschen Nachhaltigkeitstage in Düsseldorf wurde die Initiative vorgestellt.

Entwicklungsminister Müller: "Orangen, Nüsse und Schokolade gehören für viele zur Adventszeit. Was für uns Feiertagsfreuden sind, ist aber für viele Menschen auf den Plantagen mit Not und Elend verbunden. Die Menschen erhalten oft nur Hungerlöhne, Kinder müssen mitarbeiten. Ich hab das selbst gesehen: Ein Orangenpflücker muss in Brasilien monatlich etwa 1.700 Orangen-Kisten zu je 26 kg sammeln, um den staatlichen Mindestlohn von 184 Euro zu erhalten. Das entspricht 11 Cent pro Kiste. Das ist Ausbeutung pur. Ein existenzsichernder Lohn ist laut Studien fast doppelt so hoch.

Deswegen freue ich mich, dass im Lebensmittelhandel Bewegung ist. Zusammen mit großen deutschen Handelsketten und Saftherstellern wie Beckers Bester, Kaufland und Rewe, den Gewerkschaften und Fairtrade haben wir eine Initiative gestartet, um existenzsichernde Einkommen für Orangensaft zu verankern. Das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu fairen Lieferketten. Und es zeigt: Es geht! Mein Wunsch ist es, dass faire Produkte zum Standard in jedem deutschen Supermarkt werden – nicht nur zur Weihnachtszeit."

Sebastian Koeppel, PANAO-Vorsitzender und Geschäftsführer von Beckers Bester: "Wir sind ein Familienunternehmen in vierter Generation und haben schon viele Veränderungen erlebt. Aber mehr denn je sind wir gefragt, Verantwortung zu übernehmen. Schließlich wollen wir unseren Kundinnen und Kunden Produkte anbieten, auf die wir stolz sein können. Und das geht nur, wenn Mensch und Umwelt während des gesamten Herstellungsprozesses mit Respekt begegnet wird. So sehe ich der Arbeit in der PANAO mit großer Hoffnung entgegen, um langfristig Deutschlands beliebtesten Saft durchweg nachhaltig zu produzieren."

Das Bundesentwicklungsministerium hat gemeinsam mit Beckers Bester, Kaufland, der REWE Group, der Christlichen Initiative Romero, TransFair e.V. (Fairtrade Deutschland), dem Internationalen Bildungswerk TIE und der Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) die Partnerschaft für nachhaltigen Orangensaft (PANAO) gegründet. Sie verpflichten sich, soziale Gerechtigkeit und Arbeitsrechte sowie Arbeits- und Umweltschutz in der Orangensaft-Lieferkette aktiv zu fördern und existenzsichernde Einkommen zu verankern. Langfristig wollen sie den Anteil an nachhaltig produziertem Orangensaft im deutschen und europäischen Markt deutlich erhöhen.

Bei der Arbeit der PANAO steht die brasilianische Orangensaftproduktion im Fokus. Brasilien ist der größte Orangensaftexporteur weltweit, exportiert über 90 Prozent. Zwei Drittel davon gehen an die EU und mit 17 Prozent von diesem Anteil ist Deutschland der größte Abnehmer brasilianischen Saftes. Hauptprobleme auf den Orangenplantagen sind zu geringe Löhne, unzureichender Gesundheitsschutz, mangelnde Arbeitssicherheit und fehlende Gewerkschaftsrechte. Der hohe Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gefährdet die Artenvielfalt und die Trinkwasserversorgung der Menschen in den Anbaugebieten.

Handlungsfelder der PANAO im Überblick:

  • Lieferketten-Mapping und Aufbau nachhaltiger Beschaffungspraktiken
  • Stärkung der Arbeitnehmervertretungen und sozialer Dialog
  • Menschenwürdige Arbeitsbedingungen und Maßnahmen zur Zahlung existenzsichernder Löhne
  • Dialog mit Partnern auf deutscher, europäischer und brasilianischer Ebene

 

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