Wirtschaftliche Situation Nicht alle profitieren vom Erfolg

Die demokratische Konsolidierung Perus seit der Jahrtausendwende ging mit einem beeindruckenden wirtschaftlichen Aufschwung einher. In den Jahren vor der Corona-Pandemie hat sich das Wirtschaftswachstum allerdings verlangsamt.

Eine ältere Frau schält eine Mango an einer Straße

Eine ältere Frau schält eine Mango an einer Straße

Eine ältere Frau schält eine Mango an einer Straße


Gründe dafür waren vor allem fallende Preise für Rohstoffe wie Kupfer und die wirtschaftlichen Folgen des Klimaphänomens "El Niňo Costero", das starke Überschwemmungen im Jahr 2017 ausgelöst hat. Danach führte die Corona-Pandemie zu wirtschaftlichen Einbußen: Das Bruttoinlandsprodukt fiel schon nach einem Jahr um 30 Prozent und die Zahl der Erwerbstätigen um fast sieben Millionen.

Hauptträger des Wirtschaftswachstums sind der Außenhandel und die umfangreichen Investitionen in Bergbau und Erdgasförderung. Peru profitiert von der Nachfrage für seine Exportgüter, vor allem für mineralische Rohstoffe wie Gold, Kupfer, Silber und Zink. Mit einem Bruttonationaleinkommen pro Kopf von circa 6.010 US-Dollar pro Jahr gehört Peru mittlerweile zu den Ländern mit höherem mittlerem Einkommen (upper middle-income countries).

Doch der Rohstoffsektor bietet nur relativ wenige direkte Arbeitsplätze. Bergbauvorhaben führen zudem oft zu sozialen Konflikten. Sie entzünden sich vor allem an Nutzungskonflikten, Umweltfragen und an der Verteilung der Erlöse. Die indigene Bevölkerung profitiert nur wenig vom wirtschaftlichen Aufschwung – und hat teilweise sogar unter ihm zu leiden: Betriebliche Landwirtschaft, Holzeinschlag und Bergbau dringen immer weiter in die Siedlungsgebiete indigener Völker und Gemeinschaften ein. Das bedroht nicht nur ihre Lebensgrundlagen – auch die Gewalt gegenüber Vertretern und Vertreterinnen indigener Gemeinschaften nimmt seit Jahren stetig zu.

Der Regierung gelingt es bisher nur ansatzweise, auch ärmere Bevölkerungsteile vom Wirtschaftswachstum profitieren zu lassen. Die bestehenden Sozialprogramme und ein Finanzausgleich zwischen Nationalstaat und Regionen konnten bisher nur einen begrenzten Beitrag zur Entwicklung der ländlichen Räume leisten.


Organisierte Kriminalität

Eine große Herausforderung für den weiteren Ausbau des Rechtsstaats und die Stabilisierung Perus ist die organisierte Kriminalität. Das Land ist nach Kolumbien der weltweit zweitgrößte Kokaproduzent. Illegaler Handel mit Gold und Holz sowie Menschenhandel sind weitere lukrative Geldquellen für Kriminelle, mit denen sie illegale Finanzströme, Korruption und Geldwäsche fördern. Die Kriminalität untergräbt den Rechtsstaat und entzieht dem Land wichtige Entwicklungsressourcen. Dem Staat gelingt es in einigen Regionen nicht, sein Gewaltmonopol durchzusetzen und wirksam gegen schwer bewaffnete kriminelle Netzwerke vorzugehen.

Stand: 03.06.2022