Junge Menschen an einer Ampel in Pristina, Kosovo

Wirtschaftliche Situation Hohe Arbeitslosigkeit und schwache Infrastruktur

Kosovo war schon vor Ausbruch der Konflikte innerhalb Jugoslawiens eine strukturschwache Region – mit sehr hoher Analphabetenquote, fehlender Infrastruktur und großer Abhängigkeit von der landwirtschaftlichen Produktion.

Der Krieg traf die Provinz besonders hart; weite Teile wurden stark zerstört. Mit der staatlichen Unabhängigkeit wurde die Hoffnung auf eine Belebung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes verbunden. Diese Hoffnung hat sich bisher nicht erfüllt, Kosovo gehört weiterhin zu den ärmsten Ländern Europas.

Massive soziale und wirtschaftliche Probleme erschweren die Entwicklung des Landes. Zu den großen Herausforderungen zählen die hohe Arbeitslosigkeit (25 Prozent; unter den 15- bis 24-Jährigen knapp 50 Prozent), die schwache Infrastruktur, die geringe Produktivität, die unzureichende Energieversorgung, der unzureichende Zugang zu Finanzdienstleistungen sowie mangelnde Stabilität und mangelnder Anreiz für Investoren. Hinzu kommen gravierende Umweltprobleme, vor allem eine starke Luftverschmutzung durch Kohlekraftwerke, veraltete Industrieanlagen, den Straßenverkehr und das Verbrennen von Abfällen auf illegalen Mülldeponien.


Noch kein stabiler Aufschwung

Nach Schätzungen werden etwa 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im informellen Sektor erwirtschaftet. Arbeitsrecht und fairer Wettbewerb werden dadurch untergraben. Den Betrieben fehlen gut ausgebildete Fachkräfte – junges, qualifiziertes Personal verlässt das Land, häufig in Richtung Deutschland.

Das dynamische Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre hat nicht ausgereicht, um die historische Unterentwicklung der Region zu überwinden. Einen herben Rückschlag erlitt Kosovo 2020 durch die Corona-Pandemie – die Wirtschaftsleistung brach um 5,3 Prozent ein. Der Internationale Währungsfonds (IWF (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) rechnet in den kommenden Jahren mit Wachstumsraten von drei bis vier Prozent. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung wird ein wesentlicher Faktor für eine friedliche und stabile Entwicklung des Landes sein.

Entwicklungs­poten­ziale

Kosovo hat interessante Potenziale als Wirtschaftsstandort: Das Land liegt geographisch günstig im Zentrum Südosteuropas, es hat gute Aussichten auf den EU-Beitritt und ist Mitglied im Zentraleuropäischen Freihandelsabkommen (CEFTA).

Außerdem verfügt Kosovo über junge Arbeitskräfte mit guten Fremdsprachen- und IT-Kenntnissen, über mineralische Rohstoffe (unter anderem Blei, Zink und Eisennickel) und über gute Voraussetzungen für die Stromerzeugung, unter anderem aus Wind- und Sonnenenergie.

Der kosovarische Agrarsektor ist derzeit durch familiengeführte Kleinbetriebe geprägt, die für den Eigenbedarf wirtschaften. Die fruchtbaren Ackerböden könnten deutlich produktiver genutzt werden und damit sowohl zur Nahrungsmittelproduktion des Landes als auch zur Schaffung von Arbeitsplätzen beitragen.