Blick auf Jaounde, die Hauptstadt von Kamerun

Land in der Krise Konflikte verschärfen sich

Kamerun befindet sich aktuell in einer tiefen innenpolitischen Krise. Konflikte in den englischsprachigen Regionen North-West und South-West sowie in der Region Extrême-Nord gefährden die Stabilität des Landes – und auch Vorhaben der Entwicklungszusammenarbeit.

Konflikt in den anglophonen Landesteilen

Etwa 20 Prozent der Kameruner leben in den beiden englischsprachigen Regionen im Westen des Landes. Viele von ihnen empfinden sich in Politik, Verwaltung, Justiz und Bildung durch die Zentralregierung diskriminiert. Ende 2016 mündeten zunächst friedlich verlaufene Demonstrationen in gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen separatistischen Gruppierungen und staatlichen Sicherheitskräften. Seitdem hat sich der Konflikt weiter verschärft. Es kommt zu massiven Menschenrechtsverletzungen und zahlreichen Todesopfern.

Die Regierung unter Präsident Biya lehnt Verhandlungen über den verfassungsrechtlichen Status der Regionen und die Einführung eines föderalen Systems ab. Die humanitäre Lage in den Landesteilen hat sich deutlich verschlechtert. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind bereits rund eine Million Menschen aus den Regionen South-West und North-West in andere Landesteile geflohen (Stand: Ende Dezember 2020).

Terror im Norden

Auch in der Region Extrême-Nord hat sich die Sicherheitslage verschlechtert. Zwar hat Kamerun gemeinsam mit Nigeria, Niger, Tschad und Benin eine multinationale Eingreiftruppe (Multinational Joint Task Force, MNJTF) gegründet und die militärischen Aktionen der Terrororganisation Boko Haram erfolgreich eingedämmt. Die Zahl der Selbstmordanschläge auf kamerunischem Staatsgebiet hat seit Frühjahr 2017 jedoch stark zugenommen.