Hafen von Jakarta, Indonesien

Wirtschaftliche Situation Herausforde­rungen für nach­halti­ges Wachstum

Die dynamische Wirtschafts­entwick­lung der vergangenen zehn Jahre mit jähr­lichen Wachs­tums­raten von etwa fünf bis sechs Prozent hat Indo­nesien zu einem attraktiven Markt gemacht. 2020 ging das Brutto­inlands­produkt in Folge der Corona-Pandemie um 2,1 Prozent zurück. Der Inter­nationale Währungs­fonds (IWF) geht jedoch davon aus, dass sich die indo­nesische Wirt­schaft relativ schnell erholen und in den kom­menden Jahren wieder auf Vor­krisen­niveau wachsen wird.

Wirtschaft im Umbruch

Zahlreiche Heraus­forderungen bleiben allerdings bestehen. Die Wett­bewerbs­fähig­keit der Industrie und die Investitions­bereit­schaft der Privat­wirt­schaft werden durch häufige staat­liche Eingriffe, die allgegen­wärtige Korruption, eine schwer­fällige Bürokratie, die lange vernach­lässigte Infra­struktur sowie durch den Fach­kräfte­mangel und ein insgesamt unzu­reichendes Bildungs­niveau gehemmt. Das hat zur Folge, dass bei weitem nicht genügend Arbeits­plätze geschaffen werden, um mit dem Bevölke­rungs­wachstum Schritt zu halten. Die Jugend­arbeits­losig­keit ist mit mehr als 13 Prozent (2019) relativ hoch.

Die Bevölkerung entwickelt sehr viel Eigen­initiative. Rund 50 Prozent der volks­wirtschaft­lichen Leistung werden im informellen Sektor (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) erbracht. Die Corona-Pandemie hat die Kleinst- und Klein­betriebe allerdings sehr hart getroffen; Millionen Menschen haben aufgrund corona­bedingter Ein­schränkungen ihren Job verloren oder stehen vor einer unsicheren beruf­lichen Zukunft.

Mutter mit Kindern in einem Zugabteil, Jakarta, Indonesien

Mutter mit Kindern in einem Zugabteil, Jakarta, Indonesien

Mutter mit Kindern in einem Zugabteil, Jakarta, Indonesien

Entwicklungspotenziale

Bislang ist die indonesische Wirtschaft stark von der Ausfuhr fossiler und minera­lischer Roh­stoffe (unter anderem Kohle, Gas, Kupfer und Nickel) sowie von Agrar­produkten wie Palmöl und Kautschuk abhängig. Der Anteil der Industrie an der Wirt­schafts­leistung ist in den ver­gan­genen Jahren hingegen gesunken, sie beschränkt sich vor allem auf günstige Lohn­ferti­gung.

Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, mehr aus­ländisches Kapital und Fach­wissen ins Land zu holen und die Wert­schöp­fung zu steigern, also durch die Weiter­verarbei­tung der Produkte mehr Gewinne im eigenen Land zu er­zielen.

Dafür wurden mehrere wirtschafts­politische Reform­pakete auf den Weg gebracht. Unter anderem sollen Investi­tionen vereinfacht, Anreize für Firmen­gründungen geschaf­fen, Vor­schrif­ten für Arbeits­erlaub­nisse gelockert, die Energie­kosten gesenkt und der Land­erwerb erleichtert werden. Auf starke Kritik der Gewerk­schaften stießen Rege­lungen zur Einschrän­kung der Arbeit­nehmer­rechte, etwa bei Mindest­löhnen, Sozial­leistungen und Kündigungs­schutz.


Regionale und inter­natio­nale Zu­sam­men­arbeit

Mit Schaffung der ASEAN-Wirt­schafts­gemein­schaft (ASEAN Economic Community, AEC) haben die zehn Mit­glieder des Verbands süd­ost­asiatischer Staaten, darunter Indo­nesien, ihren Willen bekräftigt, die regio­nale Zu­sam­men­arbeit zu verstärken.

Zwischen der Europäischen Union und Indo­nesien ist seit 2014 ein Partner­schafts- und Kooperations­abkom­men in Kraft, das eine enge politische, wirtschaft­liche und kulturelle Zu­sammen­arbeit vorsieht. 2016 begannen Verhand­lungen über ein Frei­handels­abkom­men (Comprehensive Economic Partnership Agreement, CEPA).