Hafen von Jakarta, Indonesien

Wirtschaftliche Situation Herausforderungen für nachhaltiges Wachstum

Die dynamische Wirtschaftsentwicklung der vergangenen zehn Jahre mit jährlichen Wachstumsraten von etwa fünf bis sechs Prozent hat Indonesien zu einem attraktiven Markt gemacht. Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht davon aus, dass die indonesische Wirtschaft auch in den kommenden Jahren in gleichem Maße wachsen wird.

Wirtschaft im Umbruch

Zahlreiche Herausforderungen bleiben allerdings bestehen. Die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und die Investitionsbereitschaft der Privatwirtschaft werden durch häufige staatliche Eingriffe, die allgegenwärtige Korruption, die geringe Leistungsfähigkeit der staatlichen Institutionen, die lange vernachlässigte Infrastruktur und das insgesamt unzureichende Bildungsniveau gehemmt.

Unternehmer und Investoren werden durch eine unklare Gesetzeslage, schwerfällige Bürokratie, schlechte Infrastruktur und den Fachkräftemangel abgeschreckt. Das hat zur Folge, dass bei weitem nicht genügend Arbeitsplätze geschaffen werden, um mit dem Bevölkerungswachstum Schritt zu halten. Besonders die Jugendarbeitslosigkeit ist mit mehr als 15 Prozent relativ hoch.  Rund 50 Prozent der volkswirtschaftlichen Leistung werden im informellen Sektor erbracht.

In Kernbereichen der Wirtschaft halten staatseigene Betriebe noch Monopole oder konkurrieren mit dem Privatsektor. Allerdings wurde 2010 damit begonnen, erste Staatsunternehmen schrittweise zu privatisieren und die Investitionsbedingungen für ausländische Unternehmen zu verbessern.

Großes Potenzial durch Bodenschätze

Indonesien verfügt über Erdöl, Erdgas, Kohle und zahlreiche weitere Bodenschätze. Das Land ist neben Malaysia der größte Palmölproduzent weltweit. Weitere Exportprodukte sind Holz, Kakao, Kaffee, Tee, Tabak, Naturkautschuk und Textilien.

Ein mit Ölpalmenfrüchten beladener LKW im indonesischen Teil der Insel Borneo

Ein mit Ölpalmenfrüchten beladener LKW im indonesischen Teil der Insel Borneo

Ein mit Ölpalmenfrüchten beladener LKW im indonesischen Teil der Insel Borneo

Seit 2014 gilt ein Gesetz, durch das schrittweise die Ausfuhr unverarbeiteter Metallerze untersagt wurde. Ziel der Regierung ist, auf diese Art die Wertschöpfung zu erhöhen, also durch die Weiterverarbeitung der Produkte mehr Gewinne im eigenen Land zu erzielen.

Am 31. Dezember 2015 ist die ASEAN Economic Community (AEC) in Kraft getreten. Mit Schaffung der Wirtschaftsgemeinschaft haben die zehn Mitglieder des Verbands südostasiatischer Staaten ihren Willen bekräftigt, die regionale Integration zu verstärken.

Entwicklungspotenziale

Im bereits genannten Rohstoffreichtum liegen die größten Entwicklungspotenziale Indonesiens. Dazu zählen aber unter anderem auch die langen Küstengewässer, sie gelten als die fischreichsten der Welt.

Die Bevölkerung entwickelt sehr viel Eigeninitiative. Fast die Hälfte der Berufstätigen ist selbstständig oder arbeitet in einem Kleinstbetrieb. Die Regierung will diese Potenziale dauerhaft nutzen: Der nationale Entwicklungsplan für den Zeitraum 2015 bis 2019 setzte zur Reduzierung der Armut und zur Erhöhung des Pro-Kopf-Einkommens vor allem auf die Förderung kleinster, kleiner und mittlerer Unternehmen.

Mutter mit Kindern in einem Zugabteil, Jakarta, Indonesien

Mutter mit Kindern in einem Zugabteil, Jakarta, Indonesien

Mutter mit Kindern in einem Zugabteil, Jakarta, Indonesien

Investitionen in den Bildungsbereich

Bildung und Ausbildung haben unter der Regierung von Präsident Joko Widodo ihre zentrale Bedeutung behalten. Ziel ist die Verbesserung der Qualität und der Zugangsmöglichkeiten zu Bildungsangeboten besonders für die ärmeren Bevölkerungsschichten. Seit 2003 verpflichtet sich die Regierung, 20 Prozent des Haushalts im Bildungsbereich zu investieren. Dieses Ziel ist seitdem jedes Jahr erreicht worden.

Durch eine deutliche Verringerung der Subventionen für Treibstoff und Elektrizität wurden zudem staatliche Mittel frei, die in Sozial- und Infrastrukturprogramme investiert werden können.

Neben China und Indien ist Indonesien der wichtigste asiatische Wachstumsmarkt. Für ausländische Investoren ist vor allem seine geographische und kulturelle Mittlerrolle in Südostasien interessant. Seit November 2009 ist zwischen der EU und Indonesien ein Partnerschafts- und Kooperationsabkommen in Kraft, das eine enge politische, wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit vorsieht. Im Juli 2016 begannen Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen (Comprehensive Economic Partnership Agreement, CEPA) zwischen der EU und Indonesien.