Bauarbeiter auf einer Baustelle in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi

Politische Situation Arbeitsplätze schaffen, Armut verringern

Seit der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1947 ist Indien eine Republik mit parlamentarischer Demokratie und funktionierender Gewaltenteilung. Das Land verfügt über eine lebendige Zivilgesellschaft (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) mit einer Vielzahl von Nichtregierungsorganisationen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen).

Trotz einer niedrigen Steuerquote stellt die indische Regierung erhebliche finanzielle Mittel für entwicklungspolitische Initiativen und Programme bereit. Im Rahmen innovativer Entwicklungsansätze bezieht sie auch die private Wirtschaft und die Bevölkerung aktiv ein.

Angesichts der vielen extrem armen Menschen und der bis zu zehn Millionen jungen Menschen, die jedes Jahr den indischen Arbeitsmarkt neu betreten, stehen die Wirtschaftspolitik und die Schaffung von Arbeitsplätzen im Fokus der aktuellen Regierungspolitik. In den vergangenen Jahren wurden grundlegende wirtschaftliche Reformen in Gang gesetzt, unter anderem die Einführung einer landesweit einheitlichen Mehrwertsteuer, eine stärkere Öffnung des Landes für Auslandsinvestitionen, eine Neuordnung der korruptionsanfälligen Lizenzvergabe im Rohstoffsektor und ein Sanierungsprogramm für staatliche Banken. Außerdem wurden verschiedene Sozialprogramme aufgelegt, von denen viele Bedürftige allerdings keine Kenntnis haben.


Corona-Pandemie

Im Zuge der Corona-Krise ab Frühjahr 2020 wurden seitens der indischen Regierung strenge Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung verhängt. Die gesundheitlichen Auswirkungen waren dennoch dramatisch. Die Einrichtungen des staatlichen Gesundheitssystems stießen in den ärmeren Bundesstaaten und den Ballungsräumen an die Kapazitätsgrenzen und kollabierten insbesondere im April/Mai 2022 teilweise.

Von den wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Pandemie waren vor allem die ärmeren, ungebildeten Schichten betroffen – mit etwa 800 Millionen Menschen deutlich mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Insbesondere viele Tagelöhnerinnen und Tagelöhner fielen infolge der Pandemie in die extreme Armut zurück.

Entwicklungshemmnisse

Seit dem Amtsantritt von Premierminister Narendra Modi 2014 haben sich hindu-nationalistische Einflüsse auf die Politik und in der Gesellschaft deutlich verstärkt. Die Situation religiöser Minderheiten ist schwieriger geworden. Im regionalen Vergleich hebt sich Indien zwar durch robuste demokratische Mechanismen, verfassungsrechtlich garantierte Freiheiten und eine vielfältige Zivilgesellschaft ab. Doch ist bei der Presse- und Meinungsfreiheit und der sozialen Teilhabe ein Abwärtstrend zu beobachten.

Entwicklungshemmend wirkt sich auch die geringe Leistungsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung sowohl auf zentralstaatlicher als auch auf Bundesstaatenebene aus. Trotz Reformbemühungen können ehrgeizige politische Programme vielfach nicht wirksam umgesetzt werden. Auch Maßnahmen zur Bekämpfung der Korruption bleiben bislang in ihrer Wirkung eingeschränkt.

Menschenrechte

Der Alltag vieler Bevölkerungsgruppen, insbesondere der ethnischen Minderheiten, ist nach wie vor von systematischer Benachteiligung geprägt. Hauptursachen für alltägliche Menschenrechtsverletzungen bleiben der niedrige Bildungsstand von Teilen der Bevölkerung sowie tief verwurzelte soziale und kulturelle Praktiken. So wurde das Kastenwesen zwar 1949 offiziell abgeschafft, bestimmt aber in vielen Teilen des Landes immer noch das gesellschaftliche Leben.

Obwohl die Gleichberechtigung der Geschlechter in der Verfassung verankert ist, werden Mädchen und Frauen in der indischen Gesellschaft, aber auch in der Politik und Wirtschaft strukturell benachteiligt. Ihr Zugang zu Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen hat sich zwar deutlich verbessert. In vielen Familien werden die männlichen Mitglieder jedoch bei der Ernährung, medizinischen Versorgung und Bildung weiter bevorzugt. Gewalt gegen Frauen bleibt ein Problem.

Stand: 01.08.2022