Frauen beim Elternabend einer Grundschule in Côte d’Ivoire

Soziale Situation Große Unterschiede zwischen Nord und Süd

Côte d’Ivoire zählt zwar zu den größten Volkswirtschaften Westafrikas, doch die Mehrheit der Bevölkerung hat keinen Anteil an den wirtschaftlichen Erfolgen des Landes.

Fast 40 Prozent der rund 26 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner leben unterhalb der nationalen Armutsgrenze, ein Fünftel der Bevölkerung ist unterernährt. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei nur 58 Jahren. Die Armut ist in den ländlichen Regionen deutlich höher als in den Städten und im strukturschwachen Norden wesentlich höher als im Süden.

Der überwiegende Teil der Bevölkerung ist im informellen Sektor (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) beschäftigt und verfügt damit meist über keinerlei soziale Absicherung. Die Regierung hat mit dem Aufbau einer öffentlich unterstützten Krankenversicherung für alle Einwohnerinnen und Einwohner begonnen.

Defizite bei Bildung und Gesundheit

Ein Mädchen in Pakistan wird gegen Masern geimpft.

In den Bereichen Bildung und Gesundheit sind Fortschritte zu verzeichnen, doch noch immer investiert der Staat zu wenig in die Grundversorgung der Bevölkerung. Die Analphabetenquote liegt bei 53 Prozent (Frauen: 60 Prozent). Die offizielle Einschulungsrate hat sich zwar nach Abschaffung des Schulgeldes deutlich erhöht (2019: 100 Prozent), doch jedes fünfte Kind schließt die Grundschule nicht ab. Kinderarbeit ist weit verbreitet, insbesondere auf den Kakaoplantagen des Landes.

Nur knapp die Hälfte der ivorischen Bevölkerung hat gesicherten Zugang zu sauberem Trinkwasser, die sanitäre Grundversorgung ist noch schlechter. 2019 hat die Regierung eine sozialpolitische Initiative angekündigt, die unter anderem eine bessere Gesundheitsversorgung für besonders arme Familien, den Bau von Sozialwohnungen und eine Verbesserung der Wasser- und Stromversorgung umfassen soll.

Bevölkerungswachstum

Die Bekämpfung der Armut wird durch die hohe Geburtenrate erschwert. Derzeit wächst die ivorische Bevölkerung jährlich um 2,5 Prozent, mehr als 40 Prozent der Ivorerinnen und Ivorer sind unter 15 Jahre alt. Seit Erlangung der Unabhängigkeit im Jahr 1960 hat sich die Bevölkerung versiebenfacht.

Côte d'Ivoire gehört zu den am stärksten urbanisierten Ländern Westafrikas: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in Städten.

Frauenrechte

Bild aus einem Hörsaal des Instituts für angewandte Agrarforschung und Ausbildung in Katibougou, Mali. In der Bildmitte zwei Frauen, um sie herum Männer

Die Frauenrechte sind in der Verfassung Côte d’Ivoires festgeschrieben. Vor allem im Familien-, Erb- und Bodenrecht gibt es jedoch noch Regelungen, die Frauen diskriminieren. Trotz eines gesetzlichen Verbots ist vor allem im Norden des Landes weibliche Genitalverstümmelung weit verbreitet. Auch wenn Vergewaltigung als Straftat im Strafgesetzbuch enthalten ist, wird sie kaum verfolgt und es liegen keine offiziellen verlässlichen Daten über ihr Vorkommen vor.

Um die politische Teilhabe der Frauen zu verbessern, wurde im März 2019 ein Gesetz verabschiedet, das vorschreibt, dass bei Parlaments-, Regional- und Kommunalwahlen künftig 30 Prozent der Kandidaten weiblich sein müssen. Derzeit beträgt der Frauenanteil in der Nationalversammlung 13 Prozent.