Regenwald in Jaraqui, Brasilien

Umwelt und Klima Ökologische, soziale und wirtschaftliche Interessen in Einklang bringen

Der größte Teil des Amazonas­regen­walds liegt in Brasilien. Er spielt als Wasser- und Kohlen­stoff­speicher eine zentrale Rolle für das globale Klima und die wirt­schaft­liche Entwicklung in Süd­amerika. Doch jedes Jahr werden ausgedehnte Wald­flächen – zum Teil illegal – abgeholzt, um neues Acker- oder Weide­land zu gewinnen.

2020 und 2021 hat die Entwaldung im Amazonas­gebiet deutlich zugenommen und erreichte die höchsten Werte seit zehn Jahren. Auch der illegale Berg­bau richtet im Regen­wald enorme Schäden an. Für Kritik sorgen angesichts dieser Situation Mittel- und Personal­kürzungen beim staat­lichen Umwelt­amt IBAMA (Externer Link) und beim Institut für Bio­diversitäts­erhalt ICMBio (Externer Link), das dem Umwelt­ministerium unterstellt ist.

UN-Berichterstatter beklagt mangelnden Schutz der Bevölkerung

Im Dezember 2019 bereiste der UN-Sonder­bericht­erstatter zu Aus­wirkungen von Umwelt­verschmutzung auf die Menschen­rechte, Baskut Tuncak, Brasilien. In einer Erklärung zum Abschluss der Reise beklagte er, dass die brasilia­nische Regierung ihre verfassungs­mäßige Ver­pflichtung, die Menschen im Land vor giftigen Substanzen und gefährlichem Abfall zu schützen, nicht erfülle. Wichtige Umwelt­programme seien gestrichen, die Bürger­beteiligung ein­geschränkt worden. Gesetze und Gerichts­entscheidungen zum Schutz vor Gift­stoffen würden nicht durch­gesetzt.

Als Beispiele für mangelnden Umwelt- und Menschen­rechts­schutz und die Nicht­verfolgung von Umwelt­verbrechen nannte Tuncak die zunehmende Entwaldung und die hohe Zahl von Wald­bränden im Amazonas­gebiet, die im Sommer 2019 entdeckte Ölpest vor der brasilia­nischen Küste, die Neu­zulassung hoch­gefährlicher Pestizide in der Land­wirt­schaft sowie den Einsatz giftiger Substanzen im Berg­bau.

Ökologische, soziale und wirt­schaft­liche Interessen in Einklang zu bringen, gehört zu den wichtigsten Aufgaben der deutsch-brasilianischen Zusammen­arbeit für nachhaltige Entwicklung (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen).

Klimaschutz

Als einer der ersten Staaten weltweit hat Brasilien das Pariser Klima­abkommen ratifiziert und sich verpflichtet, seine Treib­haus­gas­emissionen gegen­über 2005 um 37 Prozent bis 2025 und um 43 Prozent bis 2030 zu reduzieren. Zwar hat sich Präsident Bolsonaro mehrfach öffentlich zum Pariser Klima­abkommen und zu den Zielen der Agenda 2030 (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) bekannt. Mittel­kürzungen in den entsprechenden Schutz­bereichen lassen jedoch Zweifel aufkommen, ob die Regierung die Ziel­erreichung tatsächlich ernsthaft anstrebt.