Luftaufnahme des Regenwaldes im Nationalpark Anavilhanas in Manaus, Brasilien

Schwerpunkt Schutz und nachhaltige Nutzung des Tropenwalds Entwaldung stoppen, Einkommen der Bauern sichern

Mit einer Fläche von 4,8 Millionen Quadratkilometer umfassen die brasilianischen Tropenwälder rund zehn Prozent der weltweiten Tropenwaldfläche und mit 2,5 Millionen Tier- und Pflanzenarten machen sie Brasilien zum artenreichsten Land weltweit. Das BMZ unterstützt die brasilianische Regierung auf vielfältige Weise dabei, den Regenwald zu schützen und verantwortungsbewusst zu nutzen. Deutschland kooperiert seit den 90er Jahren mit Brasilien zum Erhalt der Tropenwälder und engagiert sich zum Beispiel beim Schutzgebietsmanagement, bei Bodenrechtsfragen oder bei der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen.

Unter anderem unterstützt das BMZ die Indigenenbehörde Fundação Nacional do Índio (FUNAI) beim Erhalt und beim effektiven Management indigener Schutzgebiete. Etwa zwölf Prozent der brasilianischen Landesfläche sind inzwischen als Territorien der indigenen Bevölkerung ausgewiesen und rechtlich abgesichert.

Darüber hinaus begleitet das BMZ die Einrichtung eines ländlichen Umweltkatasters. Alle Grundbesitzer müssen seit 2014 die Größe der von ihnen bewirtschafteten Ländereien angeben. Sie sind gesetzlich verpflichtet, Schutzflächen zu erhalten beziehungsweise wiederherzustellen.

Das BMZ beteiligt sich am Amazonienfonds der brasilianischen Entwicklungsbank BNDES. Die Auszahlung erfolgt auf Basis nachgewiesener Erfolge beim Schutz des Regenwalds. Die Mittel werden in die Wiederaufforstung und nachhaltige Entwicklung der Amazonasregion reinvestiert. Deutschland ist nach Norwegen der zweitgrößte Finanzier des Fonds.

Unterstützung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft

Da unklare Besitzverhältnisse in Amazonien häufig zu gewalttätigen Landkonflikten führen, fördert das BMZ die Vergabe von Landtiteln. Im Rahmen des nationalen Programms "Terra Legal" sollen 55 Millionen Hektar Staatsland an etwa 160.000 Kleinbauernfamilien übergeben werden. Die Landtitel geben den Menschen die Rechtssicherheit, dass sie ihr Land langfristig bewirtschaften und so ihren Unterhalt sichern können.

Unterstützt wird außerdem Brasiliens Ansatz, durch nachhaltige Nutzung der Ressourcen des Regenwaldes Anreize für dessen Erhalt zu schaffen. Dafür wird in verschiedene Wertschöpfungsketten investiert, die auf Produkten aus der Naturwaldbewirtschaftung beruhen. Kleinbauern und indigenen Gemeinschaften werden neue Vermarktungswege für Produkte aus ökologischem Anbau eröffnet. Außerdem wurde mit deutscher Unterstützung das staatliche Beratungssystem für bäuerliche Kooperativen verbessert.

Brandrodung im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso

Brandrodung im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso

Brandrodung im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso

Hintergrund

Bereits auf dem sogenannten Erdgipfel in Rio de Janeiro im Jahre 1992 hatte die Weltgemeinschaft dazu aufgerufen, die Regenwälder weltweit zu erhalten. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Brasilien wurde hiervon maßgeblich geprägt: Von 1992 bis 2009 stellte das BMZ mehr als 300 Millionen Euro für ein Pilotprogramm der G7 zur Bewahrung der tropischen Regenwälder Brasiliens (PP-G7) bereit. Deutschland war insgesamt der wichtigste Partner Brasiliens in dieser Zeit und beteiligte sich auch als größter Geldgeber am "Rain Forest Trustfund" der Weltbank.

Im Zuge des Pilotprogramms wurden bedeutende Gebiete in Amazonien und im atlantischen Küstenwald unter Schutz gestellt und Indigenengebiete ausgewiesen. Wichtige Methoden zur Überwachung der Schutzgebiete und zur Bekämpfung illegaler Entwaldung wurden fortentwickelt.

Mit dem Amazonienfonds etablierte Brasilien den ersten nationalen Wald- und Klimaschutzfonds der Welt. Im Zeitraum von 2004 bis 2018 sank die jährliche Entwaldungsrate in Amazonien um etwa 72 Prozent.

2002 rief die brasilianische Regierung mit Unterstützung des BMZ eine internationale Allianz ins Leben, um im Amazonasgebiet 60 Millionen Hektar Tropenwald unter effektiven Schutz zu stellen. Dieses Ziel wurde im Jahr 2017 erreicht. Das Schutzgebietsprogramm für Amazonien (Amazon Region Protected Areas, ARPA) ist das weltweit größte Programm zum Erhalt schützenswerter Lebensräume.

Standbild aus dem BMZ-Erklärfilm "Belastet der Sojaanbau unser Klima?"
Video: Belastet der Sojaanbau unser Klima?