Bau einer Hochspannungsleitung bei Shkoder, Albanien

Kernthema „Klima und Energie, Just Transition Klimafreundliche Infrastruktur trifft nachhaltige Mobilität

Albanien zählt zu den europäischen Ländern, die am stärksten von Klimarisiken wie Überschwemmungen und Erdrutschen bedroht sind, während eine veraltete Infrastruktur das Land zusätzlich verwundbar macht. Dürreperioden und Klimaschwankungen gefährden das Energiesystem massiv. Deutsche und europäische Programme fördern deshalb Klimaschutz und eine nachhaltige Infrastruktur, um Albaniens Resilienz zu stärken.

Albanien gehört zu den am stärksten durch Umwelt- und Klimarisiken gefährdeten Ländern in Europa, wobei Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Waldbrände und Erdrutsche fast alle Kommunen betreffen. Gleichzeitig weist das Land deutliche Defizite bei Abfallwirtschaft und Umsetzung von Umweltstandards auf – etwa mangelhafte Deponien, geringe Recyclingquoten und eine Infrastruktur, die dem Wirtschaftswachstum kaum gewachsen ist.

Hinzu kommt eine starke technische und infrastrukturelle Verwundbarkeit: Rund 95 Prozent der albanischen Stromerzeugung beruhen auf Wasserkraft, was das Energiesystem stark von klimatischen Schwankungen abhängig macht. Zudem sind viele Infrastruktursysteme, wie das Transport- oder das Abwassersystem, entlang der Küste oder in Flussdeltas durch Überflutungen, Küstenerosion oder Altlasten bedroht. Ohne gezielte Investitionen können die Klimarisiken Albanien langfristig ökonomisch schaden – in konservativen Szenarien bis zu sieben Prozent des BIP.

Ziele im Sektor

In Albanien zielen die deutschen und europäischen Vorhaben darauf ab, Umwelt- und Klimaschutz (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen), wirtschaftliche Entwicklung und soziale Teilhabe miteinander zu verbinden. Sie fördern den Aufbau moderner und umweltfreundlicher Infrastrukturen – von Abfallwirtschaft und Energieversorgung bis hin zu nachhaltiger Mobilität – und stärken die Fähigkeit des Landes, sich an den Klimawandel (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) anzupassen. Das Engagement trägt auch zur Regionalen Klimapartnerschaft Westbalkan (im Rahmen des Westbalkan Berlin Prozess) bei.

Projektbeispiele

  • Deutschland unterstützt Tirana bei einer nachhaltigen, klimafreundlichen Mobilität: Durch Investitionen in ein elektrisches Schnellbussystem, den Ausbau von Fuß- und Radwegen, die Modernisierung des öffentlichen Nahverkehrs und digitale Lösungen werden Luftschadstoffe und CO₂-Emissionen reduziert und gleichzeitig eine sichere, barrierefreie Mobilität gefördert.

  • Deutschland unterstützt albanische Kommunen beim Aufbau eines umweltfreundlichen und wirtschaftlich tragfähigen Abfallmanagements. Beispielsweise in der Region Vlora: hier werden dafür moderne Entsorgungs- und Kompostieranlagen errichtet, alte Deponien geschlossen und die Bevölkerung für Abfalltrennung sensibilisiert. So verbessert das Programm die Lebensbedingungen vor Ort und bringt Albanien näher an die Umweltstandards der Europäischen Union.

  • Ein Programm zur energieeffizienten Sanierung von Wohnheimen der Universität Tirana verbessert die Energieeffizienz öffentlicher Gebäude. Zugleich stärkt es die soziale Infrastruktur für Studierende und trägt zur nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung des Landes bei.

  • Das Investitionsprogramm „Stromverteilung I“ modernisiert Albaniens Stromnetz, steigert die Versorgungssicherheit und Energieeffizienz und unterstützt den Übergang zu einer klimafreundlichen, emissionsarmen Energieversorgung.

  • Das Projekt zur Klimaanpassung in den Sektoren Landwirtschaft und städtischer Verkehr entwickelt Entscheidungsgrundlagen und Strategien zur besseren Planung von Maßnahmen. Es setzt auf Pilotprojekte in Landwirtschaft und Verkehr und fördert den Austausch von Wissen.

  • Durch das nationale Klimaprogramm stärkt Deutschland gemeinsam mit dem Green Climate Fund, der schweizer Regierung und der albanischen Regierung seine Klimaresilienz. Frühwarnsysteme, Klimainformationsdienste und ökosystembasierte Maßnahmen werden in gefährdeten Regionen installiert, um Gemeinden auf den Umgang mit Klimarisiken vorzubereiten und klimaresiliente Investitionen zu fördern.

  • Mit der Förderung des „Prespa-Ohrid Nature Trust“ stärkt Deutschland den Schutz wertvoller Ökosysteme im Dreiländereck Albanien–Nordmazedonien–Griechenland, indem Verwaltungsstrukturen in Schutzgebieten verbessert und nachhaltige Nutzungsformen von Naturressourcen unterstützt werden.

  • Ein Programm zur Verringerung von Meeresmüll in der Adria fördert Kooperationen zwischen öffentlichen, privaten und zivilgesellschaftlichen Akteuren, um die Verschmutzung des Mittelmeers durch Kunststoffabfälle zu reduzieren.

  • Der Offene Regionalfonds für Südosteuropa stärkt die Region bei der Planung und Umsetzung von Klimaschutz- und Dekarbonisierungsmaßnahmen. Kommunen erhalten Unterstützung bei nachhaltigen Energie- und Klimaplänen im Rahmen des EU-Programms „EU4Energy Transition“.

  • Mit der Integration einer Grünen Agenda für den Westbalkan in hochrangige Dialogformate fördert Deutschland eine sozial-ökologische, gendergerechte Transformation und stärkt regionale Kooperation.

Fortschritte vor Ort

  • Die neue 400-Kilovolt-Übertragungsleitung zwischen Albanien und Nordmazedonien wird künftig erheblich zur CO₂-Reduktion beitragen. Berechnungen zufolge lassen sich durch ihren Betrieb jährlich rund 50.000 Tonnen Emissionen einsparen.

  • Dank der technischen Zusammenarbeit gibt es in Tirana einen verlässlichen Fahrplan für den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) sowie ein enges Netz beschilderter Bushaltestellen. Seit der Einführung dieser Grundstrukturen steigt die Inanspruchnahme des ÖPNV deutlich.

  • Viele Städte profitieren von einem verbesserten Abfallmanagement: Regelmäßige Sammlungen, wohnungsnahe Abgabestellen und Angebote zur Abfalltrennung erleichtern den Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner. Mit deutscher Unterstützung bereiten die Kommunen zudem den Aufbau systematischer Recycling-Strukturen vor.

Stand: 16.06.2023