Berufliche Bildung Flucht und Migraton

Ende 2019 waren weltweit fast 80 Millionen Menschen auf der Flucht vor gewaltsamen Konflikten, politischer, ethnischer oder religiöser Verfolgung oder wirtschaftlicher Not, etwa infolge von extremen Wetterereignissen. Etwa 85 Prozent von ihnen fanden Aufnahme in Entwicklungsländern. 

Aufnahmezentrum der Internationalen Organisation für Migration in Agadez, Niger

Aufnahmezentrum der Internationalen Organisation für Migration in Agadez, Niger

Aufnahmezentrum der Internationalen Organisation für Migration in Agadez, Niger

Ziel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Kontext von Flucht und Migration ist es, durch berufliche Bildung und Qualifizierung

  • den Auswanderungsdruck zu mindern,
  • gleichzeitig eine freiwillige, sichere und geregelte Migration zu fördern sowie 
  • dafür zu sensibilisieren, welche Potenziale die berufliche Bildung und Qualifizierung von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen den nationalen Volkswirtschaften bietet.

Berufliches Know-how ist nicht an einen Ort gebunden. Es ist ein Gut, das bleibt – auf der Flucht und bei Rückkehr in die Heimat. So werden berufliche Fähigkeiten dringend gebraucht, um nach dem Ende eines Konflikts einen Beitrag zum Wiederaufbau des Landes und seiner Volkswirtschaft leisten zu können.

Die Akzeptanz der Bevölkerung in den Aufnahmegesellschaften ist der Schlüssel für die (temporäre) Integration von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen. Doch die Ressourcen in den Bereichen Bildung, berufliche Bildung und Beschäftigung, Gesundheitsversorgung und Wohnraum sind in einigen Aufnahmeländern knapp. Um soziale Spannungen zu mindern – oder besser noch: zu vermeiden – ist eine Einbindung der lokalen Bevölkerung in berufliche Qualifizierungsprogramme unabdingbar. 

Beispiel Berufliche Bildung im Wassersektor in Jordanien

Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien haben die Nachbarländer eine große Zahl an Flüchtlingen aufgenommen. Für diese Länder ist es eine enorme Herausforderung, die zusätzliche Versorgung für Millionen Menschen sicherzustellen. Eine Unterversorgung mit Wasser kann zum Beispiel humanitäre Notlagen erzeugen und zu Seuchen führen. Der Druck auf die ohnehin begrenzten Wasservorkommen wird durch technische Mängel und Schwächen in der Verwaltung zusätzlich erhöht. 

Im Berufsbildungszentrum der Stadt Mafraq in Jordanien werden Frauen zu Klempnerinnen ausgebildet.

Im Berufsbildungszentrum der Stadt Mafraq in Jordanien werden Frauen zu Klempnerinnen ausgebildet.

Im Berufsbildungszentrum der Stadt Mafraq in Jordanien werden Frauen zu Klempnerinnen ausgebildet.

Das BMZ-Vorhaben "Berufliche Aus- und Fortbildung für Jordanier und syrische Flüchtlinge im Wassersektor in Jordanien" fördert Ausbildungsangebote für angelernte und ausgebildete Sanitärfachkräfte. Diese sorgen dann für eine effiziente Wartung und Reparatur von Sanitäranlagen in Haushalten, wodurch Wasserverluste verringert werden. Darüber hinaus wird die jordanische Wasserbehörde beim Aufbau eines umfassenden Weiterbildungsprogramms für technisches Betriebspersonal beraten.

Im Rahmen des Vorgängerprojekts "Water Wise Plumbers" wurden bereits mehr als 200 Klempnerinnen und Klempner ausgebildet und beim Berufseinstieg unterstützt. Neben einer bereits bestehenden Klempnerinnen-Kooperative in der Hauptstadt Amman ist eine zweite im Gouvernorat Irbid aufgebaut worden. Das laufende Projekt unterstützt diese Klempnerinnen auch weiterhin dabei, ihre Beschäftigungs- und Einkommensperspektiven zu verbessern. Zu ihren bisherigen Kunden gehören unter anderem (Mädchen-)Schulen, Universitäten und Privathaushalte.