11. Februar 2026 Rede der Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan anlässlich der Global Gateway Konferenz mit EU-Kommissar Sikela

Es gilt das gesprochene Wort

Sehr geehrter Herr Kommissar Síkela,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschaft, der Verbände und der Kammern,

ich danke Ihnen allen, dass Sie der gemeinsamen Einladung von Außen-, Wirtschafts- und Entwicklungsministerium gefolgt sind.

Dass wir heute gemeinsam auftreten ist ein Signal. Ein Signal in einer Zeit, in der sich die Weltordnung spürbar verändert. Ein Signal, dass Außenwirtschaft, Geopolitik und Entwicklung heute zusammen gedacht werden müssen.

Und es ist ein Signal an Sie, die Unternehmens- und Wirtschaftsvertreter*innen. Denn Sie sind zentrale Akteur*innen, wenn es darum geht, Deutschlands Rolle in der sich verändernden Welt zu festigen und unsere internationalen Partnerschaften zukunftsfest zu gestalten.

Lieber Herr Kommissar Síkela,

ich freue mich besonders, Sie heute in Berlin begrüßen zu dürfen. Es ist Ihr erster Besuch in Deutschland seit Amtsantritt. Dass Sie heute hier sind, zeigt, wie wichtig es ist, dass Deutschland und die Europäische Kommission bei Global Gateway zusammenarbeiten.

Gerade in dieser Zeit. Wo sich die Weltwirtschaft verändert. Wo sich Macht verschiebt. Wo Konflikte zunehmen. Wo Lieferketten zu Sicherheitsfragen geworden sind. Und wo Abhängigkeiten politisch ausgenutzt werden. Gerade jetzt müssen wir als Europäer*innen gemeinsam und entschlossen in unsere internationalen Partnerschaften investieren.

Wir erleben gerade, dass Regeln, auf die sich die Wirtschaft über Jahrzehnte verlassen konnte, international unter Druck geraten. Allianzen werden brüchiger, alte Gewissheiten tragen nicht mehr.

Für Unternehmen heißt das: volatilere Märkte und höhere Risiken.

Deshalb kommt hier unsere Partnerschaft mit dem Globalen Süden ins Spiel. Dort wachsen die Städte. Dort wächst die Bevölkerung. Dort wächst der Energie- und Infrastrukturbedarf. Dort entstehen die Märkte von morgen.

Die Frage ist nicht, ob Sie als Unternehmerinnen und Unternehmer, als deutsche Wirtschaft, dort aktiv sein sollten. Die Frage ist, wie es gelingen kann, langfristige und zukunftsfähige Beziehungen mit dem Globalen Süden (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) aufzubauen. Ganz entscheidend ist dafür, die Länder im Globalen Süden als echte Partner zu sehen.

Die Entwicklungspolitik kann hier Türen öffnen. Sie hat über viele Jahre Vertrauen bei Partnern auf der ganzen Welt aufgebaut. Sie kann Risiken minimieren und Chancen für die Wirtschaft schaffen. Entwicklungspolitik ist damit Teil einer vorausschauenden, einer zukunftsfesten Wirtschaftspolitik.

Deshalb habe ich in meinem Reformkurs für das BMZ die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu einem Schwerpunkt gemacht. Wir bauen auf dem auf, was wirkt, und richten es noch stärker strategisch aus.

Unsere Partnerländer sagen uns sehr klar: Sie wollen wirtschaftliche Zusammenarbeit. Sie wollen Investitionen. Sie wollen Wertschöpfung im eigenen Land.

Und wir wissen zugleich: Wo Partnerländer wirtschaftlich stabiler sind, entstehen auch für deutsche und europäische Unternehmen verlässlichere Märkte und resilientere (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) Lieferketten.Das ist eine Win-Win Situation.

Gerade in Zeiten knapper Ressourcen müssen wir dort investieren, wo beidseitiger Nutzen entsteht. Wo Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit zusammenwirken.

Genau hier setzt Global Gateway an. Global Gateway ist das strategische europäische Investitionsangebot für bessere Verbindungen unserer Partnerländer nach Europa und in die Welt. Es ist ein Angebot für nachhaltiges Wachstum.

Denn Europas Stärke ist die Art, wie wir investieren: mit lokalen Partnern, mit Ausbildung, mit langfristiger Perspektive. Und mit Standards, die Akzeptanz schaffen. Das ist nicht nur verantwortungsvoll, das ist auch ökonomisch klug.

Denn Projekte mit lokaler Verankerung überstehen politische Wechsel. Projekte mit Ausbildung sichern Fachkräfte. Und Projekte mit Akzeptanz vor Ort erhöhen die Chance, dass sie langfristige Wirkung erzielen.

Klar ist dabei: Damit Global Gateway zum Erfolg wird, braucht es ein gutes Zusammenwirken von Politik und Wirtschaft. Deshalb bauen wir die Unterstützung für Sie weiter aus:

Wie Kommissar Jozef Síkela eben ausführte ist der neue Global Gateway Investment Hub die zentrale Anlaufstelle von Global Gateway für die europäischen Privatwirtschaft (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen). Über den Hub werden zuvor auf nationaler Ebene entwickelte Vorhaben zu umfassenden Team Europe-Ansätzen ausgebaut. Das ermöglicht den Zugang zu zusätzlicher Finanzierung und Unterstützung auf europäischer Ebene.

Die deutsche Bundesregierung hat dafür eine nationale Anlaufstelle für deutsche Unternehmen eingerichtet, die im Rahmen von Global Gateway investieren wollen.

Gleichzeitig starten wir heute den Förderlotsen Wachstumsmärkte. Mit dem Förderlotsen schaffen wir für deutsche Unternehmen einen klaren, digitalen Zugang zu Förder- und Finanzierungsangeboten, zu Partnerschaften und Netzwerken. So bauen wir Hürden für Unternehmen ab und unterstützen Ihre Investitionsideen.

Ein starkes Beispiel für unsere europäische Unterstützung für Unternehmen ist GET.pro. Das Programm berät europäische Unternehmen bei Investitionen im Energiesektor, vor allem in Afrika und Lateinamerika. Als Bundesregierung haben wir unseren Beitrag aufgestockt, andere europäische Partner auch. Allein in einem Jahr konnten hunderte Projekte begleitet und Investitionen in Milliardenhöhe vorbereitet werden.

Ein typischer Fall: Ein mittelständisches Unternehmen plant ein Solarprojekt in einem afrikanischen Land. GET.pro hilft bei ihm bei der Marktanalyse, der Partnersuche vor Ort und dem Finden von Finanzierung. Es entstehen lokale Jobs, Know-how vor Ort, und ein tragfähiges Geschäftsmodell.

Ein weiteres Beispiel ist unser Instrument develoPPP. Es unterstützt seit Jahren deutsche und europäische Unternehmen dabei, ihre Investitionen im Globalen Süden auszubauen. Den nächsten Aufruf werden wir gezielt an Global Gateway ausrichten. Projekte, die in die strategischen Sektoren von Global Gateway einzahlen, werden Priorität haben – das heißt: Projekte in den Bereichen Infrastruktur, Digitalisierung (Externer Link), Energie (Externer Link), Transport, Gesundheit (Externer Link) sowie Bildung und Forschung (Externer Link).

Global Gateway ist aber nicht nur ein Wirtschaftsangebot. Es ist auch ein geopolitisches Angebot. Denn Europa steht im globalen Wettbewerb. Andere Länder investieren schneller und mit weniger Auflagen. Oft auch mit geringeren Standards bei Menschenrechten und Umwelt. Und mit klaren Eigeninteressen, so zum Beispiel beim Zugang zu Rohstoffen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen).

Europa verfolgt einen anderen Ansatz.

Ja, auch wir handeln in unserem strategischen Interesse. Aber wir verbinden das mit nachhaltiger Entwicklung, mit Transparenz und mit Partnerschaft auf Augenhöhe.

Unser Weg ist anspruchsvoller, aber er schafft Stabilität und Vertrauen. Und genau das schätzen viele Partnerländer an Europa. Und genau das ist langfristig ein Wettbewerbsvorteil für Europa.

Wer fair investiert, sichert sich loyale Partnerschaften. Und die loyalen Partnerschaften sind langfristig die besseren Geschäfte.

Lieber Herr Kommissar Síkela, vielen Dank für Ihr Engagement.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihnen allen danke ich für Ihren Mut, international zu investieren. Deutschland und Europa brauchen diesen Mut.

Lassen Sie uns gemeinsam anpacken, um unseren Partnern in der Welt die Stärke, Qualität und Verlässlichkeit der europäischen Wirtschaft zu zeigen.

Vielen Dank.