Dialog mit dem globalen Süden Entwicklungsministerin Schulze besucht Afrikanische Union in Addis Abeba

Pressemitteilung vom 26. April 2022 | Addis Abeba – Bundes­ent­wick­lungs­ministerin Svenja Schulze be­sucht heute die Afrikanische Union (AU) in Addis Abeba, Äthiopien. Im Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern der Kommission wird sie sich zu den Aus­wirkungen des Ukraine­kriegs auf die Er­nährungs­sicherheit in Afrika, der Pan­demie­be­kämpfung auf dem afrikanischen Kontinent, dem Auf- und Ausbau der afrikanischen Frei­handels­zone und zu gemeinsamen Bemühungen im Bereich Frieden und Sicherheit austauschen.

Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze: "Auch in Afrika sind die dramatischen Folgen des Angriffskriegs Russlands spürbar und schmerzhaft. Wenn Lebensmittel und Energie teurer werden, verschärft das bestehende Hungerkrisen. Ich möchte der Afrikanischen Union das klare Signal geben, dass Deutschland neben der Unter­stützung für die Ukraine seine Partner im globalen Süden nicht vergisst. Er­näh­rungs­sicher­heit ist ein ge­meinsames Anliegen der Afrikanischen Union und der Bundes­re­gie­rung. Die Nah­rungs­mittel­krise darf nicht zu einer De­sta­bi­li­sierung weiter Regionen Afrikas führen."

Viele afrikanische Staaten sind in hohem Maße auf Ge­trei­de­importe aus der Ukraine und Russland angewiesen. Es drohen Ver­sor­gungs­eng­pässe und massive Preis­stei­ge­rungen, die viele Menschen in Hunger stürzen werden und zu politischer Destabilisierung führen können. In Somalia, Äthiopien und Kenia sind bereits 13 Millionen Menschen von einer Hungersnot bedroht, denn das Horn von Afrika leidet unter der schlimmsten Dürre seit fast vierzig Jahren. Experten sprechen von einer sogenannten "multiplen Krise". In den Vorjahren hatten große Heuschreckenschwärme ganze Landstriche verwüstet. Lokale Konflikte ver­schärfen die Lage und schon während der Pandemie waren die Rücklagen der Menschen häufig aufgebraucht. Sollte nicht bald ausreichend Regen fallen, könnten am Horn von Afrika bis zu 26 Millionen Menschen in eine akute Hungersnot stürzen.

In Addis Abeba wird Ministerin Schulze zudem mit der äthiopischen Regierung zum Tigray-Konflikt sprechen, der zu Hunger und Vertreibung geführt hat und von schweren Menschen­rechts­verletzungen begleitet war. Äthiopien steht auch sonst vor großen Herausforderungen. In den von Dürre betroffenen Landesteilen werden die Folgen des Klimawandels immer stärker sicht- und spürbar.

Schulze: "Äthiopien war ein Hoffnungsträger für einen erfolgreichen wirtschaftlichen und demokratischen Wandel. Leider sehen wir heute, wie Krieg und Gewalt, aber auch die drama­tischen Folgen des Klimawandels, ein Land um Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, zurück­werfen können. Ich werde heute an die äthiopische Regierung appellieren, alles zu unternehmen, damit ausreichend Hilfe die Menschen im Norden Äthiopiens erreicht und eine tragfähige politische Lösung für den Tigray-Konflikt und die Zukunft des Landes verhandelt werden können. Auch erwarte ich, dass die schrecklichen Menschen­rechts­verletzungen in diesem Konflikt schonungslos aufgeklärt werden."

Vor dem Hintergrund des Gewaltkonflikts in der Region Tigray und einer zunehmenden Zahl an Menschen, die von Armut und Hunger bedroht sind, hat das Bundes­entwicklungs­ministerium (BMZ) seine Entwicklungs­zusammen­arbeit in Äthiopien angepasst. Das BMZ fördert vor allem Maßnahmen, die direkt der Ernährungs­sicherung sowie einer menschen­würdigen Beschäftigung in Land­wirtschaft und Textil­industrie dienen, aber auch der großen Zahl an Flüchtlingen und Binnen­vertriebenen im Lande zugute kommen.