Red Hand Day Zugang zu Schulen ist wichtig im Kampf gegen den Ein­satz von Kin­dersol­daten

Pressemitteilung vom 11. Februar 2022 | Berlin – Anlässlich des Internationalen Tags gegen den Einsatz von Kindersoldaten am 12. Februar („Red Hand Day“) hat Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze vor den Folgen von Pandemie und weltweiten Schulschließungen auf den Einsatz von Kindersoldaten gewarnt. Weltweit werden rund 250.000 Mädchen und Jungen von Armeen und bewaffneten Gruppen als Kindersoldaten zu Gewalttaten gezwungen und sehr oft auch sexuell missbraucht.

Entwicklungsministerin Schulze: „Wir wissen, wie sehr schon in Deutschland viele Kinder unter Schulschließungen gelitten haben. In den Krisenländern dieser Welt sind die Folgen noch ungleich dramatischer. Viele Kinder kehren nicht in die Schulen zurück, weil sie als Kindersoldaten missbraucht werden. Schulen sind für viele Kinder weltweit ein Schutzraum. Darum ist der Zugang zu Schulen so wichtig, damit Kinder erst gar nicht rekrutiert werden. Er ist aber auch entscheidend, um ehemaligen Kindersoldaten den Weg zurück in ein normales Leben zu ermöglichen.“

Kin­der spie­len ne­ben Was­ser­tanks in der Flücht­lings­un­ter­kunft 'Has­ans­ham U3' na­he Has­ans­ham im Irak

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) fördert Programme mit verschiedenen Ansätzen, um ehemaligen Kindersoldaten zu helfen, einen Weg in ein normales Leben zu finden und eine Zukunftsperspektive zu gewinnen. Dabei stehen oft Bildungsangebote im Zentrum, denn der Zugang zu Schulen und Bildung ist ein Schlüssel im Kampf gegen die Rekrutierung von Kindern als Soldaten. Er wirkt präventiv, da Bildungseinrichtungen neben der Familie ein wichtiger Schutzraum für Kinder sind, der verhindert, dass Kinder zu Soldaten werden. Bleiben Schulen geschlossen, ist es viel schwerer, Resilienz gegen die Rekrutierung als Kindersoldaten zu erzielen.

Aber auch neue Job- und Einkommenschancen helfen im Kampf gegen den Einsatz von Kindersoldaten. In der Demokratischen Republik Kongo, Liberia und in Sierra Leone unterstützt das BMZ die nationalen Demobilisierungs- und Reintegrationsprogramme. Sie bieten berufliche Grundausbildung, beschäftigungsintensive Infrastrukturmaßnahmen ebenso wie landwirtschaftliche Angebote. So werden früheren Kindersoldaten und anderen ehemaligen Kämpfern sowie Flüchtlingen Wege eröffnet, ins zivile Leben zurückzukehren.

In Liberia, Kamerun, Südsudan und Burundi erhalten ehemalige Kindersoldaten psychosoziale Beratung und lernen, Konflikte gewaltfrei beizulegen. In einigen Projekten steht die Zusammenführung von Kindersoldaten mit ihren Familien im Vordergrund.

Wieder andere Projekte verfolgen einen präventiven Ansatz. In Kamerun etwa wird Radikalisierungsrisiken durch die Terrororganisation Boko Haram und andere Gewaltakteure präventiv entgegengewirkt und so die Anfälligkeit für die Rekrutierung vermindert.

Insgesamt gehört Deutschland zu den wichtigsten Unterstützern von Bildung und Schulen in Krisengebieten. So hat Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze am 24. Januar zusätzliche Mittel in Höhe von 200 Millionen Euro für den bei UNICEF angesiedelten multilateralen Fonds für Bildung in Not- und Krisensituationen „Education Cannot Wait“ (ECW) zugesagt.

Hintergrund zum internationalen Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten (Red Hand Day)

Schülerinnen und Schüler einer Schule in Bangui in der Zentralafrikanischen Republik

Am 12. Februar 2002 trat das „Fakultativprotokoll zum Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte des Kindes in bewaffneten Konflikten“ in Kraft. Seitdem gelten die „roten Hände“ als Zeichen und Symbol des Protestes gegen den Einsatz von Kindern als Soldaten. In dem Protokoll wurde vereinbart, dass Kinder unter 18 Jahren nicht zwangsweise zum Dienst an der Waffe eingezogen werden dürfen. Im sogenannten Rom-Statut des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag ist außerdem die Rekrutierung von unter 15-Jährigen als Kriegsverbrechen festgelegt und kann daher strafrechtlich verfolgt werden.