Drei Fragen an ...
Achim Steiner, Chair der Hamburg Sustainability Conference

Portrait von Achim Steiner

„Ich wünsche mir, dass die Stimmen der ärmsten Länder lauter werden.“

„Ich wünsche mir, dass die Stimmen der ärmsten Länder lauter werden.“

BMZ-Online-Redaktion: Die HSC fand dieses Jahr bereits zum dritten Mal statt. Was ist das Erfolgsrezept der HSC, was kann sie, was andere Formate nicht können, was ist ihr besonderer Vorteil?

Achim Steiner: Die HSC durchbricht bewusst Formate, die in der internationalen Zusammenarbeit zur Routine geworden sind. Wir bringen Regierungen, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft nicht als Zuschauer eines Podiums zusammen, sondern als Akteure, die gemeinsam an konkreten Lösungen arbeiten – jenseits der üblichen Blockbildung zwischen Nord und Süd. Das Format ist bewusst kompakt und arbeitsorientiert: Wir wollen nicht ‚noch eine Konferenz‘ sein, sondern ein Ort, an dem Vertrauen entsteht und daraus konkrete Kooperation wird.

Der besondere Vorteil liegt auch in der Zusammensetzung der ‚Gastgeber‘ selbst: zum einen prägen die vier Initiatoren (Bundesregierung, UNDP, Stadt Hamburg, Michael Otto Stiftung) die DNA der HSC. Außerdem genießt Deutschland vielerorts noch immer Vertrauen als bedeutender und strategischer Partner. Das macht Hamburg zu einem Ort, an dem auch schwierige Gespräche möglich sind.

BMZ-Online-Redaktion: Ein wichtiges Ziel der HSC ist es, neue Allianzen zu schmieden. Was erwarten Sie von den neuen Bündnissen, die dieses Jahr geschlossen wurden?

Achim Steiner: Allianzen sind für uns kein Selbstzweck – der Maßstab ist, ob sie in den kommenden zwölf Monaten spürbare Wirkung entfalten. Mit dem Start der South-North Commission haben wir ein Beispiel, das genau das leisten soll: eine Struktur, in der Länder des Globalen Südens nicht nur konsultiert, sondern als gleichberechtigte Mitgestalter der globalen Nachhaltigkeitsagenda auftreten.

Ich erhoffe mir von diesen Partnerschaften vor allem drei Dinge: dass sie helfen, Finanzierungslücken – etwa bei Klimaanpassung und Resilienz – konkreter zu schließen; dass sie Koalitionen der Umsetzung ermöglichen, die geopolitische Rückschläge überstehen; und dass sie den ärmsten Ländern eine stärkere Stimme in Prozessen verschaffen, die bislang oft über ihre Köpfe hinweg entschieden wurden.

BMZ-Online-Redaktion: Die Welt sieht sich aktuell mit zahlreichen Krisen und Konflikten konfrontiert, die die ärmsten Länder am härtesten treffen. Welche positiven Veränderungen erhoffen Sie sich bis zur nächsten HSC 2027, was glauben Sie, kann sich in einem Jahr zum Besseren wenden?

Achim Steiner: Angesichts der Vielzahl an Krisen wäre es vermessen, auf den einen großen Durchbruch zu hoffen. Aber ich glaube, dass sich etwas Wichtigeres verändern kann: eine Verschiebung der Wahrnehmung und Erzählung, weg von der Lähmung angesichts multipler Krisen, hin zu sichtbaren, auch kleineren Beweisen dafür, dass Kooperation noch funktioniert. Dazu trägt auch das besondere Augenmerk der HSC auf die aktive Teilnahme junger Menschen aus aller Welt bei. Zeigen wir bis 2027, dass die neuen Bündnisse konkrete Projekte in den am stärksten betroffenen Ländern vorangebracht haben, wäre das ein wichtiges Signal.

Ich hoffe zudem, dass die multilaterale Architektur pragmatischer wird und dass Länder auch außerhalb blockierter Verhandlungsrunden zusammenarbeiten. Und ich wünsche mir, dass die Stimmen der ärmsten Länder in den Reformdebatten über die internationale Finanzarchitektur lauter werden.