Trinkwasserspender in einer Schule in Burkina Faso

Menschenrecht Gesundheit Die Gesund­heits­situation in Ent­wick­lungs­ländern

Die gu­te Nach­richt: Seit 1980 ist die Le­bens­­er­war­tung der Men­schen welt­­weit von 63 auf rund 72 Jah­re an­ge­stie­gen (ak­tu­el­le Le­bens­erwartung in Deutsch­land: rund 81 Jah­re). 

Die Mütter­sterblich­keits­rate sank zwischen 1990 und 2015 um 43 Prozent, die Sterb­lich­keits­rate von Kindern unter fünf Jahren konnte welt­weit um deutlich mehr als die Hälfte reduziert werden. Die Zahl der HIV-Neu­infektionen ist von 2000 bis 2018 um etwa 40 Prozent gefallen.

In den vergangenen 20 Jahren hat sich die medi­zi­ni­sche Grund­versorgung in einem Groß­teil der Welt verbessert. Allein durch die Unter­stützung der deutschen Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit haben zwischen 2010 und 2015 weltweit mehr als 300 Millionen Menschen von einer besseren Gesund­heits­versorgung profitiert. Auch haben inzwischen deutlich mehr Menschen Möglich­keiten, sich für den Krank­heits­fall abzusichern.


Mütter mit ihren Kindern im Wartezimmer einer Gesundheitsstation in Goma (Demokratische Republik Kongo)

Mütter mit ihren Kindern im Wartezimmer einer Gesundheitsstation in Goma (Demokratische Republik Kongo)

Mütter mit ihren Kindern im Wartezimmer einer Gesundheitsstation in Goma (Demokratische Republik Kongo)

Heraus­forderungen

Labor zur Untersuchung von hochinfektiösen Proben zur Diagnostik von Ebola, Malaria, Dengue und anderen Tropenkrankheiten an der Universität von Accra in Ghana

Die schlechte Nachricht: Trotz dieser Fort­schritte haben rund eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu einer an­ge­messenen und bezahl­baren Gesund­heits­ver­sor­gung. Das betrifft vor allem arme und be­nach­tei­ligte Be­völ­ke­rungs­gruppen. Besonders gefährdet ist die Gesund­heit von Frauen und Kindern. In den afrika­nischen Staaten südlich der Sahara liegt die Lebens­erwartung mit 60 Jahren deutlich unter dem welt­weiten Durch­schnitt.

Krankheiten wie Tuber­ku­lose oder Malaria sind in Ent­wick­lungs­ländern noch immer weit verbreitet und kosten dort jedes Jahr mehr als zwei Millionen Menschen das Leben. Welt­weit waren 2018 etwa 37,9 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert, mehr als 25 Millionen davon in Sub­sahara-Afrika. Auch Infek­tionen, die durch Para­siten hervor­gerufen werden, wie die Wurm­krank­heiten Schisto­so­mia­sis und die Fluss­blind­heit (Oncho­zerkose), stellen weiterhin ein großes Gesund­heits­risiko für Kinder und Erwachsene dar.

Krankheits­ursachen in Ent­wick­lungs­ländern

Provisorische Krankenstation in einem Flüchtlingslager in der Zentralafrikanischen Republik

Provisorische Krankenstation in einem Flüchtlingslager in der Zentralafrikanischen Republik

Provisorische Krankenstation in einem Flüchtlingslager in der Zentralafrikanischen Republik

Eine der häufigsten Krank­heits­ursachen ist Armut. Sie gilt als mit­verant­wort­lich für einen großen Teil aller Todes­fälle. Armut verhindert, dass Kranke medi­zinisch versorgt werden. Oft führt sie zu Hunger oder falscher Ernährung. Und auch wer sich kein sauberes Trink­wasser und keine Toilette leisten kann, wird häufiger krank und lang­samer gesund.

Faktoren wie Arbeits­losig­keit, mangelnde Schul­bildung und fehlende Möglich­keiten der Familien­planung können den Gesund­heits­zustand eben­falls negativ beeinflussen.

Arme Menschen haben oft keine Möglich­keit, eine Kranken­ver­siche­rung abzuschließen oder sich ander­weitig sozial abzusichern. Nach Angaben der Welt­gesund­heits­orga­ni­sa­tion (WHO) und der Welt­bank fallen jährlich etwa 100 Millionen Menschen unter die Armuts­grenze, weil die Kosten für medizinisch notwendige Leistungen sie ruinieren.

Viele Arme erleiden zudem eine soziale Ent­wurze­lung. Mögliche Folge­erscheinungen wie Prostitution, Gewalt, Krimi­na­li­tät und Drogen­konsum sind mit einem sehr großen gesund­heit­lichen Risiko verbunden. Weitere Risiko­faktoren für die Gesund­heit sind bewaffnete Konflikte und Natur­katastrophen. Auch ihnen sind Arme besonders schutz­los ausgeliefert.

Mangel­hafte Ge­sund­heits­systeme

Infusion in einer Gesundheitseinrichtung für unterernährte Kinder in N`Djamena, Tschad
Infusion in einer Gesundheitseinrichtung für unterernährte Kinder in N`Djamena, Tschad

In vielen Staaten steht zu wenig Geld für die Gesund­heits­systeme zur Verfügung und die flächen­deckende Grund­ver­sor­gung für alle Schichten der Bevöl­ke­rung ist nicht möglich. Zudem sind die Gesund­heits­einrich­tungen häufig regional un­gleich­mäßig verteilt: Wichtige medi­zi­nische Dienst­leistungen, ob staat­liche oder private, sind haupt­säch­lich in den Städten verfügbar und kommen auch dort haupt­säch­lich der wohl­habenden Schicht zugute.

Die schwachen Gesund­heits­systeme sind über­dies nicht auf die zunehmende Zahl der nicht über­trag­baren Krankheiten vorbereitet. Dazu zählen zum Beispiel Herz­kreis­lauf­erkrankungen, Krebs, Diabetes und auch psychische Erkrankungen.

Auch wenn der politische Wille zu Um­struk­tu­rie­rungen vorhanden ist: Den meisten Ent­wick­lungs­ländern fehlt es sowohl an finan­ziellen Mitteln als auch an Personal, um ein funk­tio­nie­rendes und flächen­deckendes Gesund­heits­system aufzubauen. Allein in Afrika fehlen aktuell rund drei Millionen Gesund­heits­fach­kräfte.