Blick durch ein Ein­schuss­loch in einem Hotelfenster. Im Hintergrund ist der nörd­li­che Teil von Mo­ga­di­schu, der Hauptstadt von So­ma­lia,  zu sehen, wo Trup­pen der Afri­ka­ni­schen Uni­on ge­gen die Al-Shabab-Mi­liz ge­kämpft ha­ben.

Hintergrund Definition von fragiler Staatlichkeit

In­ter­na­tio­nal gibt es kei­ne ein­heit­li­che De­fi­ni­ti­on für fra­gi­le Staat­lich­keit. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren wur­den je­doch in ver­schie­de­nen Do­ku­men­ten, Ar­beits­grup­pen, Netz­wer­ken, in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen und Kon­fe­ren­zen In­di­ka­to­ren fest­ge­legt, die auf fra­gi­le Staat­lich­keit hin­wei­sen. Und es wur­den Prin­zi­pi­en für das in­ter­na­tio­na­le En­ga­ge­ment in fra­gi­len Staa­ten auf­ge­stellt.

Ge­ne­rell gel­ten je­ne Staa­ten als fra­gil (zer­brech­lich), in de­nen die Re­gie­rung nicht wil­lens oder in der La­ge ist, staat­li­che Grund­funk­tio­nen im Be­reich Si­cher­heit, Rechts­staat­lich­keit und so­zia­le Grund­ver­sor­gung zu er­fül­len. Staat­li­che In­sti­tu­tio­nen in fra­gi­len Staa­ten sind sehr schwach oder vom Zer­fall be­droht; die Be­völ­ke­rung lei­det un­ter gro­ßer Ar­mut, Ge­walt, Kor­rup­ti­on und po­li­ti­scher Will­kür.

Dar­über hin­aus bil­den fra­gi­le und von Kon­flik­ten be­trof­fe­ne Staa­ten auch ein re­gio­na­les und in­ter­na­tio­na­les Si­cher­heits­ri­si­ko. Wenn staat­li­che Struk­tu­ren nicht mehr funk­tio­nie­ren, ent­ste­hen rechts­freie Räu­me, die von Ban­den der or­ga­ni­sier­ten Kri­mi­na­li­tät und ter­ro­ris­ti­schen Netz­wer­ken ge­nutzt wer­den.

Da es kei­ne in­ter­na­tio­nal ein­heit­li­che De­fi­ni­ti­on gibt, exis­tiert auch kei­ne welt­weit an­er­kann­te Lis­te der fra­gi­len Staa­ten. Fra­gi­li­tät kann auf Ba­sis un­ter­schied­li­cher Merk­ma­le er­fasst wer­den.

Jährliche Bewertung des BMZ zur Krisenfrühwarnung

Seit 2001 be­stimmt das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (BMZ) die Län­der­grup­pe der fra­gi­len, von Kon­flikt und Ge­walt be­trof­fe­nen Län­der im Rah­men ei­ner jähr­li­chen Be­wer­tung zur Kri­sen­früh­war­nung.

Da­für wer­den in al­len Ko­ope­ra­ti­ons­län­dern und aus­ge­wähl­ten wei­te­ren Staa­ten struk­tu­rel­le Kon­flikt­fak­to­ren, kon­flikt­ver­schär­fen­de Pro­zes­se und vor­han­de­ne Stra­te­gi­en der Kon­flikt­be­ar­bei­tung ana­ly­siert. Im Er­geb­nis wer­den die Län­der in drei Ka­te­go­ri­en ein­ge­teilt: ge­rin­ges, er­höh­tes oder aku­tes Es­ka­la­ti­ons­po­ten­zi­al. Ziel die­ses Be­wer­tungs­ver­fah­ren ist es, län­ger­fris­ti­ge Trends auf­zu­zei­gen und früh­zei­tig je­ne Län­der zu iden­ti­fi­zie­ren, in de­nen Be­darf für Kri­sen­prä­ven­ti­on be­steht.

Familien fliehen aus der syrischen Provinz Idlib.

Familien fliehen aus der syrischen Provinz Idlib.

Familien fliehen aus der syrischen Provinz Idlib.

Coun­try Pol­icy and In­sti­tu­tional As­sess­ment (CPIA) der Weltbank

Al­le Emp­fän­ger­län­der von Welt­bank-Kre­di­ten wer­den durch das Coun­try Pol­icy and In­sti­tu­tional As­sess­ment (Externer Link) (CPIA) be­wer­tet. Es be­ur­teilt das Re­gie­rungs­han­deln und die Ef­fi­zi­enz po­li­ti­scher In­sti­tu­tio­nen ei­nes Lan­des. Zu den In­di­ka­to­ren des CPIA zäh­len: Wirt­schafts­po­li­tik, Struk­tur­po­li­tik, So­zi­al­po­li­tik so­wie Trans­pa­renz und Ma­nage­ment der öf­fent­li­chen Ver­wal­tung. Al­le Nied­ri­gein­kom­mens­län­der, die auf die­sem In­dex ei­nen Wert von 3,2 und nied­ri­ger er­rei­chen, zäh­len nach De­fi­ni­ti­on der Welt­bank zu den fra­gi­len Staa­ten.

Die Staa­ten­ge­mein­schaft darf die­se Län­der – trotz der schlech­ten Re­gie­rungs­füh­rung – nicht von jeg­li­cher Zu­sam­men­ar­beit aus­schlie­ßen, son­dern muss be­hut­sam auf ei­ne Ver­bes­se­rung der La­ge hin­wir­ken. Da­bei spielt die Ent­wick­lungs­po­li­tik ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Im po­li­ti­schen Dia­log und bei der Aus­ge­stal­tung der Zu­sam­men­ar­beit steht sie je­doch vor der gro­ßen Her­aus­for­de­rung, im Land ak­tiv zu wer­den, oh­ne die schlech­te Re­gie­rungs­füh­rung durch Ko­ope­ra­ti­ons­maß­nah­men zu le­gi­ti­mie­ren und zu ver­fes­ti­gen.

Fragile States Index

Der Fragile States Index 2019 (Externer Link) des Forschungsinstituts Fund for Peace bewertet die Lage in 31 von 178 Ländern als alarmierend instabil. Die meisten fragilen Staaten befinden sich auf dem afrikanischen Kontinent. Als besonders dramatisch wird die Situation in der Demokratischen Republik Kongo, in Syrien, im Südsudan, in Somalia und im Jemen beurteilt.