Zentrale der Deutschen Bank, Frankfurt am Main

Innovative Finanzierungsinstrumente Besteuerung von internationalen Finanztransaktionen

An ei­nem nor­ma­len Handels­tag wer­den welt­weit Finanz­trans­aktionen in Hö­he von über 13.000 Mil­liarden US-Dol­lar ge­tä­tigt. Nur ein klei­ner Teil da­von dient da­zu, real­wirt­schaft­liche Ge­schäf­te wie Dienst­leis­tun­gen und Handels­güter zu finan­zieren. Der über­wie­gende Teil der Trans­aktionen ent­fällt auf rei­ne Han­dels­geschäfte.
 

Ein Bei­spiel: Wenn der Wechsel­kurs ei­ner Wäh­rung sich an wich­tigen Börsen­plätzen der Welt für Bruch­teile von Se­kun­den auch nur im Pro­mil­le-Be­reich un­ter­schei­det, tra­gen Devisen­händler durch schnel­le Trans­aktionen gro­ßer Vo­lu­men zu ei­ner Preis­an­glei­chung bei. Gleich­zeitig er­höht sich die Li­qui­dität und ver­bes­sert so­mit die Preis­findung. Fol­ge: Das Vo­lu­men der Devi­sen­geschäfte ist fast 70 Mal grö­ßer als das Vo­lu­men des ge­sam­ten Welt­handels mit Gü­tern und Dienst­leis­tun­gen.

Ins­ge­samt hat da­mit der in­ter­na­ti­o­nale Finanz­markt mit am stärks­ten von der Glo­ba­li­sie­rung pro­fi­tiert. Seit es 2007 zu ei­ner welt­weiten Fi­nanz- und Wirt­schafts­krise ge­kom­men ist, wird in Regie­rungs­kreisen wie­der ver­stärkt dar­über dis­ku­tiert, ob und wie in­ter­na­ti­o­nale Finanz­akteure an der mit der Glo­ba­li­sie­rung der Märk­te ein­her­gehenden Risiko­abwehr und den Kos­ten ein­tre­tender Kri­sen be­tei­ligt wer­den sol­len. Ein Instru­ment wä­re die Besteu­erung von Finanz­trans­aktionen als Regu­lie­rungs­instru­ment bezie­hungs­weise Ein­nahme­quelle, um die Finanz­wirt­schaft auch an den Risiko­kosten von Kri­sen zu be­tei­li­gen.

Die Idee ist nicht neu: Der bri­ti­sche Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler und Po­li­ti­ker John May­nard Keynes brach­te sie 1936 zum ers­ten Mal ins Ge­spräch. Po­pu­lär ge­macht hat sie An­fang der 1970er Jah­re der ame­ri­ka­ni­sche Öko­nom und No­bel­preis­trä­ger Ja­mes To­bin. Er schlug vor, mit ei­ner Ab­ga­be auf in­ter­na­tio­na­le De­vi­sen­ge­schäf­te den Wech­sel­kurs­schwan­kun­gen auf den in­ter­na­tio­na­len Fi­nanz­märk­ten zu be­geg­nen. Ne­ben zu­sätz­li­chen Steu­er­ein­nah­men soll­te da­mit die Sou­ve­rä­ni­tät der Na­tio­nal­staa­ten in ih­rer Geld­po­li­tik ge­stärkt wer­den.

Die Be­für­wor­ter ei­ner Finanz­trans­aktions­steuer ge­hen über die Idee von To­bin hin­aus und wol­len al­le Finanz­trans­aktionen, al­so nicht nur Devisen­geschäfte, be­steu­ern. Ei­ne sol­che Steu­er kann den Ef­fekt ha­ben, kurz­fristigen Han­del mit Finanz­produkten zu ver­teu­ern und da­mit ein­zu­dämmen. Lang­fristige An­lage­investi­tionen wer­den durch die Steu­er we­ni­ger stark be­ein­träch­tigt.

Mit­glie­der der Lea­ding Group on In­no­va­ti­ve Fi­nan­cing for De­ve­lop­ment (Externer Link) for­dern, ei­ne zweck­ge­bun­de­ne Ver­wen­dung der Ein­nah­men aus ei­ner sol­chen Steu­er für die Ent­wick­lungs­po­li­tik.

Ver­hand­lun­gen über ei­ne EU-wei­te Fi­nanz­trans­ak­ti­ons­steu­er

Seit 2011 wird über die Ein­füh­rung ei­ner EU-wei­ten Fi­nanz­trans­ak­ti­ons­steu­er ver­han­delt. Die Plä­ne kom­men je­doch seit Jah­ren nicht vor­an. In ei­ner EU-wei­ten Form schei­ter­ten sie 2013 am Wi­der­stand Großbri­tan­ni­ens und Schwe­dens.

Nach ei­nem ge­mein­sa­men An­trag von Deutsch­land und Frank­reich er­klär­ten sich in der Fol­ge neun wei­te­re EU-Mit­glieds­staa­ten be­reit, ei­ne Fi­nanz­trans­ak­ti­onsteu­er im Rah­men der "Ver­stärk­ten Zu­sam­men­ar­beit" ein­zu­füh­ren. Zu­letzt be­stand die Grup­pe noch aus zehn Län­dern (Bel­gi­en, Deutsch­land, Frank­reich, Grie­chen­land, Ita­li­en, Ös­ter­reich, Por­tu­gal, die Slo­wa­kei, Slo­we­ni­en und Spa­ni­en), die sich je­doch bis heu­te nicht ab­schlie­ßend ei­ni­gen konn­ten.

Im Ja­nu­ar 2019 un­ter­nah­men Deutsch­land und Frank­reich ei­nen neu­en Vor­stoß und schlu­gen vor, ei­ne Fi­nanz­trans­ak­ti­ons­steu­er mit ei­nem Steu­er­satz von 0,2 Pro­zent beim Kauf von Wert­pa­pie­ren ein­zu­füh­ren und die­se auf Ak­ti­en gro­ßer Un­ter­neh­men mit ei­nem Markt­wert von mehr als ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro zu be­schrän­ken.

Ei­ne ak­tu­el­le Stu­die des In­sti­tuts für Welt­wirt­schaft in Kiel (Externer Link), die vom Bun­des­ent­wick­lungs­mi­nis­te­ri­um be­auf­tragt wur­de, kommt zu dem Er­geb­nis, dass die Ein­füh­rung ei­ner sol­chen Steu­er aus öko­no­mi­scher Sicht be­für­wor­tet wer­den kann.

Die Au­to­ren se­hen al­ler­dings die Be­schrän­kung auf bör­sen­no­tier­te Ak­ti­en als grö­ß­te Schwä­che des Vor­schlags an. Die bei Fi­nanz­trans­ak­tio­nen do­mi­nie­ren­den De­ri­va­te wür­den eben­so wie der au­ßer­börs­li­che Han­del aus­ge­nom­men, der klas­si­sche Ak­ti­en­han­del wür­de dis­kri­mi­niert und auf ei­nen gro­ßen Teil der po­ten­zi­el­len Steu­er­ein­nah­men wür­de ver­zich­tet.

Die bes­te Lö­sung be­steht nach Auf­fas­sung der Au­to­ren dar­in, die Steu­er von An­fang an auch auf De­ri­va­te und An­lei­hen zu er­he­ben so­wie den au­ßer­börs­li­chen Han­del und dar­über hin­aus mit­tel­fris­tig den Hoch­fre­quenz­han­del ein­zu­be­zie­hen.