Bun­des­ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler und Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil wäh­rend der Pres­se­kon­fe­renz zum Na­tio­na­len Ak­ti­ons­plan Wirt­schaft und Men­schen­rech­te am 14. Ju­li 2020 in Ber­lin

Wirtschaft und Menschenrechte Bundesminister Heil und Müller: "Jetzt greift der Koalitionsvertrag für ein Lieferketten-Gesetz. Ziel ist ein Abschluss noch in dieser Legislaturperiode"

Gemeinsame Pressemitteilung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales

14. Juli 2020 | Heu­te wur­den dem In­ter­mi­nis­te­ri­el­len Aus­schuss der Bun­des­re­gie­rung die Er­geb­nis­se zur Um­set­zung des Na­tio­na­len Ak­ti­ons­plans Wirt­schaft und Men­schen­rech­te vor­ge­stellt. 7.300 grö­ße­re deut­sche Un­ter­neh­men mit mehr als 500 Mit­ar­bei­ten­den müs­sen zei­gen, wie sie Men­schen­rech­te und so­zia­le Min­dest­stan­dards in ih­ren Wert­schöp­fungs­ket­ten si­cher­stel­len. Von den rund 2.250 in der zwei­ten Fra­ge­run­de be­frag­ten Un­ter­neh­men ha­ben nur 455 Un­ter­neh­men gül­ti­ge Ant­wor­ten zu­rück­ge­mel­det. Das Er­geb­nis zeigt, dass deut­lich we­ni­ger als 50 Pro­zent ih­rer un­ter­neh­me­ri­schen Sorg­falts­pflicht nach­kom­men. Die Grup­pe der "Er­fül­ler" hat sich im Ver­gleich zur Un­ter­neh­mens­be­fra­gung 2019 in ih­rer Grö­ßen­ord­nung nicht ma­ß­geb­lich ver­än­dert. Da­mit wird die nö­ti­ge Quo­te zur Er­fül­lung klar ver­fehlt.

Die Bun­des­mi­nis­ter Dr. Gerd Mül­ler und Hu­ber­tus Heil er­klär­ten da­zu:

Bun­des­ent­wick­lungs­mi­nis­ter Dr. Gerd Mül­ler: "Die Er­geb­nis­se der zwei­ten Un­ter­neh­mens­be­fra­gung sind er­neut ent­täu­schend. Zur Ver­wirk­li­chung von Men­schen­rechts­stan­dards, die ent­lang der Lie­fer­ket­ten Kin­der­ar­beit aus­schlie­ßen und grund­le­gen­de öko­lo­gi­sche und so­zia­le Min­dest­stan­dards si­chern, brau­chen wir jetzt ei­nen ge­setz­li­chen Rah­men, so wie im Ko­ali­ti­ons­ver­trag fest­ge­legt. Die Wirt­schaft ist ein­ge­la­den, sich of­fen und kon­struk­tiv in den Pro­zess ein­zu­brin­gen. Fai­rer Han­del in glo­ba­len Lie­fer­ket­ten ist der wich­tigs­te Schlüs­sel für Ent­wick­lung, die Schaf­fung von Ar­beits­plät­zen und den Schutz der Um­welt in den Ent­wick­lungs­län­dern. Die Aus­beu­tung von Mensch und Na­tur so­wie Kin­der­ar­beit darf nicht zur Grund­la­ge ei­ner glo­ba­len Wirt­schaft und un­se­res Wohl­stan­des wer­den. Das wä­re ein Bu­me­rang, der auf uns zu­rück­schlägt. Un­ser öko-so­zia­les Wirt­schafts­mo­dell kann Vor­bild für ei­ne glo­ba­le Wirt­schaft sein."

Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil: "An der Ver­ant­wor­tung für Men­schen­rech­te führt kein Weg vor­bei. Dass Frei­wil­lig­keit nicht aus­reicht, zei­gen die Er­geb­nis­se un­se­rer Um­fra­ge. Wir brau­chen ein na­tio­na­les Ge­setz, um auch für fai­ren Wett­be­werb zu sor­gen. Das Lie­fer­ket­ten­ge­setz wird nur ver­lan­gen, was mach­bar und ver­hält­nis­mä­ßig ist. Und es schafft Rechts- und Hand­lungs­si­cher­heit für die Un­ter­neh­men."

Zur Un­ter­neh­mens­be­fra­gung im Rah­men des Na­tio­na­len Ak­ti­ons­plans Wirt­schaft und Men­schen­rech­te (NAP):

Im De­zem­ber 2016 hat die Bun­des­re­gie­rung den Na­tio­na­len Ak­ti­ons­plan Wirt­schaft und Men­schen­rech­te ver­ab­schie­det. Die­ser setzt die Leit­prin­zi­pi­en der Ver­ein­ten Na­tio­nen für Wirt­schaft und Men­schen­rech­te in Deutsch­land um. Die Bun­des­re­gie­rung hat zu­nächst auf das frei­wil­li­ge En­ga­ge­ment der Un­ter­neh­men ge­setzt, zu­gleich aber des­sen Er­folg eva­lu­iert.

In der ers­ten Run­de des Mo­ni­to­rings ha­ben – nach zwei­ma­li­ger Ver­län­ge­rung und Aus­wei­tung der Stich­pro­be – nur 465 von 3.300 an­ge­schrie­be­nen Un­ter­neh­men den Fra­ge­bo­gen aus­ge­füllt. Da­von ha­ben nur rund 18 Pro­zent die Vor­ga­ben er­füllt.

Die zwei­te Be­fra­gungs­run­de be­stä­tigt nun die­se Er­geb­nis­se. Des­we­gen greift jetzt der Ko­ali­ti­ons­ver­trag. Dort hei­ßt es: "Falls die wirk­sa­me und um­fas­sen­de Über­prü­fung des NAP 2020 zu dem Er­geb­nis kommt, dass die frei­wil­li­ge Selbst­ver­pflich­tung der Un­ter­neh­men nicht aus­reicht, wer­den wir na­tio­nal ge­setz­lich tä­tig und uns für ei­ne EU-wei­te Re­ge­lung ein­set­zen."

Ei­ne ge­setz­li­che Re­ge­lung er­hält brei­te Un­ter­stüt­zung aus Wirt­schaft und Zi­vil­ge­sell­schaft:

  • Mehr als 60 re­nom­mier­te Un­ter­neh­men for­dern ein Lie­fer­ket­ten-Ge­setz, un­ter an­de­rem Tchi­bo, RE­WE, Nest­lé, Al­fred Rit­ter (Rit­ter Sport).
  • Über 100 zi­vil­ge­sell­schaft­li­che Or­ga­ni­sa­tio­nen se­hen ein Ge­setz für er­for­der­lich.
  • 200.000 Bür­ge­rin­nen und Bür­ger for­dern in ei­ner Pe­ti­ti­on ein Lie­fer­ket­ten-Ge­setz für Deutsch­land.
  • Der Rat für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung emp­fiehlt der Bun­des­re­gie­rung ei­ne Vor­rei­ter­rol­le Deutsch­lands bei der eu­ro­päi­schen Ge­setz­ge­bung ein­zu­neh­men: Sie soll­te da­zu Eck­punk­te für ei­ne Lie­fer­ket­ten­ge­setz­ge­bung in Deutsch­land ver­ab­schie­den.

Die Bun­des­re­gie­rung setzt sich zu­dem im Rah­men der EU-Rats­prä­si­dent­schaft für ei­nen EU-Ak­ti­ons­plan zur Stär­kung der Un­ter­neh­mens­ver­ant­wor­tung in glo­ba­len Lie­fer­ket­ten ein, der men­schen­recht­li­che, so­zia­le und öko­lo­gi­sche Stan­dards und Trans­pa­renz för­dert und den Er­fah­run­gen der CO­VID-19-Pan­de­mie Rech­nung trägt.

Die EU-Kom­mis­si­on plant dar­über hin­aus ei­ne Ge­set­zes­in­itia­ti­ve für 2021. Ein na­tio­na­les Um­set­zungs­ge­setz wird Deutsch­land dann in je­dem Fall brau­chen.