Pressemitteilung Alabali Radovan verleiht BMZ-Engagementpreis
Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan: „Die heutigen Preisträgerinnen und Preisträger verdienen Anerkennung für ihr Engagement für internationale Solidarität und Zusammenarbeit – gerade in Zeiten von zunehmendem Nationalismus, Abschottung und einem lauter werdenden “Wir zuerst„. Eine starke Zivilgesellschaft und die zahlreichen engagierten Menschen sind unverzichtbar, weil sie sich einmischen, unterschiedliche Perspektiven einbringen, Ideen entwickeln, Beziehungen und Vertrauen aufbauen – zwischen Menschen weltweit, zwischen Deutschland und dem Globalen Süden. Mit dem BMZ-Engagementpreis möchte ich herausragendes Engagement würdigen und zugleich allen engagierten Menschen in Deutschland danken, die sich für Frieden und Gerechtigkeit weltweit einsetzen.“
Die Preisträger*innen des BMZ-Engagementpreises 2026:
Gloria Niiquaye aus Köln verbindet mit ihrem Fintech Start-up COMESO technologische Innovation mit sozialem Engagement und schafft eine innovative und wirkungsvolle Lösung für ein globales Entwicklungsproblem: den fehlenden Zugang zu bezahlbarer Gesundheitsversorgung. Angehörige im Ausland oder vor Ort können über COMESO Geld direkt an registrierte Krankenhäuser und Kliniken für medizinische Behandlungen ihrer Familienmitglieder überweisen. Die digitale Zahlungs-Infrastruktur von COMESO sorgt dafür, dass Gelder transparent, sicher und in voller Höhe für die Gesundheitsversorgung ankommen. So stärkt COMESO insbesondere in Ghana und Nigeria nicht nur den Zugang von Patienten und Patientinnen zu medizinischer Versorgung, sondern auch lokale Gesundheitssysteme, indem medizinische Einrichtungen zuverlässig bezahlt werden und so finanzielle Sicherheit erhalten. COMESO hat Sitze in Deutschland, Ghana und Nigeria. Als junge Gründerin mit internationalem Hintergrund zeigt Gloria Niiquaye beispielhaft, wie unternehmerisches Handeln, Diaspora-Engagement und digitale Innovation gemeinsam zur nachhaltigen Entwicklung beitragen können.
Batya Blankers aus Berlin ist Gründerin und CEO von CHANCEN International, einer in Deutschland gegründeten gemeinnützigen Organisation. Sie entwickelte 2016 ein innovatives Modell zur Bildungsfinanzierung, sogenannte Income Share Agreements. Dieses Modell wird mittlerweile in vier Ländern Subsahara-Afrikas implementiert und bietet benachteiligten Menschen und marginalisierten Gruppen Zugang zu Hochschulbildung. Weltweit stellte Batya Blankers ihr Konzept vor und konnte so Investitionen und Spenden für ihre Initiative einwerben. Über 100 lokale Mitarbeitende setzen mittlerweile die Programme in Ruanda, Kenia, Südafrika und Ghana um. Bis heute haben bereits mehr als 10.000 Studierende von ihrem Modell profitiert. CHANCEN International hat Sitze in Berlin und Kigali in Ruanda.
Julius Latzel aus Düsseldorf, gerade einmal 18 Jahre alt, engagiert sich vielseitig entwicklungspolitisch und kirchlich. In der Kindernothilfe, einem der größten christlichen Hilfswerke in Deutschland, hat er maßgeblich am Aufbau des im vergangenen Jahr gegründeten Jugendrates der Kindernothilfe teilgehabt, in dem engagierte Jugendliche ihre Perspektive zu Themen wie globaler Gerechtigkeit, Krisen und den Folgen des Klimawandels in die Arbeit des Hilfswerks einbringen. Im KinderZukunftsFonds des Hilfswerks berät Julius Latzel außerdem im zugehörigen Jugendrat konkret mit über die Kriterien, die Unternehmen für Investitionen durch den Fonds erfüllen müssen. Julius Latzel zeigt, wie junge Menschen gesellschaftliche Veränderungen aktiv mitgestalten und kritisch hinterfragen können.
Shakil Syed aus Nürnberg engagiert sich seit mehr als 20 Jahren für den Bau und Unterhalt von Grundschulen und Gemeinschaftseinrichtungen in infrastrukturschwachen Regionen Bangladeschs. Zu diesem Zweck hat er den Verein „Asha - Hoffnung für Bangladesch“ gegründet und auch ein Kochbuch mit bengalischen Rezepten geschrieben, dessen Erlös für die Arbeit des Vereins genutzt wird. Mit seinem Engagement zeigt Shakil Syed Menschen in Deutschland die Lebensrealität in Bangladesch und baut Brücken zum Verständnis der entwicklungspolitischen Herausforderungen.
Dr. Karin Mlodoch aus Berlin ist seit über 30 Jahren im Irak engagiert, insbesondere in den kurdischen Gebieten Sulemaniya und Garmian. Sie ist Gründungsmitglied der lokalen Organisation HAUKARI e.V. Im Rahmen ihrer Tätigkeit unterstützt sie Frauen und junge Menschen zugunsten von Gendergerechtigkeit und einer gleichberechtigten, engagierten kurdischen Zivilgesellschaft. Zentral in ihrem Engagement ist Menschen vor Ort zu ermächtigen und ihnen zu ermöglichen, selbst zu Gestaltenden der lokalen Gesellschaft zu werden. HAUKARI e.V. hat Sitze in Berlin und Frankfurt am Main.
Nataliia Fiebrig aus Berlin unterstützt mit ihrer NGO Ukraine2Power Gemeinden in der Ukraine beim Wiederaufbau ihrer Energieinfrastruktur. Im Winter 2025/2026 waren nach massiven Angriffen Russlands Teile der Ukraine vollständig von der Energieversorgung abgeschnitten. Nataliia Fiebrig gelang es, in kurzer Zeit große Summen privater Spenden zu mobilisieren und damit direkt vor Ort schnell und unkompliziert Nothilfe zu leisten. Besonders über Social Media hat Natalija Fiebrig tausende deutsche Kleinspender mobilisiert und Mitgefühl in konkrete Unterstützung umgewandelt. Sie zeigt damit, wie man in Zeiten multipler Krisen internationale Solidarität neu denken und aufrechterhalten kann.
Jens Martens aus Bonn hat über drei Jahrzehnte den entwicklungspolitischen Diskurs in Deutschland mitgeprägt. Mit seiner Advocacy- und Forschungsarbeit sowie zahlreichen Vorträgen hat er seit 2015 dazu beigetragen, die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 bekannt zu machen und ihre Umsetzung zu befördern. Mit WEED e.V. und dem Global Policy Forum hat er einflussreiche Nichtregierungsorganisationen mitbegründet, geprägt und geleitet. Im Mai 2026 ist er verstorben. Für seinen konsequenten Einsatz für nachhaltige Entwicklung und globale Solidarität wurde Jens Martens heute postum geehrt. Seine Familie nahm den Preis stellvertretend in Empfang.