Der Entwicklungsausschuss der OECD (DAC) versteht unter Armut verschiedene Arten von Entbehrungen im Zusammenhang mit der Unfähigkeit, menschliche Grundbedürfnisse zu befriedigen. Zu diesen Bedürfnissen gehören vor allem der Konsum und die Sicherheit von Nahrungsmitteln, Gesundheitsversorgung, Bildung, Ausübung von Rechten, Mitsprache, Sicherheit und Würde sowie menschenwürdige Arbeit.
Als absolute Armut ist dabei ein Zustand definiert, in dem sich ein Mensch die Befriedigung seiner Grundbedürfnisse nicht leisten kann. Relative Armut beschreibt Armut im Verhältnis zum jeweiligen Umfeld eines Menschen.
Armut ist ein dynamischer Prozess und keine Eigenschaft. In der Regel sind es einschneidende familiäre Ereignisse – zum Beispiel Krankheitsfälle, Todesfälle, das Aufbringen einer Mitgift für eine Hochzeit – oder größere Krisen – wie bewaffnete Konflikte, Naturkatastrophen, Wirtschaftsflauten – die Menschen in Armut stürzen.
Vielen Menschen gelingt es, ihre Lebensumstände so zu verbessern, dass sie sich aus der Armut befreien können. Lediglich ein Viertel bis ein Drittel der von Armut betroffenen Menschen sind Schätzungen zufolge chronisch – also Zeit ihres Lebens – arm.
Die Reduzierung der Armut ist eine der größten Herausforderungen der Gegenwart. Der Einsatz gegen Armut und für weltweit bessere Lebensbedingungen ist eine der wichtigsten Aufgaben der internationalen und auch der deutschen Politik.
Armut messen
Armut zu messen, ist schwierig, jeder empfindet sie anders. Hunger, Krankheiten oder Angst sind schwer messbar. Darum gibt es international akzeptierte Kriterien, die dabei helfen, zu erfassen, was Armut ist und wer als arm gilt.
Bei der Messung von Armut haben sich verschiedene Ansätze durchgesetzt. Die Weltbank definiert Menschen als extrem arm, wenn sie weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag zur Verfügung haben. Bei diesem Ansatz wird die Kaufkraft des US-Dollars in lokale Kaufkraft umgerechnet. Das heißt, dass extrem arme Menschen nicht in der Lage sind, sich täglich die Menge an Gütern zu kaufen, die in den USA 1,25 US-Dollar kosten würden. Die 1,25-Dollar-Grenze wird als finanzielles Minimum angesehen, das eine Person zum Überleben braucht. Demnach lebten im Jahr 2005 etwa 1,4 Milliarden Menschen in Armut. Durch die Umrechnung in lokale Kaufkraft können die Armutsquoten international verglichen werden. Die Berechnung der Kaufkraftparitäten ist jedoch mit methodischen Schwierigkeiten verbunden. Um diese Schwierigkeiten zu umgehen, stehen verschiedene Ansätze zur Diskussion, zum Beispiel dass Armut national gemessen und international addiert werden sollte. Hierfür sind jedoch internationale Standards zur nationalen Armutsmessung nötig.
Zunehmend gibt es Versuche, auch andere Dimensionen von Armut statistisch abzubilden. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) berechnet zum Beispiel den mehrdimensionalen Armutsindex. Er misst, wie stark ein Haushalt unter Entbehrungen in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Lebensstandard leidet. Auch der Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index, HDI) versucht, mehrere Dimensionen entlang einer Skala von 0 bis 1 abzubilden, beschreibt dabei jedoch nicht den Zustand einzelner Haushalte, sondern den Entwicklungsstand eines Landes. Indikatoren für den HDI sind unter anderem die Lebenserwartung bei der Geburt, die Alphabetisierungsrate, das Bildungsniveau und die reale Kaufkraft pro Kopf in einem Land.
Ausführliche Informationen über entwicklungspolitische Aktivitäten zur Armutsreduzierung finden Sie hier