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Armut


Der Entwicklungsausschuss der OECD (DAC) versteht unter Armut ver­schie­dene Arten von Ent­beh­rungen im Zu­sam­men­hang mit der Un­fähig­keit, mensch­liche Grund­be­dürf­nisse zu be­frie­digen. Zu diesen Be­dürf­nissen ge­hören vor allem der Kon­sum und die Sicher­heit von Nah­rungs­mit­teln, Ge­sund­heits­ver­sorgung, Bil­dung, Aus­übung von Rechten, Mit­sprache, Sicher­heit und Würde sowie menschen­würdige Arbeit.

Als absolute Armut ist dabei ein Zustand de­fi­niert, in dem sich ein Mensch die Be­frie­di­gung seiner Grund­be­dürf­nisse nicht leisten kann. Relative Armut be­schreibt Armut im Ver­hält­nis zum je­wei­ligen Umfeld eines Menschen.

Armut ist ein dynamischer Prozess und keine Eigen­schaft. In der Regel sind es ein­schnei­dende fami­liäre Er­eig­nisse – zum Bei­spiel Krank­heits­fälle, Todes­fälle, das Auf­bringen einer Mit­gift für eine Hoch­zeit – oder größere Krisen – wie bewaffnete Kon­flikte, Natur­katas­trophen, Wirt­schafts­flauten – die Menschen in Armut stürzen.

Vielen Menschen gelingt es, ihre Lebens­um­stände so zu ver­bes­sern, dass sie sich aus der Armut be­freien kön­nen. Ledig­lich ein Vier­tel bis ein Drit­tel der von Armut be­trof­fenen Menschen sind Schät­zungen zu­folge chro­nisch – also Zeit ihres Lebens – arm.

Die Reduzierung der Armut ist eine der größten Heraus­for­derungen der Gegen­wart. Der Ein­satz gegen Armut und für welt­weit bessere Lebens­be­dingungen ist eine der wich­tigsten Auf­gaben der inter­natio­nalen und auch der deutschen Politik.

Armut messen

Armut zu messen, ist schwierig, jeder empfindet sie anders. Hunger, Krank­heiten oder Angst sind schwer mess­bar. Darum gibt es inter­natio­nal ak­zep­tierte Kri­te­rien, die dabei helfen, zu er­fas­sen, was Armut ist und wer als arm gilt.

Bei der Messung von Armut haben sich verschiedene Ansätze durchgesetzt. Die Weltbank defi­niert Menschen als extrem arm, wenn sie weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag zur Ver­fü­gung haben. Bei diesem An­satz wird die Kauf­kraft des US-Dollars in lokale Kauf­kraft um­ge­rechnet. Das heißt, dass extrem arme Menschen nicht in der Lage sind, sich täg­lich die Menge an Gütern zu kaufen, die in den USA 1,90 US-Dollar kosten würden. Die 1,90-Dollar-Grenze wird als finan­zielles Mini­mum an­ge­sehen, das eine Per­son zum Über­leben braucht. Dem­nach leben im Jahr 2015 Prognosen zufolge noch etwa 700 Millionen Menschen in Armut. Durch die Um­rechnung in lokale Kauf­kraft können die Armuts­quoten inter­natio­nal ver­glichen wer­den. Die Be­rech­nung der Kauf­kraft­pari­täten ist jedoch mit metho­dischen Schwie­rig­keiten verbunden. Um diese Schwie­rig­keiten zu um­gehen, stehen ver­schie­dene An­sätze zur Dis­kus­sion, zum Bei­spiel dass Armut national ge­mes­sen und inter­natio­nal addiert wer­den sollte. Hier­für sind jedoch inter­natio­nale Stan­dards zur natio­nalen Armuts­messung nötig.

Zunehmend gibt es Versuche, auch andere Dimen­sionen von Armut sta­tis­tisch ab­zu­bil­den. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) berechnet zum Bei­spiel den mehr­dimen­sio­nalen Armuts­index (Multidimensional Poverty Index, MPI). Er misst, wie stark ein Haus­halt unter Ent­beh­rungen in den Bereichen Bil­dung, Gesund­heit und Lebens­stan­dard leidet. Auch der Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index, HDI) versucht, mehrere Dimen­sionen ent­lang einer Skala von 0 bis 1 ab­zu­bil­den, be­schreibt dabei jedoch nicht den Zu­stand ein­zelner Haus­halte, son­dern den Ent­wick­lungs­stand eines Landes. Indi­ka­toren für den HDI sind unter anderem die Lebens­er­war­tung bei der Ge­burt, die Alpha­be­ti­sie­rungs­rate, das Bil­dungs­niveau und die reale Kauf­kraft pro Kopf in einem Land.

Ausführliche Informationen über entwicklungspolitische Akti­vi­täten zur Armuts­redu­zie­rung finden Sie hier

Lexikon der Entwicklungspolitik

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