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Gemeinsam handeln: Armut beseitigen

Ein evakuiertes Kind schaut durch den Riss einer Plane, hinter der ein Klassenraum für Flüchtlinge eingerichtet wurde (Philippinen).

Nach Berechnungen der Weltbank leben 2015 weltweit 700 Millionen Menschen in Armut. Als eines der größten Probleme der Gegenwart geht Armut uns alle an: In unserer po­li­tisch und wirt­schaft­lich eng ver­floch­tenen Welt sind die Folgen von Ar­mut nicht nur in den be­son­ders betroffenen Ländern, sondern auch bei uns zu spüren. Der Einsatz gegen Armut und für  bessere Lebens­be­din­gun­gen welt­weit ist daher eine der wich­tig­sten Aufgaben der inter­na­tio­na­len und auch der deutschen Entwicklungsagenda.

Weltzukunftsvertrag

Die Weltgemeinschaft weiß, dass sie Erfolge im Kampf gegen die Armut nur gemeinsam erzielen kann. Vom 25. bis 27. September 2015 tagte die UN-Generalversammlung in New York und verabschiedete einen Weltzukunftsvertrag: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung mit 17 Zielen. Darin verpflichtet sich die Weltgemeinschaft, drängende Herausforderungen für die Zukunft unseres Planeten gemeinsam anzugehen. An erster Stelle steht dabei das Ziel, extreme Armut in allen Formen zu beseitigen.

Zuvor hatte sich die Weltgemeinschaft auf Basis der Millenniumserklärung acht Entwicklungsziele gesetzt, die sie bis 2015 erreichen wollte. Das erste Ziel, den Anteil der Menschen, die in extremer Armut leben, bis 2015 zu halbieren, wurde erreicht.

Die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele werden die Vereinten Nationen überwachen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat angekündigt, 2016 im Hochrangigen Politischen Forum in New York über die Umsetzung in Deutschland zu berichten.


Animationsfilm des BMZ über die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030:


Deutschlands Engagement gegen Armut

Armut zu beseitigen, ist ein übergeordnetes Ziel der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit. Alle Maßnahmen, die das BMZ fördert, tragen – direkt oder indirekt – dazu bei, dieses Ziel zu erreichen.


Für die Bekämpfung der Armut sind Anstrengungen in unterschiedlichen Bereichen und Ländern notwendig. Entsprechend vielfältig ist der Einsatz der Bundesrepublik Deutschland für die Reduzierung der Armut. Die folgenden Fallstudien stellen dies beispielhaft dar.


Weiterführende Informationen zu den verschiedenen Tätigkeitsfeldern des BMZ, die dazu beitragen, Armut zu reduzieren:


Wirtschaft

Fertigung einer Autokarosserie in Mexiko

Eine leistungsfähige Wirtschaft, die Arbeits­plätze schafft, ist die ent­schei­dende Vor­aus­set­zung für die Minderung der Armut in Ent­wick­lungs­ländern. Arbeit schafft Einkommen und gibt den Menschen die Chance, sich selbst aus ihrer Armut zu befreien. In der wirt­schaft­lichen Zu­sam­men­ar­beit mit ihren Ko­ope­ra­tions­ländern fördert die Bun­des­re­pu­blik Strategien, die ein breiten- und be­schäf­ti­gungs­wirksames Wachs­tum zum Ziel haben (Pro-Poor Growth).

Neben der Stärkung des Privatsektors in den Ko­operations­ländern strebt die Bun­des­re­gie­rung auch eine enge Kooperation mit der deutschen Privat­wirtschaft an, zum Beispiel in Form von Ent­wick­lungs­partner­schaften (Public Private Partnerships, PPP).


Handel

Arbeiterinnen und Arbeiter in einer Textilfabrik in Bangladesch, in der besonders auf die Einhaltung der gesetzlichen Sozial- und Umweltstandards geachtet wird

Die Industriestaaten haben entscheidenden Einfluss auf die Weltwirtschaft. Sie tragen eine große Ver­ant­wor­tung dafür, dass der Welthandel gerecht betrieben wird. Damit auch die Ent­wick­lungs­länder von den Vorteilen der Globalisierung profitieren und ihre Armut mindern können, müssen ihre Interessen im Welthandelssystem besser berücksichtigt werden. Das BMZ setzt sich daher für den Abbau von Agrarexportsubventionen und anderen handelsverzerrenden Fördermaßnahmen der Industriestaaten ein.


Ernährung und ländliche Entwicklung

Pflanzenzucht.

Armut ist untrennbar mit Hunger und Mangelernährung verbunden – mehr als 800 Millionen Menschen auf der Welt haben nicht genug zu essen, einer weiteren Milliarde fehlt es am Zugang zu lebens­wichtigen Vitaminen und anderen Mikronährstoffen. Mit unserer Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" machen wir das Menschenrecht auf Nahrung zu einem unserer Kernanliegen. Wir wollen dazu beitragen, dass alle Menschen auf der Welt genug zu essen haben – heute und in Zukunft!

Deutsch­land unterstützt seine Ko­ope­ra­tions­länder dabei, Strategien zur Ernährungssicherung zu entwickeln, und beteiligt sich intensiv an ent­sprechen­den internationalen Programmen und Vorhaben, zum Beispiel dem Welt­ernährungs­programm der Vereinten Nationen. Hierbei sucht das BMZ explizit, Ansätze der kurz­fristigen Nothilfe und solche der lang­fristigen Ernährungs­sicherung zu ver­knüpfen und bereits in der Krise die Weichen für struktur­bildende Maßnahmen zu legen.

Un­ter­stüt­zung von außen reicht jedoch nicht aus, um Hunger und Armut in Ent­wick­lungs­ländern wirksam und dauerhaft zu bekämpfen. Die Betroffenen müssen sich eigen­ver­ant­wort­lich darum bemühen, ihre Lebens­bedingungen zu verbessern und eine Ent­wick­lung anzustoßen, die sich lang­fristig selbst trägt. Im Mittelpunkt der Zu­sam­men­ar­beit steht dabei meist die Land­wirt­schaft. Doch auch die Verbesserung der politischen und rechtlichen Rah­men­be­din­gun­gen ist ein wichtiger Arbeits­bereich. So können Kleinbauern zum Beispiel nur dann erfolgreich wirtschaften, wenn die Land- und Wasser­rechte eindeutig und fair geregelt sind. Deutsch­land fördert außerdem die Einrichtung dezentraler Ver­wal­tungs­strukturen, da diese der Bevölkerung mehr Mög­lich­keiten geben, politisch mit­zu­bestimmen. Auch den Aufbau einer lebendigen Zivil­ge­sell­schaft und die Stärkung der gesell­schaft­lichen Stellung der Frauen unterstützt das BMZ.

Damit die in­ter­na­ti­o­nale Landwirtschafts-, Fischerei-, Handels- und Klima­politik die Bemühungen der Ent­wick­lungs­länder nicht wieder zu­nichte­macht, setzt die deutsche Ent­wick­lungs­po­li­tik zudem auf einen engen Dialog mit den anderen Bundes­ressorts und mit den anderen Gebern.


Soziale Grunddienste

Kinder in einem Mutter-Kind-Heim in Burundi.

Arme Menschen können sich oft weder einen Arzt­besuch leisten noch den Schulbesuch der Kinder bezahlen. Doch nur wer gesund ist und über aus­rei­chend Bildung verfügt, hat eine Chance, sich aus der Armut zu befreien. Soziale Grund­dienste wie Gesund­heits­versorgung und Grund­bildung sind daher wichtige Elemente zur Reduzierung der Armut.


Soziale Sicherung und Sozialpolitik

Am monatlichen Banktag zahlen Mikrofinanzkunden in Laos Geld bei der Dorfbank ein.

Mehr als 70 Prozent der Weltbevölkerung sind nicht ausreichend gegen Risiken wie Krankheit, Arbeits­losigkeit, Altersarmut oder Ernteausfall abgesichert. Soziale Sicherungssysteme, wie etwa Kranken- und Rentenversicherungen, Sozialtransferprogramme für extrem Arme oder Mikroversicherungen, sind wichtige Instrumente für eine strukturelle Armutsreduzierung.


Umwelt- und Ressourcenschutz

Schwebfliege auf einer Blüte

Die zunehmende Zerstörung der natürlichen Ressourcen gefährdet die Existenzgrundlage armer Menschen. Gleichzeitig zwingt ihre materielle Not die Armen oft zum Raubbau an der Natur. Die Bun­des­re­pu­blik setzt sich in­ter­na­ti­o­nal und national für den Umwelt- und Ressourcenschutz ein. Sie unterstützt die Umsetzung völkerrechtlich verbindlicher internationaler Regelwerke: zur Bekämpfung der Wüstenbildung, zur Verminderung der Treibhausgase, zur Förderung erneuerbarer Energien, zum Schutz der Wälder und zum Erhalt der Artenvielfalt. Außerdem fördert das BMZ die Ent­wick­lung und Umsetzung von ökologischen Standards in der Wirtschaft.


Menschenrechte

Ein Mädchen in einem Slum in Bangladesch schaut in einen Spiegel

Eine wesentliche Grundlage für die Reduzierung von Armut sind Achtung, Schutz und Gewährleistung aller Men­schen­rech­te. Nur wenn die für ein menschenwürdiges Leben grundlegenden Rechte respektiert und geschützt werden, können die Menschen ihr Leben selbstbestimmt, politisch und wirtschaftlich frei nach ihren Möglichkeiten in der Gesellschaft gestalten. Und nur dann haben sie die Chance, sich selbst aus ihrer Armut zu befreien, für ihre Interessen einzutreten und ein Leben in Würde und frei von Angst zu führen.

Das gilt in besonderem Maße für Frauen. Sie übernehmen in ihren Familien oft eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, Veränderungen durchzusetzen. Die Bun­des­re­pu­blik betrachtet die Förderung der Gleichberechtigung als Quer­schnitts­aufgabe der gesamten Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit. Zusätz­lich wird die rechtliche, soziale und politische Gleichstellung der Frauen gezielt durch Programme unterstützt.

Das Konzept "Men­schen­rech­te in der deutschen Ent­wick­lungs­po­li­tik" ver­an­kert den Menschen­rechts­ansatz fest in der Ent­wick­lungs­po­li­tik. Damit ist die systematische und über­grei­fen­de Orientierung an Menschen­rechten ver­bind­lich für die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit. Menschen­rechts­basierte Ent­wick­lungs­po­li­tik unter­stützt Partner, Politiken und Programme so zu gestalten, dass ins­be­son­dere arme und mar­gi­na­li­sier­te Gruppen, unter anderem Frauen, junge Menschen, indigene Völker, Men­schen mit Be­hin­de­run­gen oder sexuelle Minder­heiten hiervon profitieren. 


Gute Regierungsführung

Wählerliste in in Freetown, Sierra Leone.

Schlecht funktionierende Verwaltungen, willkürliche Rechts­systeme und Kor­rup­tion behindern Ent­wick­lung und damit auch eine erfolgreiche Armuts­reduzierung. Zudem sind Arme von politischen Ent­schei­dungs­prozessen meist weitgehend ausgeschlossen. Die Bun­des­re­pu­blik fördert ihre Ko­ope­ra­tions­länder beim Aufbau von stabilen demo­kra­ti­schen und rechts­staat­lichen Strukturen, die notwendige Bedingung für wirk­samen Menschen­rechts­schutz sind. Von besonderer Bedeutung ist, dass arme und benachteiligte Be­völ­ke­rungs­gruppen von Ent­wick­lungs­prozessen profitieren und ihren Anliegen Gehör verschafft wird.


Frieden

Eine verknotete Pistole: Das Werk "Non Violence" des schwedischen Künstlers Carl Fredrik Reuterswärd steht als Friedenssymbol seit 1988 vor dem Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York.

Armut und Ungerechtigkeit sowie wirt­schaft­liche und politische Dis­kri­mi­nie­rung bilden den Nährboden für gewalt­same Konflikte, ethnische, religiöse und regionale Feind­selig­keiten. Konflikte und die damit ver­bun­de­nen Militär­ausgaben verhindern Ent­wick­lung. Gleich­zeitig schaffen sie neue Armut. Deutsch­land unterstützt Vorhaben zur Krisen­prävention, Versöhnungs­arbeit, Minen­räumung, Abrüstung und Verringerung der Militär­ausgaben. Die Maßnahmen setzen aber auch an den struk­tu­rellen Ursachen von Konflikten an, etwa politischen Miss­ständen oder sozialem Ungleichgewicht.


Stadtentwicklung

Wohnhaus in Algier, Algerien

Die Weltbevölkerung wächst – und das vor allem in den städtischen Ballungs­räumen der Ent­wick­lungs­länder. Mehr als die Hälfte aller Menschen lebt inzwischen in Städten. Die Urbanisierung in den Entwicklungs­ländern wird von einer rasanten Zunahme der Armut begleitet. Auf der anderen Seite bietet die Verstädterung auch immense Chancen für Ent­wick­lung: Städte sind von großer Bedeutung für den dis­kri­mi­nie­rungs­freien Zugang zu Basis­dienst­leistungen, für die wirt­schaft­liche und soziale Teilhabe aller und damit auch für die Förderung der Men­schen­rech­te. Die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit greift diese Potenziale der Städte auf und leistet damit einen Beitrag zum Abbau sozialer Ungleichheit und zur Reduzierung von Armut.


Entschuldung

Philippinische Bäuerin reinigt Reis.

Wenn Zins und Tilgung keinen Raum mehr für staatliche Leistungen und In­ves­ti­tio­nen lassen, ist weder Ent­wick­lung noch Armutsminderung möglich. Die Schuldenlast der ärmsten Ent­wick­lungs­länder ist daher ein wesentlicher Faktor, der Armutsbekämpfung behindern kann. Deutsch­land unterstützt deshalb die internationalen Entschuldungsinitiativen Heavily Indebted Poor Countries Initiative (HIPC) und ihre Fortsetzung, die Multilateral Debt Relief Initiative (MDRI).

Zum Schuldenerlass unter der HIPC-Initiative haben nur hoch verschuldete arme Länder Zugang. Die Initiative dient direkt der Armuts­bekämpfung: Voraussetzung für einen Schuldenerlass ist, dass das jeweilige Ent­wick­lungs­land die frei werdenden finanziellen Mittel tatsächlich für die Armuts­re­du­zie­rung einsetzt. Die MDRI-Initia­tive steht darüber hinaus seit 2006 denjenigen Ländern zur Verfügung, die sich erfolgreich für Armuts­be­kämp­fung unter HIPC eingesetzt haben.


Zivilgesellschaft stärken

Angehende Lehrerinnen klären ihre Kollegen in einem Trainingszentrum in Chimoio (Mosambik) über die Übertragung von Aids auf.

Ent­wick­lung kann nur aus der Mitte der Gesellschaft entstehen. Un­ent­behr­lich hierfür und für die Umsetzung von Menschen­rechten ist eine un­ge­hin­dert agierende, starke Zivil­ge­sell­schaft. Daher hat sich die Bun­des­re­gie­rung zum Ziel gesetzt, das En­gage­ment der Zivil­ge­sell­schaft zu stärken und ent­wick­lungs­po­litisch besser zu nutzen – sowohl in den Kooperationsländern als auch in Deutsch­land.

Seit 2012 sind alle vom BMZ finanzierten Einrichtungen und Programme zur Förderung des bürger­schaft­lichen und kom­mu­na­len Engage­ments sowie der ent­wick­lungs­po­litischen Bildungs­arbeit in einer zentralen Service­stelle gebündelt. Sie trägt den Namen "En­gage­ment Global – Service für Entwicklungs­initiativen" und bietet engagierten Akteuren in Vereinen, Einrichtungen, Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen, Unter­nehmen und Kom­mu­nen Information, Beratung, Förderung und Qua­li­fi­zie­rung aus einer Hand.


Verbesserung der Qualität und Wirkung der Entwicklungszusammenarbeit

Um möglichst effizient und wirksam zur Armutsreduzierung beizutragen, verbessert die Bun­des­re­gie­rung kontinuierlich ihr entwicklungspolitisches Instrumentarium. Organisatorische und strukturelle Reformen sollen dazu beitragen, die Wirksamkeit der deutschen Ent­wick­lungs­po­li­tik zu erhöhen und finanzielle Mittel zielgenauer einzusetzen. Hierfür hat Deutsch­land die Anzahl seiner Ko­ope­ra­tions­länder auf 50 reduziert. Ein bedeutender Schritt der Strukturreform war der Zusammenschluss der drei Durch­füh­rungs­orga­nisationen GTZ, InWEnt und DED zur Deutschen Gesellschaft für In­ter­na­ti­o­nale Zusam­men­ar­beit (GIZ).

Gemeinsam mit anderen Gebern und Vertretern der Ent­wick­lungs­länder engagiert sich Deutsch­land auch auf internationaler Ebene für die Verbesserung der Qualität und Wirkung der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit. Dabei ist es der deutschen Bun­des­re­gie­rung wichtig, dass die Beiträge aller Akteure, einschließlich des Privatsektors und der Schwellen­länder, für die Ent­wick­lung eines Partnerlandes berücksichtigt werden. Die einzelnen Akteure sollen sich auf bestimmte Aufgaben konzentrieren (Arbeitsteilung), ihre Programme untereinander eng abstimmen (Harmonisierung) und sie an den Strategien, Zielen und Verfahren der Ko­ope­ra­tions­länder ausrichten. Insgesamt strebt das BMZ an, die Eigenverantwortung der Ent­wick­lungs­länder deutlich zu stärken.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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