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Einige der globalen Entwicklungsziele als Sitzkissen bei einer Konferenz

Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung

Im September 2015 wurde die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung von den Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen einstimmig verabschiedet. Mit der Agenda 2030 hat sich die Weltgemeinschaft 17 Ziele (Sustainable Development Goals, SDGs) für eine sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Entwicklung gesetzt. 

Die 17 Ziele gelten universal und für alle Länder gleichermaßen. Sie reichen von der Beseitigung des weltweiten Hungers über die Stärkung von nachhaltigem Konsum und nachhaltiger Produktion bis hin zu Maßnahmen für den Klimaschutz. 

Fünf Jahre Agenda 2030 – Wo stehen wir jetzt?

Weltweit haben Staaten die Agenda 2030 in konkrete Strategien übersetzt. Deutschland setzt die Agenda 2030 auf drei Ebenen um: Zusammen mit unseren Partnerländern, auf der internationalen Ebene und in Deutschland selber. In den vergangenen Jahren konnten auf allen drei Ebenen Erfolge erzielt werden, aber auch Herausforderungen sind sichtbar. 

Umsetzung der Agenda 2030 mit Partnerländern

Auch gemeinsam mit unseren Partnerländern konnten wir Fortschritte bei der Umsetzung der Agenda 2030 erreichen. Beispielsweise ist die Zahl der Frauen in Parlamenten angestiegen und liegt mittlerweile weltweit bei 25.2 Prozent. 

Doch der Fortschritt erfolgt nicht in allen Weltregionen gleichermaßen. Um das Versprechen der Agenda 2030 "Niemanden zurückzulassen" einzulösen, müssen hier gezielt Maßnahmen eingeleitet werden, um vulnerable und benachteiligte Bevölkerungsgruppen zu erreichen.

Neben den Erfolgen beobachten wir bei der Umsetzung der Agenda 2030 in Partnerländern auch Herausforderungen. Beispielsweise ist die Zahl der Hungernden weltweit im dritten Jahr in Folge gestiegen. Rund 820 Millionen Menschen, also jeder neunte Mensch weltweit, hat keinen ausreichenden Zugang zu Nahrung. 

Eine Bäuerin in Malawi vor einer Solaranlage, die den Strom für die Pumpe eines Tröpfchenbewässerungssystems liefert

Umsetzung der Agenda 2030 auf internationaler Ebene

Das jährlich stattfindende Hochrangige Politische Forum (HLPF) in New York hat sich als zentrales Gremium für die Umsetzung der Agenda 2030 etabliert. Diese internationale Bühne ermöglicht den Erfahrungsaustausch zur Umsetzung der Agenda 2030. Über 170 Länder haben bereits einen freiwilligen Staatenbericht vorgelegt, um über ihre Umsetzung der Agenda 2030 Rechenschaft abzulegen.

Vier zentrale Herausforderungen erschweren die Umsetzung der Agenda 2030 auf globaler Ebene dabei besonders: wachsende Armut und Ungleichheit, der Klimawandel, der Verlust von Biodiversität und steigender Ressourcenverbrauch. 

Multilaterale Institutionen müssen einen noch größeren Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030 leisten. Deutschland setzt sich deshalb beispielsweise im Rahmen seiner EU-Ratspräsidentschaft für die Erarbeitung einer EU-weiten Agenda-2030-Umsetzungsstrategie ein.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Vorbereitungskonferenz zum Nachhaltigkeitsforum 2019 in Berlin, die auf Einladung von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (untere Reihe, zweite von links) und Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (untere Reihe, zweiter von rechts) stattfand.

Umsetzung der Agenda 2030 in Deutschland

Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie ist die Grundlage für die Umsetzung der Agenda 2030 in Deutschland. Mit ihren 65 Indikatoren wird der Stand der Umsetzung überprüft. Einige exemplarische Erfolge:

  • Die Zahl von Frauen in Aufsichtsräten deutscher Unternehmen ist von 21,3 Prozent im Jahr 2015 auf 32,2 Prozent gestiegen.
  • Außerdem ist der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch von 31,5 Prozent im Jahr 2015 auf 42,1 Prozent gestiegen.

Doch auch in Deutschland muss noch mehr für die Erreichung der SDGs tun.

Bei 36 der 65 Indikatoren würde das Ziel beim jetzigen Umsetzungstempo verfehlt. Durch die regelmäßige Aktualisierung der Nachhaltigkeitsstrategie wird nachjustiert, damit die Ziele durch gezielte Maßnahmen erreicht werden.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller und Peter Altmaier, Chef des Bundeskanzleramt, mit Schülern aus Kempten beim Zukunftskongress im September 2016 in München
Fünf Jahre Agenda 2030

Corona-Pandemie als Wendepunkt?

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die Fortschritte bei den Zielen für nachhaltige Entwicklung in einigen Bereichen zurückgeworfen. Der diesjährige SDG-Fortschrittsbericht der Vereinten Nationen unterstreicht diese Bilanz und zeigt, dass sich unsere Gesellschaft an einem Scheideweg befindet: Wir können entscheiden, weiter wie bisher zu leben, oder ob wir unsere Welt mehr auf Nachhaltigkeit ausrichten und gestärkt aus der Krise zu gehen.

UN-Generalsekretär António Guterres betonte zuletzt, dass die Umsetzung der Agenda 2030 die Resilienz von Staaten erhöht, um zukünftig besser auf Pandemien und andere Krisen reagieren zu können. Die Agenda 2030 muss uns als Kompass zur Überwindung der Corona-Krise dienen.

Das BMZ setzt sich deshalb dafür ein, die Corona-Pandemie als Neuausrichtung auf eine nachhaltige Entwicklung zu nutzen. Hierzu erklärte Minister Müller: "Wir können stolz auf diese globale Agenda sein. Wir haben uns große Ziele gesetzt: eine gerechte und intakte Welt für alle, ohne Hunger, Armut und Ungleichheit, ohne Ausbeutung und Naturzerstörung. Und doch wissen wir auch: Wenn wir weitermachen, wie bisher, werden wir die SDGs nicht erreichen. Corona ist ein Weckruf an uns alle: Nachhaltigkeit ist eine Überlebensfrage der Menschheit!"

Probenröhrchen, das negativ auf Covid-19 getestet wurde
UN-Generalsekretär António Guterres

"Die Menschen der Welt wollen keine halben Sachen oder leeren Versprechungen. Sie fordern einen Veränderungsprozess, der fair und nachhaltig ist. Nutzen wir die Weltkonferenz im September, um den Ehrgeiz zu steigern und die Notwendigkeit der Inklusion hervorzuheben. Und lassen Sie uns gemeinsam ein Jahrzehnt der Umsetzung und des Handelns für Menschen und den Planeten anstoßen."

António Guterres, UN-Generalsekretär seit 2017

17 Ziele für nachhaltige Entwicklung

Ein neues Verständnis von Wohlstand und Entwicklung

Die Agenda 2030 steht für ein neues globales Wohlstandsverständnis, das über die verengte Betrachtung von Pro-Kopf-Einkommen hinausreicht. Es geht um eine Umgestaltung von Volkswirtschaften hin zu nachhaltiger Entwicklung, beispielsweise durch verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster und saubere und erschwingliche Energie. Es wird deutlich, dass Klimapolitik, nachhaltige Entwicklung und Armutsbekämpfung untrennbar miteinander verwoben sind.

Die Umsetzung der Agenda in Verbindung mit dem Pariser Klima-Abkommen (Dezember 2015) bietet die große Chance, den Wandel hin zu nachhaltigen und emissionsarmen Lebens- und Wirtschaftsweisen weltweit zu schaffen – unser Verhalten also "enkeltauglich" zu machen. Dabei fordert die Agenda 2030 ausdrücklich, die Schwächsten und Verwundbarsten in den Mittelpunkt zu stellen und niemanden zurückzulassen ("leave no one behind").

Doch jeder Plan ist nur so gut wie seine Umsetzung. Die Ziele der Agenda 2030 können nur durch eine intensive Zusammenarbeit im Rahmen einer neuen globalen Partnerschaft erreicht werden. Alle Länder sind deshalb dazu aufgefordert, über ihre Anstrengungen und Fortschritte zu berichten – nicht nur national, sondern auch beim Hochrangigen Politischen Forum für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (High Level Political Forum on Sustainable Development, HLPF).

Deutschland übernimmt Verantwortung und ist bereit, gemeinsam mit seinen Partnern zum erforderlichen Wandel beizutragen. Durch eine frühe Berichterstattung an das HLPF hat die Bundesregierung bereits 2016 ein deutliches Zeichen gesetzt.

Video: Die Agenda 2030 kurz erklärt
People, Planet, Prosperity, Peace, Partnership

Die fünf Kernbotschaften der Agenda 2030

Die Präambel der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung benennt fünf Kernbotschaften, die den 17 Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals, SDGs) als handlungsleitende Prinzipien vorangestellt sind: Mensch, Planet, Wohlstand, Frieden und Partnerschaft (englisch: People, Planet, Prosperity, Peace, Partnership – "5 Ps") und verdeutlichen die Zusammenhänge zwischen den Zielen.

Die Politik des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) orientiert sich an diesen Kernbotschaften. Die Umsetzung erfolgt gemeinsam mit den Partnerländern nach dem Prinzip einer globalen Partnerschaft, zu der jeder etwas beiträgt. Deutschland übernimmt mit diesem entwicklungspolitischen Engagement Verantwortung für globale nachhaltige Entwicklung.

Die Würde des Menschen im Mittelpunkt (People)

Eine Welt ohne Armut und Hunger ist möglich

Rund zwei Milliarden Menschen können kein würdevolles Leben führen, weil sie nicht genug zu essen haben oder weil ihre Ernährung zu einseitig ist. Das BMZ trägt entschlossen dazu bei, Armut und Hunger in allen Formen und Dimensionen weltweit zu beseitigen. Alle Menschen sollen sich nach ihren Fähigkeiten und Neigungen entwickeln und so ihr volles Potenzial ausschöpfen können. Das BMZ legt in seiner Arbeit ein besonderes Augenmerk auf die Menschenrechte, die Reduzierung von Ungleichheit und die Verbesserung der Lebenssituation besonders benachteiligter Bevölkerungsgruppen, vor allem in Konfliktländern und den am wenigsten entwickelten Ländern (Least Developed Countries, LDCs).

Den Planeten schützen (Planet)

Klimawandel begrenzen, natürliche Lebensgrundlagen bewahren

Der Klimawandel bedroht bisherige Entwicklungserfolge und gefährdet die Zukunftsperspektiven aller Länder. Die Agenda 2030 verpflichtet uns, den Planeten zu schützen, damit auch künftige Generationen ein gutes Leben in einer intakten Umwelt führen können. Dazu zählen die nachhaltige Nutzung von Meeren und Ozeanen, der Erhalt von Ökosystemen und Biodiversität, die Bekämpfung des Klimawandels sowie ein nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen.

Wohlstand für alle fördern (Prosperity)

Globalisierung gerecht gestalten

Die Wirtschaft ist Wohlstandstreiber und Entwicklungsmotor. Das BMZ trägt dazu bei, allen Menschen weltweit die Chance zu bieten, am wirtschaftlichen, sozialen und technischen Fortschritt teilzuhaben. Nachhaltiges Wirtschaftswachstum muss alle Menschen erreichen und ihnen eine menschenwürdige Arbeit und Beschäftigung bieten. Die Schere zwischen Arm und Reich darf dabei nicht noch weiter auseinandergehen.

Frieden fördern (Peace)

Menschenrechte und gute Regierungsführung

Alle Menschen sehnen sich nach einem Leben in Frieden, ohne Angst und Gewalt. Dazu braucht es friedliche, sichere und inklusive Gesellschaften. Das BMZ fördert in diesem Sinne gute Regierungsführung und stärkt die dafür erforderlichen Institutionen. Die Menschenrechte aller Mädchen, Frauen, Jungen und Männer sollen geachtet und geschützt werden.

Globale Partnerschaften aufbauen (Partnership)

Global gemeinsam voranschreiten

Der Erfolg der Agenda 2030 hängt in großem Maße davon ab, dass alle mitmachen - nicht nur Staaten und Organisationen, sondern jede und jeder Einzelne. Um die ehrgeizige Vision der Agenda 2030 zu verwirklichen, braucht es einen neuen Geist internationaler Zusammenarbeit. Eine neue globale Partnerschaft soll die für die Umsetzung der Agenda benötigten Mittel mobilisieren.

streifenbild sdg

Lexikon der Entwicklungspolitik

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