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Hintergrund

Unsichere Rechte und der Anspruch auf Land

Ein äthiopischer Bauer treibt seine Viehherde über einen Hügel

Fruchtbarer Boden und Wasser sind die wichtigsten Grundlagen für Landwirtschaft und damit die Existenzgrundlage für Kleinbauernfamilien. In vielen Entwicklungsländern sind die Zugangs- und Besitzverhältnisse für Land ebenso wie für Wasser jedoch weder eindeutig noch verbindlich geregelt. Mit weitreichenden Folgen: Sind die Besitzverhältnisse ungeklärt, entstehen schnell Konflikte. Und wenn nicht klar ist, wem das Land gehört, lohnen sich keine größeren Investitionen und niemand übernimmt Verantwortung für eine nachhaltige Bewirtschaftung. Dadurch werden die Ressourcen zu stark ausgebeutet und geschädigt.

Frage mit Konfliktpotenzial: Wer darf das Land nutzen?

Infografik: Landrechte
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Infografik: Landrechte

Viele Kleinbauernfamilien haben keine Besitzurkunde für ihr Land. Auch wenn sie den Boden schon seit vielen Generationen bewirtschaften, wurde ihr Landrecht nie schriftlich festgehalten. In vielen Dörfern existiert zwar ein traditionelles, mündliches Nutzungsrecht – doch das wird vor Gericht nicht akzeptiert. Diese Grauzone fehlender oder unklarer Landrechte kann schnell die Existenz der Bauernfamilien gefährden. Sei es, dass ein Investor große Agrarflächen erwerben möchte, um kommerzielle Kulturen anzulegen, sei es, dass eine korrupte Verwaltung sich durch Landverkäufe bereichern will – ohne rechtlich geregeltes und schriftlich beglaubigtes Landrecht laufen Kleinbäuerinnen und -bauern Gefahr, von ihrem Boden vertrieben zu werden.

Dies trifft insbesondere indigene Gemeinschaften. Wird ihr Land verkauft, bleibt ihnen oft keine Möglichkeit zur Gegenwehr. Vor allem in Ländern mit schlechter Regierungsführung und schwachen Verwaltungsstrukturen können Vertreibungen oder Umsiedlungen und schließlich gewaltsame Konflikte, Armut und Hunger die Folge sein.


Wachsende Nachfrage nach fruchtbarem Boden

Infografik: Großflächige Landkäufe
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Infografik: Großflächige Landkäufe

Das Problem droht sich zuzuspitzen, da durch die Lebensmittelpreiskrisen und die wachsende Weltbevölkerung die Nachfrage nach fruchtbarem Boden steigt. Einheimische oder ausländische Investoren kaufen oder pachten riesige Flächen, um darauf Nahrungs- und Futtermittel anzubauen. Oft werden die Agrarflächen auch für die Herstellung von Biomasse, etwa für Treibstoffe, genutzt.

Ähnliches gilt auch für Wasser. Sind Bewässerungsrechte nicht klar und gerecht geregelt, wird das Wasser aufgrund von Übernutzung irgendwann knapp. Und ist nicht festgelegt, wer wann in einem See fischen darf, besteht die Gefahr, dass der Bestand langfristig überfischt wird.


Frauen sind besonders benachteiligt

Den schlechtesten Zugang zu sicheren Landrechten haben Frauen. Weltweit sind 90 Prozent der Anbauflächen im Besitz von Männern – obwohl der größte Teil der Arbeit zumeist von Frauen verrichtet wird. Sie produzieren in vielen Entwicklungsländern 60 bis 80 Prozent der Nahrungsmittel. Traditionelle Regeln zu Erbschaft und Landbesitz begünstigen nach wie vor Männer.

Die Benachteiligung von Frauen ist ein Hemmnis für Entwicklung. Die deutsche Entwicklungspolitik fordert und fördert daher insbesondere einen besseren Zugang zu Landrechten für Frauen. Denn die wirtschaftliche Gleichstellung von Frauen wirkt sich nicht nur positiv auf ihre eigene Situation aus. Sie ist eine wichtige Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung und Ernährungssicherung.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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