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Landreform in Namibia

Ein neuer Anfang auf sicherem Grund


Ein Mentoren-Programm, das vom BMZ gefördert wird, unterstützt die namibische Regierung bei der Umsetzung der  Landreform.

Paul Isaack betreibt die El-Picador-Farm rund 370 Kilometer südlich der namibischen Hauptstadt Windhoek. Mit 180 Karakulschafen, 400 Ziegen und 190 Rindern muss er insgesamt 12 Menschen ernähren. Leicht ist das nicht: Kredite sind zurückzuzahlen, das Wasser ist knapp, und für Transporte muss ein Eselskarren reichen. Doch seit Paul regelmäßig von Johannes Motinga betreut wird, geht es aufwärts auf El Picador. Johannes, selbst erfahrener Farmer, hat Paul zum Beispiel beim Brunnenbau beraten und empfohlen, weiße statt schwarzer Schafe zu züchten. Denn deren Wolle bringt mehr Geld ein. Johannes Motinga ist einer von mehr als 30 Mentoren, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen an andere Farmerinnen und Farmer weitergeben.

Das ist dringend nötig. Denn Namibia trägt schwer an einem kolonialen Erbe: Als das Land 1990 unabhängig wurde, befand sich fast das gesamte kommerzielle Farmland im Besitz der weißen Minderheit. Nur 2,7 Prozent gehörten den benachteiligten schwarzen Bauern. Im Norden des Landes dagegen, wo die Menschen traditionell das kommunale Land gemeinsam nutzen, gab es keine rechtlich verbindlichen Besitztitel. Dabei versorgt sich mehr als die Hälfte der Bevölkerung durch Landwirtschaft selbst. Rund 30 Prozent der Einwohner gelten als arm, etwa 15 Prozent leben sogar in extremer Armut.

Mentoren beraten Bäuerinnen und Bauern

Ungerechte Landverteilung, ungesicherte Landrechte, Bevölkerungswachstum, Armut und steigender Nahrungsbedarf – eine brisante Mischung. Die namibische Regierung setzt daher mit deutscher Unterstützung eine Landreform um. Landlose, Frauen und benachteiligte Bevölkerungsgruppen sollen Land bekommen, Landrechte sollen gesichert werden. Mit Erfolg: Bis Anfang 2015 wurden rund neun Millionen Hektar an Landlose und benachteiligte Menschen umverteilt. Über 85.000 Landrechte wurden verbrieft, davon rund 40 Prozent für Frauen.

Doch mangels Wissen und Erfahrung tun sich viele Neufarmer schwer, manche scheitern sogar. Dank des Mentoren-Programms, das vom BMZ gefördert wird, ändert sich das. Bislang haben Johannes Motinga und die anderen Mentoren schon über 10.000 Neufarmer und Kleinbauernfamilien beraten. Menschen wie Paul Isaack und seine Familie profitieren von ihrer Erfahrung.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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