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Nachhaltige Fischerei und Aquakultur

Drei Fischer mit Fischernetz in Bangladesch

In den vergangenen 50 Jahren hat sich der Fischkonsum weltweit mehr als verdoppelt. Für viele Menschen gehören Fischereiprodukte zu den wichtigsten Protein- und Mikronährstoffquellen (Vitamin A, Eisen, Zink, Calcium, mehrfach ungesättigte Fettsäuren): 17 Prozent des weltweiten Gesamtbedarfs an tierischen Proteinen werden durch Fischeiweiß gedeckt, in Entwicklungsländern liegt der Anteil oft deutlich höher. Fisch kommt deshalb bei der Ernährungssicherung und der Bekämpfung von Mangelernährung eine Schlüsselrolle zu.

Unzureichende Nahrungs- und Nährstoffzufuhr ist einer der Hauptfaktoren für Unterernährung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass Unterernährung direkt oder indirekt für mindestens 35 Prozent der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren verantwortlich ist.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) fördert deshalb in seinen Partnerländern die handwerkliche Fischerei, das nachhaltige Management der Fischbestände, einen nachhaltigen Fischkonsum und die Bekämpfung der illegalen Fischerei.

Männer und Frauen beim Fischhandel am Viktoriasee

Hintergrund

Fisch – begehrt, bedroht, benötigt

Die weltweiten Fischbestände sind stark bedroht. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schätzt, dass 33 Prozent aller erfassten Bestände überfischt sind und 60 Prozent an der maximalen Grenze zur Nachhaltigkeit befischt werden.

Verschiedene Fischarten sind vom Aussterben bedroht, dazu zählen insbesondere Fische in den Tropen, bodenlebende Haie und Rochen, Süßwasserfische und Arten mit hohem kommerziellem Wert.

Gründe dafür sind das immense Wachstum und die inzwischen extrem hohe Technisierung des globalen Fischfangs.

Fisch ist ein weltweit begehrtes Lebensmittel, der Markt ist hart umkämpft. Mit Hilfe moderner Technik lassen sich Fischschwärme heute gut aufspüren und abfischen.

Dazu kommt das Problem der illegalen Fischerei – auch sie ist eine wesentliche Ursache für den Rückgang der Fischbestände.

Nachhaltiges Fischereimanagement und Aquakultur

Für den Erhalt der Fischbestände ist nachhaltiges Fischereimanagement notwendig. Wo Fischfang geregelt und kontrolliert stattfindet, kann illegales Abfischen eingedämmt werden, können sich Bestände erholen, können legale Kleinfischer ihr Einkommen und ihre Ernährung besser absichern.

Auch eine nachhaltige Aquakultur kann einen Beitrag zum Schutz der weltweiten Fischvorkommen und zur Ernährungssicherung der Bevölkerung, die vom Fischkonsum abhängig ist, leisten. Kontrollierte Zucht kann den Druck, den die Fischerei auf die wilden Fischbestände ausübt, reduzieren helfen – allerdings nur, wenn es gelingt, den Fischmehl- und Fischölverbrauch für Aquakulturfutter weiter zu senken. Aquakultur ist inzwischen einer der am schnellsten wachsenden Sektoren im Bereich der Produktion von tierischen Nahrungsmitteln mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 5,8 Prozent (2000 bis 2016).

Eine Fischverkäuferin in Kenia
Deutsches Engagement

Nachhaltige Fischerei und Aquakultur fördern

Fisch ist für Milliarden Menschen eine wichtige Quelle für Eiweiß und Mikronährstoffe – insbesondere in Entwicklungsländern. Weltweit arbeiten 59,6 Millionen Menschen als Vollzeit-, Teilzeit- oder Gelegenheitstätige im Fischerei- (40,3 Millionen) beziehungsweise Aquakultursektor (19,3 Millionen). Davon sind 14 Prozent Frauen. Zusammen mit nachgelagerten Tätigkeiten (Verarbeitung, Vermarktung) hängen 120 Millionen Menschen direkt von der Fischerei ab. Laut einer Studie der Weltbank leben 97 Prozent aller im Fischfang und in der Fischverarbeitung tätigen Menschen in Entwicklungsländern.

Der 10-Punkte Aktionsplan Meeresschutz und Nachhaltige Fischerei des Bundesentwicklungsministerium (BMZ) legt drei zentrale Punkte bezüglich seines Engagements fest:

  • Nachhaltige handwerkliche Fischerei und Aquakultur fördern,
  • Nachhaltige und sozialverantwortliche Verarbeitung und Vermarktung von Fisch fördern, und
  • Partnerländer bei der Bekämpfung illegaler, ungemeldeter und unregulierter Fischerei unterstützen.

Mit seiner Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" trägt das BMZ dazu bei, Fisch für Menschen, die unter Ernährungsunsicherheit leiden, besser verfügbar zu machen. Insbesondere die Bevölkerung in Regionen mit eigenen Fischvorkommen soll gesundheitlich und finanziell besser von Fischerei profitieren. Nachhaltig wirtschaftende Kleinfischer und Aquakulturbauern werden dazu gezielt gestärkt.

Auf internationaler Ebene und in verschiedenen Partnerländern in Asien und Afrika unterstützt das BMZ Bemühungen zum nachhaltigen Management der Kleinfischerei, zur Zertifizierung von Fischereiprodukten und zur Bekämpfung von illegaler, nicht gemeldeter und nicht regulierter Fischerei. Die Freiwilligen Leitlinien der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) für nachhaltige Kleinfischerei und der Verhaltenskodex der FAO für verantwortungsvolle Fischerei gelten bei allen Projekten als Richtlinien.

Mehr über das deutsche Engagement zum Meeresschutz lesen Sie hier.

Fischerboote liegen an einer Anlandestelle des Fischmarktes Nouakchott, Mauretanien
Konkrete Erfolge

Fischereiüberwachung vor der afrikanischen Küste

Das Gebiet vor der mauretanischen Küste zählt zu den fischreichsten Meeresarealen der Welt. Der Fischereisektor in Mauretanien liefert nicht nur Nahrung für die Bevölkerung Westafrikas, sie ist auch einer der größten Arbeitgeber und Devisenbringer. Doch durch die steigende Zahl an Fängen drohte die Überfischung – mit negativen Folgen für die mauretanische Wirtschaft, das Ökosystem, die Fischbestände und die Nahrungsmittelversorgung der Nachbarländer.

Um die Fischbestände zu schützen, hat Mauretanien mit deutscher Unterstützung Pläne zu ihrer nachhaltigen Bewirtschaftung entwickelt. Sie regeln, wo, wann und wie viel gefangen werden darf. Um diese Regeln durchzusetzen, hat das Land mit deutscher Förderung inzwischen eine moderne und effiziente Fischereiüberwachung für seine 200-Seemeilen-Bewirtschaftungszone aufgebaut. Eine eigene hochseetaugliche Fregatte kontrolliert im Verbund mit kleineren Fischereischutzbooten die Gewässer, zudem wird der Schiffsverkehr mit Radar, Transpondern und per Satellit überwacht. Mauretanien ist neben Südafrika das einzige afrikanische Land, das ein solches Fischereiüberwachungssystem eingerichtet hat.

Doch Technik allein reicht nicht aus. Es wurde auch eine Behörde für die Fischereiüberwachung aufgebaut, die Strafgelder für illegale Fischerei festlegen und einziehen kann.

Die Fischereiüberwachung trägt dazu bei, dass die Fischgründe vor Mauretanien auch zukünftigen Generationen Nahrung und Einkommen liefern können.

Weitere Informationen zu dem Projekt finden Sie hier.

Ein Offizier der Küstenwache kontrolliert per Radar, wer in den Gewässern vor Mauretanien fischt.
Dokumente und Links

Weiterführende Informationen

Inhaltsverzeichnis

Ländliche Entwicklung und Ernährungssicherung

Lexikon der Entwicklungspolitik

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